Auto soll Wunsch des Fahrers von den Lippen ablesen

Andrej Sokolow

Von Andrej Sokolow (dpa)

Sa, 07. Januar 2017

Wirtschaft

Autobauer und Technikfirmen wollen die künstliche Intelligenz in den Pkw bringen / Sie soll zu einer Art Copilot werden.

LAS VEGAS. Die Software, die autonomes Fahren möglich macht, soll sich auch nützlich machen, wenn ein Mensch am Steuer sitzt. Nach neuen Konzepten, die auf der Technikmesse CES in Las Vegas vorgestellt werden, sollen digitale Assistenten mit künstlicher Intelligenz den Fahrer als Co-Pilot unterstützen. Hersteller arbeiten an selbstlernenden Computern für das Cockpit, die zusätzlich menschliche Fahrer unterstützen sollen.

So entwickelt Audi gemeinsam mit der Computerfirma Nvidia ein selbstfahrendes Auto mit künstlicher Intelligenz. Das Fahrzeug solle 2020 auf die Straße kommen, sagte Nvidia-Chef Jen-Hsun Huang auf der CES. Wenige Stunden zuvor zeigte Toyota den Prototyp eines selbstfahrenden Autos mit künstlicher Intelligenz an Bord, mit dem die Insassen vor allem über einen digitalen Assistenten per Sprache kommunizieren können.

Der Autocomputer von Nvidia soll zum einen für das autonome Fahren sorgen. Wenn der Mensch aber selber lenkt, tritt die Software als Copilot auf und warnt vor Gefahren im Verkehr – wenn etwa ein Radfahrer auf der Fahrbahn schlecht sichtbar ist oder sich ein anderes Fahrzeug im toten Winkel befindet. "Selbst wenn ein autonomes Fahrzeug Sie gerade nicht selbst fährt, sollte es weiter auf Sie aufpassen", sagte Huang. Dabei soll der Computer mit seinen Hinweisen erst eingreifen, wenn er merkt, dass der Fahrer selbst die Gefährdung nicht erkennt – weil er abgelenkt ist.

Huang zeigte, wie die Software mit Hilfe einer Kamera im Cockpit nicht nur das Gesicht und die Blickrichtung des Fahrers erkennt, sondern Sprachbefehle an den Lippenbewegungen abliest. Produzieren werden die Computer die deutschen Zulieferer Bosch und ZF. Diese Partnerschaft sei für ihn wichtig, um Fuß in der Autobranche zu fassen, sagte der Nvidia-Chef.

Die Audi-Mutter Volkswagen wählte Nvidia zudem als strategischen Partner für ihr neues Zukunftszentrum im Silicon Valley aus. Die Markteinführung des Cockpits mit künstlicher Intelligenz sei für die kommenden Jahre geplant. Es ist nicht die erste Allianz eines deutschen Autobauers mit einer Computerfirma. BMW arbeitet bei der Entwicklung seiner Roboterwagen mit dem Chipbauer Intel zusammen.

Toyota zeigte den Prototyp Concept-i, bei dem die Interaktion mit dem digitalen Assistenten Yui zu großen Teilen die Bedienung mit Knöpfen und Touchscreens ersetzen soll. Die Insassen sollen sich einfach mit der Software unterhalten. Zudem soll der Assistent auch selbst die Bedürfnisse der Menschen erkennen und sogar voraussehen können. Visuell wird Yui durch einen pulsierenden Kreis in der Mittelkonsole repräsentiert.

Der US-Spezialist für Spracherkennung Nuance setzt einige dieser Ideen schon um. Die Firma stellte auf der CES eine neue Version ihrer Software fürs Auto vor, die auch einzelne Insassen an der Stimme unterscheiden kann. Zudem wird die Funktion zum Vorlesen und Diktieren von Kurzmitteilungen schlauer. Wenn jemand per Nachricht dem Fahrer ein Treffen an einem bestimmten Ort vorschlägt, fragt das Programm, ob die Route dorthin umgeleitet werden soll.

Äußerlich griff Toyota beim Concept-i zu einem sehr futuristischem Design. Ein Display auf der Frontseite zeigt Fußgängern, ob das Auto autonom fährt oder von einem Menschen gesteuert wird. Auch nachfolgende Fahrer sollen mit Schriftzügen in verschiedenen Farben gewarnt oder informiert werden.