HINTERGRUND: "Sieben Eier am Tag sind ohne Gesundheitsgefahr"

dpa

Von dpa

Sa, 05. August 2017

Wirtschaft

BZ-INTERVIEW mit dem Verbraucherschützer Bernhard Burdick über die Frage, ob man jetzt noch sorgenfrei Eier essen kann .

Millionen Eier in Deutschland sind mit dem Insektizid Fipronil belastet. Muss man sich deshalb beim Verzehr eines Frühstückseis Sorgen machen? Darüber sprach Hanna Gersmann mit dem Lebensmittelexperten Bernhard Burdick von der Verbraucherzentrale.

BZ: Herr Burdick, sollten die Deutschen am Wochenende auf das Frühstücksei verzichten?
Burdick: Wenn man ganz vorsichtig sein will, dann ja. Vor allem bei empfindlichen Kindern sollte man aufpassen. Eine akute Gesundheitsgefahr geht von dem Gift, das jetzt in Eiern aufgetaucht ist, nach derzeitigem Wissen aber nicht für den Menschen aus.
BZ: Wie wirkt das Gift?
Burdick: Fipronil soll Läuse, Milben, Flöhe, Zecken töten. Kommen sie damit in Berührung, gelangt es in ihr zentrales Nervensystem, dann fangen sie an zu zappeln, das ist der Beginn ihres Todeskampfes. Katzen, Hunde, andere Haustiere dürfen damit behandelt werden. In Hühnerställen hat es aber nichts zu suchen, dort, wo Nutztiere gehalten und Lebensmittel hergestellt werden, ist es verboten.
BZ: Wo liegt der Fehler?
Burdick: Nicht bei den Landwirten. Damit ihre Ställe desinfiziert werden, beauftragen sie aber häufig große Firmen, die dann mit ihren Gerätschaften anrücken und die Reinigungsmittel in den Ställen versprühen. Eines dieser Unternehmen aus Belgien steht nun unter Verdacht, in ein herkömmliches Reinigungsmittel Fipronil illegal gemischt und dies dann als besonders wirkungsvoll angepriesen zu haben. Über Haut und Gefieder nehmen Hennen das Gift auf. So taucht es dann in den Eiern auf.
BZ: Wie groß ist die Menge an Gift?
Burdick: Die Dosen, die bisher in den in Deutschland verkauften Eiern gemessen wurden, sind sehr gering. Das heißt: Ein 65 Kilogramm schwerer Erwachsener könnte bei den Belastungen, die in Deutschland in Eiern nachgewiesen wurden, sieben der Eier an einem Tag essen, ohne Gefahr für seine Gesundheit. Ein Kind, das 16 Kilogramm wiegt, dürfte 1,7 Eier zu sich nehmen. Allerdings empfehlen wir ohnehin, maximal drei Eier in der Woche zu essen.
BZ: Woran erkenne ich, ob die Eier im Kühlschrank belastet sind?
Burdick: An den Eiercodes, den Ziffern und Buchstaben, die auf jedes Ei gedruckt werden. Das Bundesamt für Verbraucherschutz listet die Codes der betroffenen Chargen unter lebensmittelwarnung.de. Es kommen laufend neue Codes hinzu, der Eierskandal wird wie jeder andere Lebensmittelskandal, der durch einen Zufallsfund zutage tritt, von Stunde zu Stunde größer. Übrigens sind auch Bioeier nicht automatisch ausgenommen.
BZ: Wie werde ich belastete Eier los?
Burdick: Sie bringen sie zurück in den Supermarkt, wo Sie sie auch gekauft haben. Sie brauchen dafür eigentlich keinen Kassenzettel. Wir gehen davon aus, dass sich die meisten Händler kulant zeigen. Sie bekommen dann das Geld zurück oder Ersatz. Nur könnte es mit dem Ersatz bei den Supermärkten und Discountern schwierig werden. Aldi hat sämtliche Eier aus dem Sortiment genommen.
BZ: Bin ich sicher, wenn ich meine Eier am Wochenende auf dem Markt oder beim Bauern nebenan kaufen?
Burdick: Ganz sicher sind Sie nur, wenn Sie keine Eier kaufen, auch keine Eiernudeln. Denn noch ist nicht klar, ob belastete Eier auch in der weiteren Lebensmittelverarbeitung gelandet sind. Aber wenn Sie wissen, dass die Eier von Bauern kommen, die keine professionellen Desinfektionsunternehmen engagieren, müssen Sie sich keine Sorgen machen.

Bernhard Burdick, 56, verfolgt seit Langem die Lebensmittelskandale in Deutschland. Er leitet bei der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen die Abteilung Lebensmittel und Ernährung.