Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

25. Februar 2012

Apple verdient Milliarden, zahlt aber Löhne unter Tarif

Der Konzern steht nicht nur wegen der Arbeitsbedingungen bei seinen asiatischen Zulieferern in der Kritik – auch hierzulande.

MÜNCHEN. I-Phone, I-Pad, Mac-Computer – die Produkte von Apple sind begehrt. Um als Statussymbol zu taugen, darf das Image des Konzerns aber nicht ins Negative kippen. Niedriglöhne und miserable Arbeitsbedingungen beim asiatischen Zulieferer Foxconn färben bereits auf Apple ab. Auch hierzulande ist das Innenleben des verschlossenen Herstellers moderner Kommunikationsgeräte nicht vorbildlich. Gewerkschafter wie Victoria Sklomeit von Verdi können kaum hinter die Kulissen blicken. In den acht deutschen Apple-Läden gab es lange keinen Betriebsrat, dafür untertarifliche Löhne und ein Übermaß an Überstunden, so Verdi.

Jetzt kommt Bewegung in die abgeschottete Apple-Welt. In chinesischen Zulieferfabriken dürfen sich dieser Tage erstmals Inspektoren umsehen. Im Münchner Geschäft ist vor sechs Wochen ein erster Betriebsrat gewählt worden. Das Unternehmen sei kooperativ gewesen, lobt Sklomeit. Ob dies ein Signal für eine Wende ist, wagt die Gewerkschafterin nicht abzuschätzen. Ihr Ziel ist es, in den anderen Apple-Läden in Frankfurt und Hamburg (je zwei), Dresden, Augsburg, Oberhausen Betriebsräte und dann einen Gesamtbetriebsrat aufzubauen.

Werbung


"Kein Kommentar", heißt es dazu in der Münchner Zentrale des US-Konzerns. Zu solchen Fragen äußere sich Apple traditionell nicht. Auch die Bezahlung des Personals in den Läden kommentiere man nicht. Wenn Verdi etwas dazu sagen wolle, dann bitte. Verdi sagt etwas. Eine miserable Entlohnung sei keine Seltenheit in dem Konzern, der allein im letzten Quartal des vergangenen Jahres 13,1 Milliarden Dollar Gewinn gemacht hat.

In den USA klagen die Verkäufer der teueren Produkte über eine niedrige Bezahlung. Um sich Gehör zu verschaffen, haben sie eine eigene Vertretung namens Apple Retail Workers Union geschaffen. In Deutschland sollen Betriebsräte und Verdi zum Sprachrohr des Verkaufspersonals werden. Mindestens zehn Prozent unter dem für den Einzelhandel geltenden Tarif entlohne Apple seine Mitarbeiter in den Läden, hat Verdi ermittelt. Zudem gebe es weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld. Um in teueren Städten wie München über die Runden zu kommen, müssten Verkäufer systematisch Überstunden schieben. Verschärft werde das durch schlechte Arbeitsbedingungen wie einen "zeitweise diskothekenähnlichen Lärmpegel", der bei Mitarbeitern schon zu einem Gehörsturz geführt habe.

In diesem Punkt ist Apple kooperativ geworden. Der Konzern lässt Lärmmessungen durchführen, sagt Verdi. Apple schweigt auch dazu. So rätseln Beschäftigte, ob sich Apple mit bundesweit 500 und global 60 000 Beschäftigten grundsätzlich öffnen oder vielleicht nur die für das Image schwierige Phase überbrücken will, ohne neue Angriffspunkte zu liefern.

Vorsichtig ist auch die seit sechs Wochen amtierende Münchner Betriebsrätin. Mit Journalisten sprechen will sie nicht. "Sie will keinen Staub aufwirbeln und erst zu einer gemeinsamen Arbeitskultur mit dem Management finden", heißt es in ihrer Umgebung. Apple könne ziemlich allergisch reagieren, wenn man forsch mit der Presse redet. Man mache erst einmal eine Bestandsaufnahme über die Zustände in den Läden und hoffe auf Gesprächsbereitschaft seitens der Geschäftsführung. Vielleicht ist der Konzern dann bereit, nicht nur über seine Produkte zu reden, sondern über sich selbst.

Autor: Thomas Magenheim-Hörmann