Flotte Flieger

Wie Patrick Gutmann in Holzhausen Mauersegler angesiedelt hat

Claudia Bachmann-Goronzy

Von Claudia Bachmann-Goronzy

Mo, 27. August 2018 um 07:37 Uhr

March

Auch der Naturschutzbund Freiburg (Nabu) ist auf das Projekt aufmerksam geworden: Patrick Gutmann hat es sich zur Aufgabe gemacht, Mauersegler bei sich zu Hause anzusiedeln. Und das ist ihm gelungen.

Die Bedingungen für diese besondere Vogelart werden zunehmend schwieriger. Durch Hausmodernisierungen, bei denen Dächer weitgehend abgedichtet werden und praktisch keine Ritzen mehr vorhanden sind, finden die Mauersegler kaum noch Nistmöglichkeiten und verlieren dann reihenweise ihre angestammten Nistplätze.

Auch im Marcher Ortsteil Holzhausen sei ihr Bestand deutlich zurückgegangen, sagt Patrick Gutmann, der Marcher Feuerwehrkommandant. "Früher hat man, vor allem im Ortskern, oft die sogenannten Screaming Parties beobachten können, bei denen ein Pulk von bis zu 20 Tieren laut rufend im Tiefflug und mit mehr als 100 Stundenkilometern zwischen den Häuserfronten entlang flog. Ein heute seltener gewordenes Bild", sagt Gutmann und erinnert sich an die beeindruckenden Vögel, die in seiner Kindheit noch viel zahlreicher im Ort unterwegs waren. Dieser Gedanke motivierte ihn, sich mit dem Thema zu beschäftigen und den Versuch zu starten, Mauersegler an seinem eigenen Wohnhaus gezielt anzusiedeln.

Männlein und Weiblein fliegen getrennt

"Mauersegler? Das sagt mir was, aber wie sehen die nochmal aus?" Das höre man oft, wenn man das Tier zum Thema mache, so Gutmann. "Jeder kennt das schrille Rufen und die rasanten Flugmanöver an unseren Häusern, aber die wenigsten machen sich ein konkretes Bild über diese wahrlich beeindruckenden Tiere." Ende April bis Anfang Mai treffen die von ihren Winterquartieren in Afrika heimkehrenden Vögel im Brutgebiet ein. Männlein und Weiblein fliegen dabei unabhängig voneinander. Aber mit nur wenigen Tagen Abstand voneinander treffen sie an der heimischen Nisthöhle ein. Einem einmal besetzten Nest bleiben die Tiere ein Leben lang treu.

Mauersegler haben eine sehr hohe Lebenserwartung – bis zu 20 Jahre kann ein gesundes Tier alt werden. Die Jungmauser, die im Vorjahr schlüpften, sind dann noch nicht geschlechtsreif und beschäftigen sich daher auch noch nicht mit dem Brutgeschäft. Oft aber werden schon potentielle Partner sowie mögliche Nisthöhlen ausgespäht. Hin und wieder werden Letztere dann auch schon mal gegenüber Nest-Konkurrenten besetzt. Wieder ein Jahr später, wenn die dann knapp zweijährigen Vögel abermals im Brutgebiet eintreffen, fliegen sie das ausgesuchte Nest an und beginnen etwa Mitte Mai mit dem Brutgeschäft.

Lockrufe von CD

Es war im Juni 2015, als Gutmann erstmals ernsthaft darüber nachdachte, Mauersegler an seinem Wohnhaus anzusiedeln. Er informierte sich ausführlich über Nistkästen sowie das Anlocken von Mauerseglern und probierte dies dann erstmals aus. Im Jahr darauf fehlte ihm die Zeit, sich weiter damit zu befassen, was sich jedoch 2017 änderte. Anfang April montierte er die Nistkästen für die Mauersegler an gut ausgesuchter Stelle.

Ab Mitte April 2017 begann er mit dem Anlocken der Vögel über eine CD-Beschallung mit Außenlautsprecher. Minutiös begann der Feuerwehrkommandant mit der Aufzeichnung seiner Aktionen und den Beobachtungen in einem Mauersegler-Tagebuch. So hielt er fest, dass er am 10. Mai die ersten Mauersegler um sein Haus beobachten konnte, woraufhin er umgehend die Beschallung einschaltete. Aus der anfänglich einfachen Schallquelle, die nicht den gewünschten Anlock-Erfolg brachte, entwickelte Gutmann ein Beschallungssystem, welches sich mehrfach täglich zu unterschiedlichen Zeiten einschaltete. Auch die Nachbarschaft war mittlerweile auf das Projekt aufmerksam geworden, tolerierte jedoch den "Lärm" der gelegentlichen Geräuschkulisse, berichtet Gutmann. Es dauerte einige Zeit, bis sich der erste Erfolg einstelle und die ersten Mauersegler den Nistkasten inspizierten.

Nachwuchs im Nistkasten

Richtig spannend wurde es schließlich im Mai dieses Jahres, als nach vielen weiteren Beschallungsaktionen sowie dem Anbringen eines Zeigevogels das erste Mauerseglerpaar einen Nistkasten besetzte. Gutmann kontaktierte den Nabu Freiburg, um weitere Unterstützung und vor allem Informationen zu bekommen. Gegen Mitte Juli war sich Gutmann sicher "es sind Jungtiere im Nistkasten!", denn das Fiepen wurde von Tag zu Tag lauter.

Am 24. Juli war Matthias Schmidt vom Nabu vor Ort in Holzhausen und beobachtete gemeinsam mit Gutmann das rege Treiben am Flugloch. Einen Tag später war das erste Jungtier bereits ausgeflogen und am Abend des 26. Juli verließ auch der zweite Nachwuchs das Nest und machte sich bald auf den Weg nach Afrika.

Kein anderer Zugvogel macht sich so früh auf den Weg. Kaum ein anderes Tier auf diesem Planeten ist so extrem an das Leben in der Luft angepasst wie der Mauersegler.

Jungvögel, die Ende Juli ihre Nisthöhlen verlassen haben, werden erst im kommenden Mai wieder festen Boden unter ihren Füßen haben, sie befinden sich also über neun Monate, nahezu ununterbrochen, in der Luft. Denn von der allerersten Sekunde ihres Ausfliegens aus dem Nest an, sind die Vögel völlig selbständig in der Lage zu fliegen, dabei Fluginsekten zu fangen und sogar in der Luft zu übernachten. Meist machen sich die Jungtiere bereits wenige Tage nach Verlassen des elterlichen Nestes auf nach Afrika ins Winterquartier.

Patrick Gutmann jedenfalls ist glücklich über den Ansiedelungserfolg und auch Matthias Schmidt ist begeistert. Deshalb hat er bereits zugesagt, die Feuerwehr March darin zu unterstützten, auch am neuen Feuerwehrstandort in Buchheim einer Mauerseglerkolonie anzusiedeln.