Peking

China und USA steuern auf einen Handelskrieg zu

Finn Mayer-Kuckuk

Von Finn Mayer-Kuckuk

Di, 27. Dezember 2016 um 00:00 Uhr

Wirtschaft

Die wirtschaftspolitischen Spannungen zwischen den USA und China vertiefen sich. Die beiden Länder steuern auf einen Handelskrieg zu. Wird er Realität, leiden nicht nur die Streithähne darunter.

Der designierte US-Präsident Donald Trump hat bekannt gegeben, einen extremen China-Kritiker zu seinem obersten Handelsberater zu machen. Peter Navarro ist Autor der Bücher "Death by China" und "The Coming China Wars". Navarro soll als Leiter des Handelsausschusses des Weißen Hauses dazu beitragen, "die Industrie unseres Landes wieder groß zu machen", ließ Trump mitteilen.

Trump hatte im Wahlkampf angekündigt, China am ersten Tag seiner Präsidentschaft als Währungsbetrüger zu brandmarken und hohe Strafzölle auf Produkte aus dem fernöstlichen Land zu verhängen. Die Firmen sollten die Arbeitsplätze wieder auf heimischen Boden verlagern. Seine Äußerungen und Handlungen seit der Wahl deuten darauf hin, dass er es ernst meint. Er hat beispielsweise mit der taiwanischen Präsidentin Tsai Ying-wen telefoniert – ein Affront gegen die Führung in Peking.

China reagiert mit kaum noch verhohlenen Drohungen. Chinas stellvertretender Finanzminister Zhu Guangyao warnte vor einem Handelskrieg als Folge der neuen US-Politik. Sein Land werde seine Interessen "mit aller Entschlossenheit verteidigen".

Wenn China und die USA versuchen, sich gegenseitig wirtschaftlich zu schaden, dann leidet jedoch schnell auch der Rest der Welt darunter. "Eine Politik, die dem Welthandel in diesem Maße belastet, würde ganz sicher in eine umfassende Katastrophe führen", warnt Richard Duncan, Chefökonom von Blackhorse Asset Management in Singapur. Es gehe nicht einfach um die Frage, ob Waren in Shenzhen oder Montana hergestellt werden. In der globalisierten Wirtschaft sind alle Akteure miteinander verflochten. Vor allem die US-Staatsfinanzen würden extrem unter einem Trump-Schock leiden. Trump scheint zu übersehen, dass China nicht nur der größte Warenlieferant der USA ist, sondern auch der größte Gläubiger nach Japan. Die Amerikaner bezahlen die Turnschuhe, Flachfernseher und iPhones aus China am Ende nicht, sondern bleiben China das Geld schuldig. Die chinesische Zentralbank investiert die Dollar, die das Land im Außenhandel erwirtschaftet, stets in Anleihen der amerikanischen Regierung. China ist damit der wichtigste Geldgeber Amerikas.

Hohe Zölle auf Waren aus China würden in den USA eine Kettenreaktion aus Inflation und Geldknappheit auslösen, fürchtet Duncan. Schließlich kommen nicht nur Waren chinesischer Marken aus Fernost. Auch da, wo Apple oder Nike draufsteht, ist meist China drin. US-Bürger geben jährlich etwa 500 Milliarden Dollar (478 Milliarden Euro) für Produkte aus dem asiatischen Land aus. "Die Preise würden durchweg scharf anziehen", sagt Duncan. Darunter würden vor allem Niedrigverdiener leiden.

Tatsächlich sind es derzeit vor allem die billigen Einfuhren aus Asien, die das Gespenst der Preissteigerungen im Bann halten. "Hohe Inflation rechtfertigt jedoch hohe Zinsen", sagt Duncan. In der Folge würde die US-Regierung sich kaum noch refinanzieren können. In diesem Szenario fällt China als Käufer von US-Staatsanleihen aus. Washington müsste die Käufer der Schuldscheine dann mit enormen Zinsen ködern. Da der Schuldenberg bereits hoch ist, würde auch die Refinanzierung teuer werden. Da Trump plant, Steuern zu senken, wäre der ohnehin prekäre Staatshaushalt ernsthaft in Gefahr.

China wäre noch schlimmer betroffen. "Die gigantische chinesische Wirtschaftsblase würde platzen, wenn die Aufträge aus Amerika ausbleiben", warnt Duncan. "Die Arbeitslosigkeit würde schlagartig durch die Decke gehen, wenn sich das Rad andersherum dreht." Die Folge wäre extrem schwaches Wachstum "mit möglicherweise dramatischen politischen Folgen". Die Kommunistische Partei legitimiert sich durch das Versprechen steigenden Wohlstands.

Nun liege alles bei Trump, sagt Duncan. Wenn er das bisherige Gefüge mit hohen Importen aus China und erfreulich niedrigen Preisen in Amerika akzeptiere, dann habe er Spielraum für Investitionen in die Infrastruktur. "Nur so kann er Amerika wirklich wieder groß machen – nicht, indem er den Handel abwürgt."