Hohe Nachfrage nach Wohnungen

Keine Trendwende am Mietmarkt

dpa

Von dpa

Mi, 26. Dezember 2018 um 19:36 Uhr

Wirtschaft

Der Mieterbund rechnet in Städten mit einem Anstieg der ortsüblichen Vergleichsmiete um drei bis fünf Prozent.

Der Deutsche Mieterbund warnt vor weiter steigenden Mieten im neuen Jahr. "Es gibt nach unserer Einschätzung keine Faktoren, die den Anstieg der Mieten bremsen dürften", sagte Direktor Lukas Siebenkotten. So klafften Angebot und Nachfrage gerade in Großstädten, Ballungszentren und Universitätsstädten nach wie vor auseinander. Die Folge seien kräftig wachsende Angebotsmieten. "Denkbar ist nur, dass sich in den extrem hochpreisigen Städten der Preisanstieg verlangsamt, da Mieten hier nicht mehr bezahlbar sind."

Die hohen Angebots- und Wiedervermietungsmieten würden nun auch auf die Mieten in bestehenden Mietverhältnissen durchschlagen, sagte Siebenkotten. "Die ortsübliche Vergleichsmiete wird in den Städten voraussichtlich um 3 bis 5 Prozent steigen."

Zumindest bei den Nebenkosten rechnet der Mieterbund aber 2019 nicht mit wesentlichen Anstiegen. Nach letzten Daten für 2016 zahlten Mieter im Schnitt knapp 2,20 Euro je Quadratmeter für die "zweite Miete" inklusive Heizkosten. Bei einer 80 Quadratmeter großen Wohnung fallen demnach 176 Euro Nebenkosten pro Monat an. Fast die Hälfte entfalle dabei auf das Heizen. Nur Haushalte, die mit Öl heizten, müssten mit deutlichen Aufschlägen rechnen, sagte Siebenkotten.

Selbst nach jahrelangem Immobilienboom hat sich der Anstieg der Mieten zuletzt ungebremst fortgesetzt. Das zeigt eine Auswertung des Hamburger Instituts für Stadt-, Regional- und Wohnforschung (GEWOS). Die Angebotsmieten kletterten demnach im dritten Quartal im Bundesschnitt auf gut 7 Euro kalt je Quadratmeter. Das ist ein Plus von 3,9 Prozent binnen Jahresfrist.

Entgegen mancher Prognosen gibt es kein Ende des Booms. Im Gegenteil: "Im Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum hat sich die Mietenentwicklung weiter dynamisiert", sagte GEWOS-Geschäftsführerin Carolin Wandzik. Im dritten Quartal 2017 war der Anstieg der Angebotsmieten mit 3,6 Prozent etwas geringer.

Besonders stark zogen die Mieten in den sieben größten deutschen Städten an. Im Schnitt wuchsen sie dort um 6,4 Prozent auf knapp 12 Euro je Quadratmeter kalt. Untersucht wurden je 80 Quadratmeter große Wohnungen im Baualter von 30 Jahren bei mittlerer Lage und üblicher Ausstattung. Stetig steigende Mieten seien zumindest in den Städten an sich nicht ungewöhnlich, meint Michael Voigtländer, Immobilienexperte am Institut der deutschen Wirtschaft (IW). Denn dort würden die meisten Jobs für Hochqualifizierte entstehen und die Einkommen tendenziell wachsen. Das Ausmaß der Mietanstiege sei das Außerordentliche.

2019 könne die Dynamik nachlassen. Denn die Zuwanderung gehe zurück und die Politik reguliere immer mehr. Im Umland der Städte könnte es dafür deutlich teurer werden, da die Menschen keine Wohnungen mehr in Metropolen fänden. Hauptgrund ist der Wohnungsmangel. Auch 2019 ist hier nur etwas Linderung in Sicht. Im neuen Jahr dürften laut Bauindustrie bis zu 320 000 neue Wohnungen entstehen. Laut Politik und Immobilienwirtschaft wären aber jährlich 350 000 bis 400 000 neue Wohnungen nötig, um den Bedarf zu decken. Eine Umkehr der starken Ströme in die Ballungszentren ist Voigtländer zufolge nicht zu erkennen. "Eine Rückbesinnung zum Häuschen im Grünen ist nicht zu sehen."