Pflegekräfte aus dem Ausland

Die Anzahl ausländischer Auszubildenden an Freiburger Pflegeschulen nimmt zu

Theresa Steudel

Von Theresa Steudel

Di, 23. Oktober 2018 um 14:19 Uhr

Wirtschaft

82 Auszubildende haben 2018 in Freiburg einen Abschluss als Altenpfleger gemacht – und sie kamen aus 34 verschiedenen Ländern. Für die Schulen bedeutet das eine intensive Betreuung.

Eigentlich gehört eine Freisprechungsfeier zum Handwerk. Das Freiburger Ideennetzwerk Pflege, bestehend aus Leitern von Pflegeheimen, -schulen und -diensten, dem Freiburger Amt für Soziales und Senioren und der Agentur für Arbeit, findet allerdings, dass auch Altenpfleger eine solche Feier verdient haben. Deshalb verabschiedete das Netzwerk vergangene Woche nun schon zum fünften Mal bei einer Abschlussfeier 82 Schüler – die aus 34 verschiedenen Nationen stammen.

Denn seit Jahren nimmt die Zahl der Absolventen mit Migrationshintergrund zu. "Von Vietnam über die Mongolei bis Neuseeland habe ich alle Nationalitäten vertreten", sagt Andreas Krüger, Leiter der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe der Deutschen Angestellten-Akademie in Freiburg.

Daniel Baumgartner pflichtet ihm bei. Er leitet die Freiburger Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe der Caritas. 70 Prozent seiner Schüler seien inzwischen keine Deutschen mehr. Beide sind dennoch zufrieden mit ihren Auszubildenden, sprechen von zum Teil hochmotivierten Menschen.

2017 kamen mehr als 133 000 Pflegekräfte aus dem Ausland

Weil kaum Auszubildende aus Deutschland nachrücken und die Stellen besetzt werden müssen, nimmt die Zahl der Fachkräfte aus dem Ausland zu. Waren es 2013 mehr als 79 000, so arbeiteten 2017 schon mehr als 133 000 ausländische Pflegekräfte in Deutschland, schreibt die Bundesregierung auf eine Anfrage der AfD. Kanzlerin Angela Merkel plädiert dafür, den Pflegeberuf attraktiver zu machen. Es reiche nicht, sich mit ausländischen Kräften zu behelfen.

Dass sich Deutsche kaum für den Beruf interessieren, merken Krüger und Baumgartner auf Berufsmessen. Viele würden den Beruf scheuen oder ein Studium vorziehen. "Sobald sie hören, dass man Pflege auch studieren kann, sind sie wieder mehr interessiert", sagt Baumgartner.

Die Ausbildung von Ausländern ist aufwendiger als die eines Deutschen

Laut Andreas Lenzen, Bezirksleiter der kirchlichen Sozialstation in Freiburg, ist die Ausbildung der Fachkräfte aus dem Ausland aufwendiger. Sie bräuchten mehr Unterstützung, nicht nur bei der Bürokratie, sondern auch psychologisch, wenn schlimme Schicksale oder Fluchteindrücke verarbeitet werden müssen. Zum Teil wird finanziell unterstützt, zum Beispiel beim Führerschein. Außerdem müsse schnell Deutsch erlernt werden. Nahezu alle Schulen bieten deshalb Sprachunterricht an.

Es geht nicht um eine Win-Win-Situation, sondern dass wir diesen Menschen helfen. Andreas Lenzen
Das Angebot eines Bewerbertrainings nutzen allerdings nur wenige – denn häufig steht noch vor Ausbildungsabschluss eine Anschlussbeschäftigung fest. Die Übernahmequote der Schüler liege bei 100 Prozent, sagen die Ausbilder. Laut Lenzen werden sie im Beruf nicht nur integriert, auch die Pflegebedürftigen kommen mit Ausländern in Kontakt. Er spricht von Integration auf beiden Seiten: "Wir brauchen diese Menschen. Aber wir merken auch, dass sie uns brauchen. Es geht nicht um eine Win-Win-Situation, sondern dass wir diesen Menschen helfen."

Allerdings sei die Abbrecherquote hoch. Viele würden aufgrund der schweren Arbeit nach etwa fünf Jahren aufhören, sagt Baumgartner, und meistens auch nicht mehr in den Beruf zurückkehren wollen.