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18. August 2009 21:28 Uhr

SPD-Kanzlerkandidat

Wie war’s bei … Frank-Walter Steinmeier in Freiburg?

Will Frank-Walter Steinmeier Kanzler werden, muss er Starqualitäten zeigen. Deswegen haben wir an ihn Maßstäbe angelegt, an denen sich Superstars auch sonst messen lassen müssen. Hier die Kurzkritik seines Auftritts in Freiburg.

  1. Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier (rechts) bei seinem Auftritt im Freiburger Seepark, umringt von der SPD-Prominenz aus der Region. Foto: Thomas Kunz

  2. Der Einmarsch des Kandidaten. Foto: Thomas Kunz

Location: In Betzenhausen kann man viele Abenteuer erleben – gerade an glühend heißen Sommertagen. Zum Beispiel: Baden, sich nackig sonnen, joggen, im Tretbötchen über den "Flückiger" schippern. Oder einen Außenminister und einen Staatsminister im Auswärtigen Abend auf der über dem Wasser gebauten Seebühne erleben. Was man auch nicht alle Tage sieht: Für alle Fälle liegt im flachen Wasser ein Polizeiboot vor Anker. Auch Polizeitaucher stehen parat, falls Tunichtgute von der Seeseite her Böses im Schilde führen sollten.

Vorprogramm: Die Sonne jedenfalls interessiert sich an diesem Tag brennend für die SPD. Wäre man gemein, würde man sagen, die Temperaturen in Celsius sind deutlich höher als die Umfragewerte der SPD in Prozent. Kinder schießen auf die Torwand drei unten, drei oben; der Renner ist aber die Bretterrutsche. Staatsminister Gernot Erler höchstpersönlich schickt im Schweiße seines Angesichts ein Kind nach dem anderen auf die Reise. Die Schlange am Bier- und Getränkestand ist um die 15 Meter lang. Tendenz steigend. Vorwiegend Männer in halblangen Hosen. Der Seepark als Bermudashortsdreieck. Die Stimmung am See: extrem gelassen. Erler prämiert junge Torwandschützenkönige und beweist Sportmoderatorenqualitäten. Die Steinmeier-Fanblocks vor der Bühne sind da schon voll besetzt. An den Eingängen gibt es Taschenkontrollen. Sie wollen keine Flaschen bei der SPD. Nur Becher.

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Alle SPD-Kandidaten der Region stellen sich vor. Viel länger als geplant. Der Stargast hat wie alle Stargäste Verspätung. Und zwar ordentlich. Aus den angekündigten 45 Minuten werden 60 Minuten. Ray Austin singt Sonderschichten, auf den Rängen und der angrenzenden Wiese mit 1200 Zuhörern gibt es halblauten Unmut. Doch dann marschiert er doch endlich, umrahmt von Polizei, Leibwächtern und Genossen, durch das applaudierende Fanspalier wie ein Boxer auf dem Weg zum Ring.

Seine Botschaft: "Lassen Sie sich nicht irritieren durch die Umfragen – mich interessieren nicht die Umfragen von gestern, sondern die Arbeit von morgen." Und: "Ich spüre, dass die Menschen uns, die SPD, hören wollen – eine SPD ohne Kleinmut." Weiter: "Wer, wenn nicht wir, denkt an die soziale Balance in unserer Gesellschaft!"

Bühnengebaren: "Ich würde jetzt lieber mit Ihnen hier unten gemütlich ein kühles Bier trinken" – diesen ersten Satz am Rednerpult nimmt man dem Außenminister ab. Er hat das Sakko ausgezogen, die Krawatte zum weißen Hemd aber angelassen. In der Ansprache wechselt er zwischen dem distanzierten "Sie" und vertraulichem "ihr" und "euch".

Publikum: Vorwiegend Stammwähler aller Altersklassen. Natürlich ist Freiburgs SPD-Prominenz nahezu vollständig versammelt. Hart umkämpft sind die Plätze an den Biertischen und -bänken direkt vor der Bühne. VIP-Lounge à la SPD.

Fanartikel: Es gibt keine Steinmeier-Devotionalien am SPD-Stand. Nur rote Luftballons mit SPD-Logo für Kinder. Für alle anderen einen Doppelflyer Steinmeier/Erler plus Wahlaussagen – und eine Beitrittserklärung. Mitgliedsbeitrag abhängig vom Monatsnettoeinkommen.

Zuhörer-Schnellkritik: Die Rede kommt an, ohne dass der Seepark erbeben würde. "Man hat gemerkt, dass er noch daran glaubt, dass die SPD eine Chance hat", so die Zuhörer Schibu Zappold, 34, und Tatjana Kremer, 24.

Autor: Joachim Röderer