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09. Dezember 2014

Freiburg

Gründerpreis der Uni wurde vergeben

Gründerpreis der Universität Freiburg geht an eine Firma, die sich bessere Bürgerbeteiligung auf die Fahne geschrieben hat / Energiesparen wird ebenfalls prämiert.

FREIBURG. Energie sparen und ein zweites Stuttgart 21 verhindern – diese Geschäftsideen wurden am Montag beim Finale des Gründerwettbewerbs Startinsland der Universität Freiburg prämiert. Insgesamt gab es 15 Bewerbungen. Wir stellen die Finalisten vor.

MEMO-U

Der Bürger-Moderator
Thomas Uhlendahl, der Mann hinter Memo-U, hat den Gründerpreis der Universität in der Kategorie "sonstige Gründungsvorhaben" gewonnen. Das bringt ihm 2000 Euro Preisgeld. Der ausgebildete Coach und Mediator hat es sich auf die Fahne geschrieben, Bürgerbeteiligungen intelligent zu managen. Bislang bleibt ihm dafür aber wenig Zeit. Uhlendahl ist als Akademischer Rat an der Uni Freiburg noch im Landesdienst und darf maximal einen Tag pro Woche nebenberuflich tätig sein. "Das ändert sich bald", sagt er. "Im März mache ich mich selbstständig." Sein Beratungsmodell ist erprobt und gefragt. "Der Bedarf nach Beteiligungsprozessen nimmt zu", sagt Uhlendahl. Viele Kommunen haben Angst vor einem nächsten Stuttgart 21. Also beziehen sie ihre Bürger früh in die Beratungen ein. Dabei kann es um die Gestaltung der neuen Ortsmitte gehen oder um andere Projekte aus dem öffentlichen Raum. Uhlendahl moderiert dann Ideenwerkstätten, bei denen schnell um die 100 Bürger mitreden wollen. Die gesammelten Ideen müssen dann von der Verwaltung bearbeitet werden. Auch dabei hilft Uhlendahl.

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ENIT – ENERGY IT-SYSTEM

Strom mit Grips
Viele Firmen wissen nicht, warum sie so hohe Stromrechnungen haben. Dem wollen Hendrik Klosterkemper, Pascal Benoit und Simon Fey abhelfen – mit Enit. Das bedeutet Energy Informationstechnik-System. Dafür bekamen die drei den Gründerpreis der Uni Freiburg gleich zweimal. Zum einen in der Kategorie "Innovation aus der Wissenschaft", zum anderen gewannen sie den Green-Economy-Preis. "Tatsächlich gibt es nur bei 14 Prozent der deutschen Unternehmen ein Energiemanagement", sagt Hendrik Klosterkemper. In dieses Dunkel soll Enit Licht bringen. Die Technik findet teure Stromspitzen und gleicht sie aus – etwa durch selbst erzeugten Strom. Oder man vermeidet, die größten Stromfresser alle zur gleichen Zeit einzuschalten. So wie man im Haushalt nicht Staub saugt, während Trockner, Geschirrspüler und Waschmaschine laufen, kann man auch in der Industrie den Einsatz der Maschinen besser aufeinander abstimmen. Enit liefert dafür nicht nur die Hardware, sondern auch die Software und das Know-how, um die Daten auszuwerten. Und das für relativ schmales Geld, verspricht Klosterkemper.
VIRTUELLES FLÜSSIGKEITSMANAGEMENT

Der Weg des Wassers
Das Projekt von Markus Ihmsen, Jens Cornelis und Andreas Henne ist noch namenlos. Trotzdem hat es den zweiten Preis im Gründerwettbewerb gewonnen und wird mit 1000 Euro prämiert. Das Trio hat eine Software entwickelt, mit der sich die Wege von Flüssigkeiten berechnen lassen. Ein Beispiel: Autobauer mussten bei jedem neuen Modell Prototypen bauen, wenn sie wissen wollten, ob die voll aufgedrehte Klimaanlage in starkem Regen auch Wasser ansaugt. "Die Luft-Wasser-Trennung ist für viele Autobauer tatsächlich noch ein Problem", sagt Ihmsen. Vor allem, weil sie bisher nicht nach Ursachen forschen können, wenn etwas nicht klappt. Sie müssen es immer wieder probieren. Das Trio hat nun ein Verfahren entwickelt, das dies ermöglicht. Eine weitere Anwendung ist der Wasserbau. Will man wissen, ob ein Staudamm dem Druck des Wassers standhält, so musste man bislang meterhohe Modelle bauen und diese fluten. Jetzt geht das am Rechner. Die drei Entwickler kommen eigentlich aus der Animation. Und so wird ihre Technik auch in einem neuen Kinofilm von Disney-Pixar eingesetzt. "In welchem, das wissen nicht mal wir", sagt Ihmsen.

BIONICURE
Tabletten gegen Hepatitis
Impfen ist lästig. Gar nicht mal so sehr, weil die Spritze so schmerzhaft wäre. Sondern weil man für eine Impfung oft mehrfach zum Arzt gehen muss. Das wollen die Gründer von Bionicure ändern. Adrian Sprenger, Hanna Wagner, Balder Rebmann und Felix Zink haben daher einen Impfstoff entwickelt, der nur einmal als Depot gespritzt werden muss. Das hat ihnen den dritten Platz und 500 Euro eingebracht. Über eine Tablette wird später das Ausschütten des Impfstoffes aktiviert. Die weiteren Impfungen fallen also weg. "Die Herausforderung daran war, nur Bestandteile zu verwenden, die klinisch zugelassen sind", sagt Sprenger, der in Freiburg promoviert hat. Dennoch: Die medizinischen Zulassungsverfahren sind lang und kostspielig. Ohne einen Investor ist das nicht zu stemmen. Die vier hoffen, dass ein Pharmaunternehmen diese klinische Einführung begleitet und letztlich dann auch die Idee kauft, um seine eigenen Impfstoffe zu verpacken.

IMMUNE-2-DAY

Der Kopierer für die DNA
Einen fertigen Impfstoff in nur 48 Stunden entwickeln? So sieht er aus, der Plan, an dem Günter Roth, Norman Kilb und Jürgen Burger werkeln. Die drei Biologen vom Freiburger Zentrum für Biosystemanalyse an der Uni Freiburg kamen ebenfalls auf den dritten Platz und erhielten 500 Euro Prämie. Sie haben einen Kopierer für Biomoleküle entworfen. Damit hoffen sie, binnen Tagen mögliche Impfstoffe gegen Virusinfektionen identifizieren zu können. "Bislang dauert es mindestens sechs Wochen, bis man einen Impfstoff entwickelt hat", so Roth. Die Regelzeit liegt sogar bei einem halben Jahr. Die drei Wissenschaftler hoffen nun, Geld für ein Anwendungsbeispiel bei der Schweinegrippe zu bekommen. Das ist eine Seuche, der Zehntausende Tiere zum Opfer fallen. "Wir können Schweine gegen die Grippe impfen", ist Roth überzeugt. Eine Zusammenarbeit mit einem Biotech-Unternehmen aus Tübingen haben sie bereits vereinbart.

MY MÖBELSTÜCK

Möbel nach Maß
Es gibt Online-Konfiguratoren für Müsli, Schokolade und T-Shirts. Die beiden Nürnberger Jungunternehmer Martin Weber und Dominic Lindner haben nun auch einen für Möbel entwickelt. Das hat ihnen den zweiten Platz in der Kategorie "sonstige innovative Gründungen" sowie 1000 Euro Preisgeld eingetragen. Auf ihrer Internetseite kann man den Schlafzimmerschrank so gestalten, wie man ihn sich vorstellt. Höhe, Breite, Holzsorten, Fächer und Türen, Farben und Extras – der Kreativität sind kaum Grenzen gesetzt. Gefertigt wird der Schrank dann von einem der Handwerksbetriebe, mit denen Lindner und Weber zusammenarbeiten. Die Website verspricht dabei stets Meisterqualität.

Billig ist die Handwerkskunst nach Eigenentwurf nicht. Dafür soll sie langlebig und einzigartig sein. Den Konfigurator für die Möbel haben die beiden selbst entwickelt, Martin Weber schreibt gerade seine Masterarbeit über den optimalen Aufbau von Konfiguratoren. Im Frühjahr sind die beiden wohl mit ihrem Studium der Wirtschaftsinformatik fertig. Dann wollen sie voll durchstarten. "Wir suchen aber noch Investoren", sagt Martin Weber.

MEET-UPPP
Zeit, sich zu verabreden
Facebook, Whatsapp und so weiter – die Menschen sind gut vernetzt und tauschen sich aus. Doch: Sie treffen sich immer seltener. "Das ist uns bei uns selbst aufgefallen", sagt Dominic Wortmann, einer der Erfinder von Meet-Uppp. Die gerade in Arbeit befindliche Smartphone-App informiert mit einem Klick und einem Blick, ob ein Freund gerade Zeit hat. Seit März sitzen Wortmann, Manuel Lienemann, Sven-Eric Matthes und Stefanie Magdalena Brenner an der Umsetzung der Idee – Komplett eigenfinanziert. Jetzt helfen die 500 Euro Preisgeld, die es für den dritten Platz bei den allgemeinen Gründungen gab. Nächstes Jahr wollen sie eine Firma gründen und die App für die Betriebssysteme Android und iOS herausbringen. Die Idee funktioniert, versichert Wortmann. "Wir treffen uns jetzt öfter." Und das, obwohl zwei aus dem Quartett in Furtwangen studieren und einer schon berufstätig ist. "Wenn ich sofort sehe, ob meine Freunde Zeit haben, dann verabrede ich mich auch eher mit ihnen."

Autor: Philipp Peters