Davos ist voller Liebe zum Datenschutz

Hannes Koch

Von Hannes Koch

Sa, 26. Januar 2019

Wirtschaft

Auch US-Konzerne würdigen beim Weltwirtschaftsforum die Bewahrung der Privatsphäre.

DAVOS. Das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos ist am Freitag zu Ende gegangen. Welche Erkenntnisse hat die 49. Ausgabe des Manager- und Politikgipfels zutage gefördert?

Datenschutz ist toll
Satya Nadella, der Vorstandsvorsitzende von Microsoft, findet den europäischen Datenschutz gut. Im Gespräch mit dem Chef des Weltwirtschaftsforums, Klaus Schwab, sagte er, "GDPR ist ein guter Start". Die vier Buchstaben stehen für die englische Abkürzung der EU-Datenschutz-Grundverordnung. Das ist interessant, weil die US-Digitalkonzerne eine staatliche Regulierung ihrer Datenwirtschaft normalerweise ablehnen. Nun bekannte sich Nadella zum Menschenrecht auf Privatsphäre. Die Daten müssten den Privatpersonen gehören, sagte er in Davos, nicht den Unternehmen. Möglicherweise bahnt sich ein ähnlicher Wechsel bei Facebook an.

Arbeitsplätze verändern sich
Nicht nur das Weltwirtschaftsforum verbreitet die Angst, dass die vierte industrielle Revolution – die Digitalisierung – Millionen Arbeitsplätze gefährde. Die Frage ist, ob das stimmt. Rajeev Suri, der Chef des Telekommunikationskonzerns Nokia, gab Entwarnung. Intelligente Roboter und Computer "ersetzen die Arbeiter in den Fabriken nicht", sagte Suri beim WEF. Der wesentliche Effekt der künstlichen Intelligenz in Unternehmen bestehe darin, die Arbeitsplätze der Beschäftigten zu verändern, nicht aber diese wegzurationalisieren.

Die multipolare Welt
Vor zehn Jahren noch war klar, dass die zentralen Podiumsdiskussionen von US-Fernsehsendern auf Englisch organisiert wurden. Mittlerweile gibt es mehr und mehr Veranstaltungen aus anderen Erdteilen. So schickte das staatliche chinesische Fernsehen CCTV seine Moderatorin Li Sixuan, die US- und chinesische Unternehmer abwechselnd auf Englisch und Chinesisch befragte. Plötzlich brauchten auch die Westler Kopfhörer für die Übersetzung. In diesem Wandel spiegelte sich der wachsende Einfluss Chinas.

Streit muss sein
Eilig und mit düsterer Miene absolvierte Jair Bolsonaro, der neue Staatspräsident Brasiliens, seine Antrittsrede beim WEF. Er pries den freien Markt, die Familie, Gott und Vaterland. Nach acht Minuten war seine Rede vorbei, und er nahm Platz in einem Sessel auf der Bühne, um sich von WEF-Chef Schwab befragen zu lassen. Der machte es ähnlich kurz, ließ Bolsonaro mit Oberflächlichkeiten entkommen und lobte Brasilien ob seiner wunderbaren Natur. Wer wollte, konnte dies als feine Form der Kritik am Vortrag des Brasilianers verstehen. Besser gewesen wären ein paar kritische Fragen.

Fürsprecher für Kooperation
Das Prinzip, international fair zusammenzuarbeiten und dafür die bestehenden globalen Institutionen zu nutzen, hat einflussreiche Fürsprecher. Beim WEF verteidigte es der japanische Premierminister Shinzo Abe. Bundeskanzlerin Angela Merkel plädierte für eine reformierte internationale Ordnung. Klang abstrakt, war aber eine Breitseite gegen Politiker wie US-Präsident Donald Trump.