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15. Juni 2011
Brüssel
Griechenlandhilfe spaltet EU-Länder
Die 17 Euro-Finanzminister finden in Brüssel vorerst keine Lösung.
BRÜSSEL (dpa). Die wohl unvermeidliche erneute Rettung Griechenlands mit Milliardenhilfen spaltet die Euro-Länder. Die EU-Finanzminister verzichteten am Dienstagabend in Brüssel auf die geplante gemeinsame Erklärung, die zur Beruhigung der äußerst nervösen Finanzmärkte gedacht war. "Das ist ein sehr schwieriges Thema", resümierte der finnische Ressortchef Jyrki Katainen nach stundenlangen Debatten.
Es geht vor allem darum, wie Banken und Versicherungen an den Milliardenkosten für einen neuen Rettungsplan beteiligt werden. Vor allem Deutschland dringt auf einen Beitrag privater Gläubiger. Das Paket soll laut Spekulationen einen Umfang von 90 bis 120 Milliarden Euro haben.Die Beratungen sollen an diesem Sonntag (19. Juni) in Luxemburg fortgesetzt werden – einen Tag früher als zunächst geplant. "Die Gespräche gehen weiter", sagte der Vorsitzende der Ministerrunde, Luxemburgs Jean-Claude Juncker. Laut Diplomaten gab es Bewegung, eine Einigung sei aber noch nicht absehbar.
Finanzminister Wolfgang Schäuble trifft mit seinen weitgehenden Plänen zur Beteiligung von Privatgläubigern auf erheblichen Widerstand der Euro-Partner. Zwar sind die meisten Euro-Länder bereit, auch private Gläubiger einzubeziehen. Allerdings wollen sie bei einer sanften Umschuldung nicht so weit gehen wie der CDU-Politiker, wie das Treffen ergab. Die Bundesregierung fordert, dass die Banken ihre alten griechischen Staatsanleihen freiwillig gegen neue mit längerer Laufzeit von sieben Jahren umtauschen.
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Der Finne Katainen sagte vor dem Krisentreffen: "Die meisten Länder haben angedeutet, dass sie für eine wie auch immer geartete Einbindung des privaten Sektors sind." Die Details seien aber noch unklar. Einige Länder wollen es den privaten Gläubigern selbst überlassen, ob sie mitmachen oder nicht. "Die Beteiligung des Privatsektors muss freiwillig sein", fordert der belgische Finanzminister Didier Reynders. Würde man Banken, Versicherungen und Rentenfonds zwingen, könne dies das gesamte Finanzsystem des Euro-Gebiets ins Wanken bringen. Der Anteil der Privaten am Notpaket wird auf etwa 30 Milliarden Euro geschätzt.
Die Lösung für Griechenland könnte laut Experten so aussehen, dass Banken auf freiwilliger Basis neue griechische Anleihen kaufen, falls alte auslaufen. Inzwischen ist es ausgeschlossen, dass Athen wie geplant von 2012 an wieder selbst Geld am Kapitalmarkt aufnehmen kann. Die Ratingagentur Standard & Poor’s hatte bereits am Montag Griechenland auf das Ramschniveau CCC herabgestuft. Das Land war im Mai 2010 mit einem 110 Milliarden Euro schweren Hilfsprogramm von den übrigen Euro-Ländern und dem IWF vor der Pleite gerettet worden.
Autor: dpa
