Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.
05. Juli 2011
Erneuerbare Energien
Kann Griechenland mit Sonnenkraft aus der Krise kommen?
Ohne Wachstum wird Griechenland nicht aus der Krise finden - doch wie soll die Wirtschaft des maroden Mittelmeerlandes wachsen? Da gibt es eine Idee: Mit erneuerbaren Energien, die gleichzeitig gut fürs Klima sind.
FREIBURG. Während Angela Merkel und Co. mit der Eurokrise und den Folgen von Fukushima kämpfen, hat sich eine Gruppe europäischer Elder Statesmen (Staatsmänner außer Dienst) Gedanken über die Zukunft gemacht: Sie fordern den Bau von Solarkraftwerken in Südeuropa, um dort die Wirtschaft anzukurbeln und den Umstieg auf erneuerbare Energien voranzutreiben.
Vergangene Woche wurde in Deutschland die Energiewende verabschiedet und die Euro-Finanzminister haben eine weitere Tranche des Griechenlandrettungskredits freigegeben. Diese beiden Ereignisse haben auf den ersten Blick wenig miteinander zu tun. Doch auf den zweiten Blick lassen sich Anknüpfungspunkte erkennen, wie Finanzminister Wolfgang Schäuble bemerkt hat: "Griechenland hat eine viel höhere Anzahl von Sonnenstunden im Jahr als wir in Deutschland und könnte Strom zu uns exportieren. Die griechische Wirtschaft hätte damit ein wettbewerbsfähiges Exportgut und ein begehrtes dazu." Ähnlich äußert sich Altkanzler Helmut Schmidt. Griechenland müsse eine Wohlstandsperspektive eröffnet werden: "Zum Beispiel die Integration Griechenlands in eine Energiewende, sodass Sonnenenergie aus Athen nach Nord- und Mitteleuropa exportiert werden kann."
Werbung
Ähnlich denkt nun auch ein Kreis ehemaliger Regierungschefs wie Giuliano Amato (Italien), Michel Rocard (Frankreich), Mario Soares (Portugal) and Guy Verhofstadt (Belgien): Sie fordern einen New Deal nach dem US-Vorbild aus den 30er-Jahren, als Präsident Roosevelt die Wirtschaft mit Wirtschafts- und Sozialreformen sowie großen Infrastrukturprojekten aus der Wirtschaftskrise führte.
Amato, Verhofstadt und Co. stellen sich hinter die Forderung von Jean-Claude Juncker, dem Regierungschef von Luxemburg und Chef der Eurogruppe, nach Einführung von Eurobonds, gemeinsamen Staatsanleihen der Euroländer. Solche Anleihen sollen helfen "den Wirtschaftsaufschwung zu finanzieren, statt Sparmaßnahmen durchzuführen". Ohne Wachstum wird Griechenland nicht aus der Krise finden, weiß auch Schäuble: "Ohne solche Wachstumsperspektiven würde ich mich sehr schwertun, dem deutschen Steuerzahler das erhebliche Risiko eines neuen Programms aufzubürden."
Die Vorschläge der Elder Statesmen und des deutschen Finanzministers zielen darauf ab, die beiden größten Herausforderungen Europas gemeinsam zu lösen: die Gefahr einer Renationalisierung in der europäischen Politik, ja des Zerfalls der EU, und die Klimakrise, die einen radikalen Umbau der Industriegesellschaft – weg von fossilen Energieträgern – erforderlich macht. Die erste Herausforderung ist aus europäischer Sicht die gefährlichere: Während sich eine multipolare Weltordnung – eine Ordnung mit mehreren gleichstarken Weltmächten – herausbildet, besteht in Europa die Gefahr eines Rückfalls in die Kleinstaaterei.
Gleichzeitig muss Europa der Welt zeigen, dass sich Wohlstand und Klimaschutz vereinbaren lassen. Zum einen ist Europa für einen überproportionalen Teil der historischen Emissionen verantwortlich und zum anderen fallen die USA als Vorreiter beim Klimaschutz aus. Die EU hat sich denn auch zum Ziel gesetzt, die Kohlendioxid-Emissionen (CO2) in den nächsten vierzig Jahren um 80 bis 95 Prozent im Vergleich zu 1990 zu senken.
Dazu sind hohe Investitionen erforderlich. Darauf zielt der Vorschlag der Elder Statesmen ab. Das Motto: Wenn wir schon so viel Geld in die Hand nehmen müssen, warum sollen wir dann nicht auch gleich den Zusammenhalt der EU stärken (sprich den Griechen eine Wachstumsperspektive geben) und den Vorteil der Club Méd Staaten, Spanien, Portugal, Italien und Griechenland, nutzen? Ihr Vorteil ist die sonnige Lage.
Autor: Christian Mihatsch
