In Kanada platzt die Immobilienblase

Hannes Breustedt

Von Hannes Breustedt (dpa)

Di, 08. August 2017

Wirtschaft

Landesweit gehen die Wohnungsverkäufe zurück / Preisverfall in der Metropolregion Toronto.

TORONTO. Vor zehn Jahren begann die Kreditpyramide, auf der der US-Immobilienmarkt stand, wie ein Kartenhaus in sich zusammenzufallen. Der Crash stürzte die Weltwirtschaft in die tiefste Krise seit der großen Depression der 1930er-Jahre, um den Kollaps des Finanzsystems zu verhindern, wurden Banken mit Hunderten Milliarden an Steuergeld gerettet. Während sich der US-Markt nach dem Schock abkühlte, stiegen die Häuserpreise im Nachbarland Kanada weiter. Nun droht hier eine hohe Rechnung.

In der boomenden Großstadt Toronto platzt die Immobilienblase gerade. Im Juli fielen die Verkäufe von Wohnobjekten in der Metropolregion verglichen mit dem Vorjahreszeitraum um 40 Prozent, wie Daten des lokalen Branchenverbands TREB zeigen. "Es handelt sich um einen der rasantesten Markteinbrüche der Geschichte – wann der Boden erreicht sein wird, ist noch nicht abzusehen", warnt der kanadische Finanzexperte und Investmentberater Garth Turner.

In seinem Blog beschreibt Turner den Niedergang lebhaft mit Beispielen aus Torontos Immobilienszene. "Der Mist nimmt kein Ende. Die Käufer reagieren nicht einmal auf unsere Anwälte", klagt dort ein Hausbesitzer. Er hatte seine Immobilie für 2,25 Millionen kanadische Dollar verkauft, doch dann bekamen die Vertragspartner im allgemeinen Abwärtsstrudel kalte Füße. Das Objekt musste neu inseriert werden, der Wert schrumpfte in drei Monaten um fast ein Viertel.

In Toronto ist die Lage besonders angespannt, doch auch landesweit sieht es kritisch aus. Im Juni sanken die Häuserverkäufe nach Daten der Canadian Real Estate Association (CREA) im Jahresvergleich um saisonbereinigte 6,7 Prozent. Es ist der stärkste Rückgang seit sieben Jahren.

Zentralbank hat die Zinsen angehoben

Ein Grund dafür ist auch die Geldpolitik. Angesichts der robusten Konjunktur und des Jobaufbaus – aber auch um einer Überhitzung des Immobilienmarkts vorzubeugen – hat die kanadische Notenbank ihren Leitzins im Juli um 0,25 auf 0,75 Prozent erhöht. Es war die erste Anhebung seit 2010. Für Immobilienhändler ist das keine gute Nachricht. Steigende Zinsen verteuern die Finanzierung.

Brenzlig wird es, wenn es am Immobilienmarkt zu einer plötzlichen Preiskorrektur kommt. Die Frage ist, wie groß in einem solchen Fall die Kreditrisiken für den kanadischen Finanzsektor wären. Einen Vorgeschmack lieferte Home Capital, Kanadas größter Hypothekenfinanzierer außerhalb des Bankensystems. Ermittlungen wegen möglicher Falschangaben bei der Darlehensvergabe und Sorgen um die Qualität des Kreditportfolios führten dazu, dass Geld abgezogen wurde.

Home Capital steht zwar nur für einen Bruchteil des Marktes und hat inzwischen rettende Milliarden-Finanzspritzen unter anderem von US-Investor Warren Buffett erhalten, dennoch waren die Engpässe ein Alarmzeichen. Die Möglichkeit, dass ein Immobilien-Crash die Banken erfassen und einen Sturm auf die Konten auslösen könnte, bleibe zwar unwahrscheinlich, sagte Investmentchef Jim Hall vom Vermögensverwalter Mawer der Financial Post. Doch die Chancen seien von "unendlich klein auf durchaus möglich" gestiegen.