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30. März 2017

Die Atomkraft wird zum Milliardengrab

Toshiba hat die Entwicklung des Weltmarktes überschätzt.

TOKIO/PEKING. Der japanische Technikkonzern Toshiba entlässt seine Atomsparte in die Insolvenz, wie die Regierung in Tokio bestätigt hat. Die US-Tochtergesellschaft Westinghouse werde in den kommenden Tagen ihre Zahlungsunfähigkeit erklären. In dem Unternehmen aus Pittsburgh hat Toshiba sein Nukleargeschäft gebündelt. Die Atomsparte fuhr jahrelang Verluste ein. Die Japaner müssen allein in diesem Jahr um die sechs Milliarden Dollar nach Amerika überweisen, um dort anfallende Kosten zu decken. Eine geordnete Insolvenz schützt die Konzernmutter vorerst vor Forderungen der Gläubiger. Westinghouse entwickelt, plant, baut und betreibt Kernkraftwerke. Toshiba selbst hat einen Skandal um gefälschte Bilanzen und vertuschte Verluste am Hals und kann die Kosten der Atomtochter nicht tragen. Die Unternehmensführung hatte den Nuklearmarkt hartnäckig falsch eingeschätzt. Noch vor zwei Jahren hat Westinghouse einen teuren Zukauf gestemmt, der sich nun als unbezahlbar erweist. Die Entwicklung des Geschäfts bleibt bereits seit einem Jahrzehnt hinter den Prognosen aus den Powerpoint-Präsentationen von Toshiba zurück.

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China und Russland setzen auf eigene Technik

Toshiba kaufte Westinghouse 2006 für fünfeinhalb Milliarden Dollar – dem Doppelten des geschätzten Marktpreises. Der Aufschlag galt damals als gerechtfertigt. China hatte angekündigt, bis 2020 Dutzende Kernmeiler in Auftrag zu geben. In Europa – mit Ausnahme Deutschlands – lag eine Rückkehr der Atomkraft in der Luft, auch in den USA und in Japan hatte die Atomkraft Zukunft. Es kam anders, 2011 mit der Katastrophe von Fukushima. Die USA haben sich in einen Schieferöl-Boom gestürzt und wollen die Kohle forcieren. Dort sind lediglich fünf Reaktoren in Planung. China baut zwar gerade 20 Reaktoren und plant Dutzende mehr – hat sich die Technik aber schlauerweise selbst angeeignet und will weltweit zum Anbieter werden. In Europa planen nur Frankreich, Polen und Großbritannien je ein Projekt. Russland ist noch begeistert vom Atom, setzt aber auf eigene Technik.

Autor: Finn Mayer-Kuckuk