Zwischen Schutz und Nutzen

Annette Mahro

Von Annette Mahro

So, 09. Dezember 2018

Kreis Lörrach

Der Sonntag Im Klimawandel liegt für Landwirte eine der großen Herausforderungen der Zukunft.

Mit Blick auf den Klimawandel ist mehr Flexibilität bei Landwirten und beim Naturschutz gefragt. So lautete das Fazit beim Forschungsprojekt "Landschaft im Klimawandel – Neue Nutz- und Schutzkonzepte für den Naturpark Südschwarzwald".

Trockenere und heißere Sommer, früher einsetzende Vegetationsperioden sowie mehr Niederschläge, Starkregen und weniger Frosttage im Winter: Schon heute ist der Klimawandel im Land mehr als nur eine finstere Prognose. Seit 1901 stieg die Durchschnittstemperatur in Baden-Württemberg um ein Grad an, wobei der größte Anstieg in den letzten dreißig Jahren stattfand.

Ein echter Hotspot war der Sommer 2018, in dem die Bauern im Südschwarzwald nur noch zwei- anstatt viermal Heu einbringen konnten. Im Winter musste deshalb Futter zugekauft werden, zusätzlich wurde das Wasser knapp.

"Der Klimawandel steht nicht mehr irgendwie im Raum", warnte denn auch Marion Dammann bei der Abschlussveranstaltung des Projekts "Landschaft im Klimawandel – Neue Nutz- und Schutzkonzepte für den Naturpark Südschwarzwald". Gleichzeitig warb die Lörracher Landrätin und Naturparkvorsitzende bei dem Treffen in Wieden um politische Unterstützung für die in der Land- und Forstwirtschaft Aktiven. Schließlich spielten sie eine entscheidende Rolle beim Erhalt und der Pflege des Naturparks.

Die Bauern dürfen jedoch beispielsweise in besonders naturschutzrelevanten Lebensräumen nur maßvoll eingreifen und beispielsweise wenig oder nur mit verdünnter Gülle düngen oder gegebenenfalls auf Kalkeinsatz verzichten. Wenn andererseits einzelne Flächen nicht mehr oder weniger beweidet werden, etwa weil die Landwirte ihr Vieh fütterungsbedingt dezimiert haben, kann auch das Bewuchs und Landschaft verändern, was eigentlich entsprechend der europäischen Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie vermieden werden soll. Verbotene Eingriffe förderten unter Umständen Kahlstellen oder den Bewuchs mit Giftpflanzen.

Mehrfach war während der Veranstaltung des Naturparks Südschwarzwald, an der neben vor Ort Betroffenen auch Vertreter der Naturschutzverbände sowie der Fach- und Genehmigungsbehörden teilnahmen, vom Verschlechterungsverbot die Rede, das die FFH-Richtlinie festschreibt. Landwirte würden hier aber oft zu Unrecht in Pflicht genommen, weil sich Veränderungen etwa an vorher artenreichen Weidenflächen entweder klimabedingt ereigneten oder aufgrund von seitens der Bewirtschafter als zu starr empfundenen Regeln erfolgten.

Nachdenken über Zisternensysteme

Keinen ganz leichten Stand hatte deshalb Andre Baumann vom Landes-Umweltministerium.

Selbstverständlich müsse man die Probleme flexibel angehen und die Regeln nach Möglichkeit dynamisch anpassen, so der Staatssekretär. Umweltschutz und Klimaanpassung gelte es selbstverständlich miteinander abzustimmen, aber auch die Möglichkeiten im Blick zu behalten.

Eine flächendeckende öffentliche Wasserversorgung bis auf jedes Weidegebiet sei beispielsweise wohl kaum realistisch. Stattdessen ließe sich angesichts übers Jahr veränderter Niederschlagsverteilungen, wie heute schon in südlicheren Ländern üblich, über Zisternensysteme nachdenken.

Mit Forschungsprogrammen wie dem sogenannten Klimopass (Klimawandel und modellhafte Anpassung in Baden-Württemberg) wolle man seitens des Ministeriums aber die Gegebenheiten untersuchen, um auf den bevorstehenden Wandel reagieren zu können. Im Südschwarzwald wurden jetzt besondere FFH-Lebensraumtypen, wie subalpine Buchenwälder und sogenannte artenreiche Borstgrasrasen, also Weideflächen mit winterharten, krautigen Graspflanzen unter die Lupe genommen. Beide werden, so die Überzeugung der Forscher, im Schwarzwald deutlich zurückgehen und nur noch in höhergelegenen Flächen vorkommen.

So würden etwa für die subalpinen Buchenwälder, die sich in feuchten und kühlen Lebensräumen finden, nur noch kleine Lebensräume übrig bleiben, wie der für das Projekt "Landschaft im Klimawandel" mitverantwortliche Bernd Wippel erklärte. "Das dürfte nach dem Verschlechterungsverbot gar nicht sein", so der gelernte Forstwirt. Seine Empfehlung zielt deshalb auf eine Verschiebung des Blickwinkels ab. Schließlich gelte es bei allem zu bedenken, dass die offenen Lebensraumflächen im Schwarzwald aufgrund von Bewirtschaftung entstanden seien, was es in einem guten Miteinander weiterzuentwickeln gelte.

Dem kann Oswald Tröndle nur zustimmen. Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Höhenlandwirtschaft bewirtschaftet einen Hof in Höchenschwand. Ihn hat die Trockenheit hart getroffen. "Für einen Betrieb wie unseren, wenn’s die Dürrehilfe nicht gäbe, da hätten wir dichtmachen können."

Martin Geisel vom Landschaftserhaltungsverband Emmendingen kennt die Probleme. Mehrere Sommer in dieser Art hintereinander brächten viele Betriebe in Bedrängnis. Allein der nötige Futterzukauf fresse am Ende den Gewinn. Allerdings sei auch der Naturschutz in seinen Vorgaben schon flexibler geworden.

Geisel sieht indes auch Positives. Seltene Arten, wie der Perlmutterfalter oder die Zaunammer profitierten und Landwirte, die auch Gästezimmer im Angebot hätten, wären in diesem Sommer ausgebucht gewesen.