Internationales Flair im Wiesental

Heinz Siebold

Von Heinz Siebold

Fr, 26. Februar 2016

Wirtschaft

Maulburger Pumpenhersteller Busch wird von einer GmbH zur Europäischen Aktiengesellschaft.

MAULBURG. Der Maulburger Pumpenhersteller Busch will seine Dachgesellschaft von einer deutschen GmbH in eine europäische Aktiengesellschaft umwandeln. Dies hat die Geschäftsführung auf Anfrage bestätigt. Die Rechtsform der Societas Europaea (SE) werde Busch "das Auftreten unter einer rechtlichen Einheit mit nationalen Niederlassungen und Betriebsstätten in den Ländern des Europäischen Wirtschaftsraumes deutlich erleichtern", heißt es in einer schriftlichen Stellungnahme.

Die Umwandlung werde überdies "zu schlankeren und damit kostengünstigeren Unternehmensstrukturen führen". Busch möchte "die mit der Rechtsform SE verbundene psychologische Wahrnehmung nutzen, zukünftig als europäisches Unternehmen auf den Märkten wahrgenommen zu werden". Die Umwandlung solle ein "Treiber für das zukünftige internationale Wachstum" sein.

Zu einer detaillierten Darstellung ihrer Pläne ist die Geschäftsführung derzeit nicht bereit. Der Hersteller von Vakuumpumpen beschäftigt nach eigener Zählung 2700 Mitarbeiter und hat 57 Gesellschaften in 39 Ländern. Die Firma wurde 1963 von Karl Busch (86) und seiner Ehefrau Ayhan (80) gegründet. Der Enkel des Kompressorenpioniers Karl Wittig aus Zell im Wiesental entwickelte neuartige Vakuumpumpen unter anderem für die Verpackung von Lebensmitteln und ist auf diesem Gebiet weltweit führend. Im September wurde bekannt, dass Busch an der Börse 15 Prozent des hessischen Wettbewerbers Pfeiffer Vacuum aufgekauft hat. Pfeiffer ist ebenfalls international tätig und macht Umsätze in vergleichbarer Höhe wie Busch. Der Anteil ist mittlerweile auf 27 Prozent aufgestockt worden. Eine Übernahmeabsicht hat Busch jedoch dementiert.

Das Maulburger Unternehmen ist mit der Veröffentlichung von Zahlen sparsam, der Umsatz für die Holding im Jahr 2013 wurde im Handelsblatt auf 400 Millionen Euro beziffert. Laut Bundesanzeiger betrug der Jahresüberschuss 2013 (neuere Zahlen liegen nicht vor) 36 Millionen Euro nach 47 Millionen Euro im Jahr zuvor. Die Firma gehört dem Gründerehepaar und den drei im Unternehmen tätigen Kindern. Karl und Ayhan Busch wurden am 1. Oktober 2015 zu Ehrenbürger der Wiesentalgemeinde Maulburg ernannt.

Die Mitarbeiter von Busch wurden von der Ankündigung der Firmenleitung völlig überrascht, der Betriebsrat wurde am 9. Februar, die Maulburger Belegschaft drei Tage später auf einer Betriebsversammlung informiert. Was genau sich verändern wird, ist bislang unklar. "Es sind sehr viele Fragen offen", erklärt Thomas Bittner von der IG Metall Lörrach.

Dass die Holding an die Börse gehen wird, schätzen Kenner der Firmeneigentümer als unwahrscheinlich ein. "Wir müssen uns jetzt zunächst sachkundig machen", sagt Betriebsratsvorsitzender Rainer Hess. Der Belegschaftsvertretung sei versichert worden, dass die rechtliche Umwandlung der Holding keine Nachteile bringe. Es muss auf jeden Fall ein europäischer Betriebsrat gebildet werden. Darüber, ob die Arbeitnehmer im neu zu bildenden Aufsichtsrat vertreten sind, wird es im kommenden halben Jahr Verhandlungen geben.