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17. März 2010

Unterm Strich

Wie man sich Meriten erwirbt

Stefan Hupka über einen seltsamen Fall von Enteignung im deutschen Hochadel.

"Was du ererbt von deinen Vätern, erwirb es, um es zu besitzen." Dass ein Mann von der Schulbildung des Fürsten zu Fürstenberg den Goethe-Satz schon einmal gehört hat, davon ist auszugehen. Allerdings versteht der Adelige aus Donaueschingen ihn entweder falsch oder ist entschlossen, ihn zu ignorieren. Fürst Heinrich (59) besitzt nämlich ein teures Stück seines toten Vaters Joachim, ohne es geerbt oder erworben zu haben, und hat offenbar nicht die Absicht, es herzugeben. Damit bestätigt ein Mann, dessen Popularitätswerte durchaus steigerbar wären, erneut manche in ihn gesetzte Befürchtung. Und spielt mit dem Ruf des deutschen Hochadels im Ausland.

Denn in Wien ist man äußerst schlecht auf Fürstenberg zu sprechen. Wolfgang Mayer-König (63), Großmeister des Ordens "Mérito navali – Pour le mérite", sagt fassungslos, einen solchen "Mangel an Courtoisie" habe er noch nicht erlebt. Den traditionsreichen Orden – aus purem Gold im Wert von 20 000 Euro – dürfen laut Statut nur zwölf Personen gleichzeitig haben, zu Lebzeiten. Sie verpflichten sich, dass er nach ihrem Tod zurückgegeben wird, damit neue Kandidaten ausgezeichnet werden können. "Auch mein Freund Joki hat das zugesagt", seufzt Mayer-König. Nun ist der alte Fürstenberg schon seit siebeneinhalb Jahren tot, aber die Wiener haben ihren Orden noch immer nicht zurück. Und Kandidaten wie ein orthodoxer Patriarch oder ein schwedischer Anatom, die Mayer-König auf seiner Liste hat, können nicht ausgezeichnet werden. Denn daheim auf der Baar hat Junior Heinrich Gefallen an dem Goldzierrat gefunden. Erst ließ das Adelshaus verlauten, der Orden sei nicht auffindbar, dann fand ihn der Archivar, durfte ihn aber nicht hergeben. Der Fürst habe entschieden, ihn seiner Sammlung einzuverleiben, erfuhren die Wiener. Man hätte ihn gerne gefragt, ob er glaubt, dass er auf diese Weise neben dem Orden auch die Meriten des Vaters erwirbt, doch eine Bürodame lässt uns wissen: "Dazu geben wir keine Stellungnahme ab."

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Autor: hup