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29. Januar 2015 00:00 Uhr

China

Apple fährt Riesengewinne ein – und bezahlt Minilöhne

Der iPhone-Produzent Apple verbucht den höchsten Quartalsgewinn, den ein Unternehmen je erzielt hat. Die Beschäftigten, die die Geräte fertigen, bekommen im Verhältnis dazu fast nichts.

  1. Der Apple-Apfel ist auch in China ein Markenzeichen. Foto: dpa

Bis zu 77 Wochenstunden müssten sie in der Produktion des iPhone 6 arbeiten. Manche Arbeiter würden 158 Überstunden monatlich anhäufen. Dennoch verdienten sie weniger als das lokale Durchschnittseinkommen – diese Angaben über eine Apple-Zulieferfabrik in der chinesischen Stadt Wuxi bei Schanghai veröffentlichte die Arbeitsrechtsorganisation China Labor Watch vergangenen September. Das ist die eine Sicht auf Apple.

Der Konzern vermeldete am Mittwoch 18 Milliarden Dollar Nettogewinn allein zwischen Anfang Oktober und Ende Dezember. Laut Agenturen war das der nominal höchste Profit, den jemals eine Firma erzielte. Vor Weihnachten rissen die Konsumenten Apple die Smartphones aus der Hand. 74,5 Millionen iPhones wurden in drei Monaten verkauft.

Riesenprofite und Minilöhne – das sind zwei Seiten derselben Medaille. Nach Information des internationalen Kritiker-Netzwerks Good Electronics machen die Arbeitskosten eines Smartphones zwei Prozent des Fabrikpreises von 100 Dollar aus. Die Summe zahlen die Markenkonzerne an die Zulieferfirma. Im Geschäft wird das Gerät für 500 Euro verkauft. Aus solchen Spannen finanzieren Firmen wie Apple Entwicklung, Design, Vertrieb, Gehälter sowie den Gewinn. Der größte Teil des Geldes bleibt da, wo die Entwicklung stattfindet – Cupertino in Kalifornien. Obwohl die Produktion der Geräte überwiegend in China läuft, landet dort nur ein kleiner Teil des Erlöses. Pauline Overeem von Good Electronics fordert, dass die Arbeiter in China wenigstens Löhne erhalten sollten, die die Grundbedürfnisse einer Familie decken. Dafür müssten die Löhne verdoppelt werden, was die Konzerne ablehnen. Heute verdienen Arbeiter in der Smartphone-Produktion umgerechnet 350 Euro monatlich. "Dieser Lohn deckt die steigenden Lebenshaltungskosten nicht ab", so Overeem.

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Seit 2010 drängt Apple seine Zulieferfirmen aber, die Arbeitsbedingungen zu verbessern. Inzwischen fänden regelmäßige Kontrollen der Zulieferer statt, sagt Apple. Die Fair Labor Association (FLA), eine US-Organisation für "ethische Arbeitsverhältnisse" beauftragte man, Mindeststandards durchzusetzen. Ein Problem stellen die langen Arbeitszeiten dar. Das chinesische Gesetz zieht die Obergrenze bei 49 Wochenstunden. Apple selbst legt 60 Stunden pro Woche fest. "2013 hielten unsere Zulieferer die 60-Stunden-Arbeitswoche im Durchschnitt zu 95 Prozent ein", erklärt das Unternehmen. Beschäftigte berichteten aber der Badischen Zeitung, dass sie viel länger arbeiten müssten. Die Bezahlung der Smartphone-Arbeiter darf laut Apple-Standard nicht schlechter sein, als die örtlichen Gesetze es vorschreiben. Oft erhalten die Beschäftigten nun höhere Löhne, weil die Fabrikarbeiter inzwischen besser wissen, was sie wert sind. Trotzdem heißt es im Apple-Bericht für 2013, dass zahlreiche Zulieferer ihrem Personal bestimmte Zuschläge verweigert hätten. Ein wesentlicher Grund für solche Zustände: Unabhängige Organisationen von Beschäftigten sind in China verboten.

Autor: Hannes Koch