Geldwäsche mit deutschen Immobilien

dpa

Von dpa

Sa, 08. Dezember 2018

Wirtschaft

Transparency: 2017 wurden 30 Milliarden Euro mit unklarer Herkunft in Deutschland angelegt.

BERLIN (dpa). Es sind alarmierende Befunde: Angesichts zahlreicher Schlupflöcher wird der deutsche Immobiliensektor zunehmend zum Ziel von milliardenschwerer Geldwäsche. Es werde vermehrt ausländisches Geld investiert, dessen Herkunft unklar sei, heißt es in einer am Freitag in Berlin vorgestellten Studie der Organisation Transparency International. "Nach Schätzungen waren es allein 2017 über 30 Milliarden Euro." Ermittlungen in Italien zeigen, dass gerade die Mafia enorme Geldsummen, die unter anderem aus dem Kokainhandel stammten, durch den Immobilienerwerb reinzuwaschen versucht.

Transparency schätzt, dass 15 bis 30 Prozent aller kriminellen Gelder inzwischen in Immobilien investiert werden – durch den Bau von Häusern über Sanierung bis hin zu Kauf, Verkauf und Miete. Oft geschieht das über Strohmänner, was die Aufdeckung schwierig macht.

Mitte Oktober hatte auch der Chef der Anti-Geldwäsche-Einheit FIU, Christof Schulte, vor einer Zunahme krimineller Machenschaften im Immobiliensektor gewarnt. Er appellierte an Makler und Notare, sich bei Verdachtsfällen öfter an die FIU – eine Abteilung des Zolls – zu wenden, die verdächtigen Geldbewegungen nachspürt. Denn von knapp 60 000 Verdachtsmeldungen 2017 habe es lediglich rund 20 Hinweise von Immobilienmaklern gegeben.

"Es gibt ein massives Problem mit Geldwäsche bei Immobilien in Deutschland", betonte Transparency-Deutschland-Chefin Edda Müller. "Die geltenden Gesetze und die Ausstattung der Ermittlungsbehörden stehen auch angesichts der Grenzenlosigkeit internationaler Finanzströme in keinem Verhältnis dazu." Immer wieder wird auch eine mangelhafte Bund-Länder-Kooperation kritisiert.

Allein wegen seines Volumens biete der deutsche Immobilienmarkt ein riesiges Potenzial für Geldwäsche, heißt es in der Studie. Unbekannt sei, wie viele Immobilien und Grundstücke ausländischen Personen gehören – in Berlin zum Beispiel laufen daher Projekte von Bürgern und Medien, um die wahren Eigentümer herauszufinden. Von einem arabischen Großclan wurden im Juli 77 Wohnungen, Häuser und Grundstücke beschlagnahmt.