Unternehmen in der Region

Magnetic in Schopfheim macht Grenzen sicherer

Petra Völzing

Von Petra Völzing

Fr, 30. Dezember 2016 um 00:00 Uhr

Wirtschaft

Weltweit hilft Technik aus Schopfheim bei der Regelung der Zugänge zu Ländern und Gebäuden. Das Unternehmen Magnetic stellt Schranken für Autos und Personensperren her.

Der Terror lässt das Sicherheitsbedürfnis seit einigen Jahren weltweit steigen. Im Wiesental geht es eher beschaulich zu, doch dort sitzt ein Unternehmen, dessen Auftragsbücher wegen der angespannten Weltlage immer voller werden. Das 1946 im Schweizerischen Liestal gegründete Unternehmen Magnetic produzierte ursprünglich Elektromotoren. Heute stellt es in Schopfheim-Fahrnau Schranken für Autos und Personensperren her.

1998 war die Firma in Magnetic Elektromotoren und Magnetic Autocontrol aufgeteilt worden. Seit 2012 ist Magnetic Autocontrol Mitglied der Fabbrica Automatismi Apertura Cancelli-Gruppe (FAAC) aus Bologna. Die Produkte von Magnetic sind weltweit gefragt. Die Schopfheimer haben beispielsweise den Flughafen von Dubai, die Metro in Delhi und die Petronas Twin Towers in Kuala Lumpur mit Personensperren ausgestattet, über die der Zugang kontrolliert wird. Auch der Frankfurter Flughafen ist ein großer Kunde. "Wir produzieren zurzeit noch zu 70 Prozent Schranken und 30 Prozent Personensperren", sagt Produktmanager Detlef Jäger. Die Zahl der verkauften Personensperren wachse aber stark.

Der Hauptsitz des Unternehmens in Schopfheim Fahrnau ist ein Blickfang. Ein ganzer Schrankenpark ist vor dem Gebäude im Dauertestbetrieb. In der Nacht leuchten die Schranken zusätzlich. 120 Mitarbeiter arbeiten hier. Insgesamt sind es 260. Der Rest ist auf sechs Niederlassungen verteilt, unter anderem in den USA, Indien und Malaysia. 2015 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 63 Millionen Euro. In der Abteilung Entwicklung und Konstruktion tüfteln 30 Mitarbeiter an der Weiterentwicklung der Produkte. Dabei lassen sie die Bauteile von Zulieferern produzieren. In Fahrnau werden die Schranken und Personensperren dann montiert.

In den Niederlanden hat das Unternehmen jüngst alle Bahnhöfe mir Zugangssperren ausgestattet. Um auf den Bahnhof zu gelangen, müssen die Fahrgäste dort ihr Ticket elektronisch einlesen lassen. Magnetic entwickelt die Antriebstechnik für die Sperrflügel, die Lichtschranken und die Personenerkennungssensorik selbst. "Das Gerät muss zum Beispiel erkennen, ob eine Person, zwei Personen, eine Person mit Koffer oder eine Person mit Kind durch die Personensperre geht", sagt Jäger.

Bei der automatischen Passkontrolle führend

Die Lesegeräte für die Tickets stammen aber nicht von Magnetic, dafür arbeitet die Magnetic-Mannschaft mit spezialisierten Unternehmen zusammen. Die Software für ihren Teil der Anlage und die Schnittstelle zum Lesegerät stammen jedoch von Magnetic.

Für Flughäfen entwickelt das Unternehmen Anlagen für die automatische Passkontrolle. Die Identität des Passagiers wird mit Gesichts-Scan, Fingerabdruck oder Iris-Scan sichergestellt. Diese Daten werden mit den Angaben im Pass abgeglichen. "Solche Schleusen sind am Flughafen im Kommen", sagt Jäger. Diese Art der Abfertigung sei schneller, sicherer und weniger personalintensiv.

Im Rahmen eines EU-Projektes ist Magnetic Autocontrol an der Entwicklung einer Anlage für die automatische Grenzabfertigung von Autos beteiligt. Eine erste wird bereits an der Grenze zwischen Rumänien und Serbien getestet. Das Auto fährt in eine Schleuse und das Gerät wird dann für die automatische Passkontrolle an das Autofenster gefahren. Bisher ist das nur möglich, wenn maximal zwei Personen im Auto sitzen. Mehr kann das Gerät nicht erkennen. "Wir arbeiten aber mit den Vereinigten Arabischen Emiraten an einem Projekt für die Erkennung von vier Fahrzeuginsassen", sagt Jäger.

Der Laden brummt, händeringend wird Personal gesucht. "Geeignete qualifizierte Mitarbeiter zu finden ist für uns nicht einfach", sagt Marketingleiterin Yvonne Leonhardt. Es gebe in der Gegend viele attraktive Unternehmen und auch die nahe Schweiz ziehe viele potenzielle Mitarbeiter an. Zudem platzen die Gebäude in Fahrnau aus allen Nähten. Mittelfristig ist angedacht, einen neuen Firmensitz zu bauen, der besser an die Bedürfnisse des Unternehmens angepasst ist. "Wir arbeiten insgesamt an einem neuen Erscheinungsbild, das unserer Position als Weltmarktunternehmen gerecht wird", ergänzt Leonhardt.

Firmensitz soll in der Nähe bleiben

Wie es mit der Firma weitergeht, beschäftigt auch den siebenköpfigen Betriebsrat. "Mit der Firmenleitung ist abgesprochen, dass das Unternehmen in der näheren Umgebung ansässig bleibt", sagt die Betriebsratsvorsitzende Sandra Morkis. Ihr Stellvertreter Christian Drändle stimmt ihr zu. Viele Mitarbeiter sind mit der Region sehr verbunden. Ein passendes Grundstück ist allerdings nicht so einfach zu finden.