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Nach Trennung: Was tun mit gemeinsamen Versicherungen?

Hermannus Pfeiffer

Von Hermannus Pfeiffer

Mo, 20. Juni 2016 um 10:35 Uhr

Wirtschaft

Eine Scheidung ist nicht nur unschön, sondern mitunter auch ein bürokratisches Monstrum. Was zum Beispiel passiert mit Versicherungsverträgen, die gemeinsam geschlossen wurden?

Mehr als 300.000 Menschen in Deutschland lassen sich jedes Jahr scheiden. Das ändert auch die Versicherungssituation. Was passiert mit Verträgen, die gemeinsam geschlossen wurden oder in denen der ehemalige Partner mitversichert ist?

Jede dritte Ehe in Deutschland endet mit einer Scheidung. "Solange Sie nur getrennt leben, verändert sich Ihr Versicherungsstatus noch nicht", erklärt eine Sprecherin der Verbraucherschutzorganisation Bund der Versicherten (BdV). Anders ist es jedoch bei rechtskräftiger Ehescheidung oder Aufhebung einer Lebenspartnerschaft. "Dann sollten Sie Ihre Versicherungen überprüfen."

Zunächst ist zu schauen, wer ist Versicherungsnehmer und wer ist lediglich mitversichert. Der Versicherungsnehmer kann im Regelfall den alten Vertrag fortführen – der mitversicherte ehemalige Partner muss sich um eine eigene Versicherungspolice kümmern.

Krankenversicherung
Wenn die Ehepartner beide berufstätig und sozialversichert sind, ändert sich durch eine Scheidung in der gesetzlichen Krankenversicherung nichts. Jeder Partner bleibt krankenversichert. Anders sieht es aus, wenn ein Partner beim anderen per Familienversicherung mitversichert ist. Mit einer Scheidung erlischt die Mitversicherung. Die Partnerin/der Partner ist dann in der Krankenkasse freiwillig versichert – mit der Folge, dass Beiträge fällig werden. Für Kinder ändert sich hingegen nichts. Sie bleiben bei dem Partner mitversichert, bei dem sie vor der Scheidung versichert waren.

Haftpflichtversicherung
Ein wenig mehr Zeit können sich Ex-Paare bei der Haftpflichtversicherung nehmen. In der privaten Haftpflichtversicherung bleiben beide während der Trennungsphase versichert. Gemeinsame Kinder sind über die Police der Eltern mitversichert. Dies ändert sich erst mit dem Ausspruch der Scheidung.

Tipp der Verbraucherschützer: Kümmern Sie sich bereits im Trennungsjahr um einen eigenen Vertrag. Ihr Versicherungsschutz könnte nämlich wegfallen – ohne dass Sie davon erfahren. Beispielsweise, wenn der Versicherungsnehmer die Prämie nicht zahlt oder einen neuen Freund mitversichert.

Hausratversicherung
Die Hausratversicherung bleibt prinzipiell bei dem Versicherungsnehmer. Sind Sie dies und ziehen aus, nehmen Sie die Police mit in Ihre neue Wohnung. Den Übergang erleichtert oft eine Sonderregelung: Trotz Auszugs gilt der alte Vertrag für beide Wohnungen weiter – bis zu drei Monate nach der nächsten Prämienfälligkeit. Ihr Ex-Partner oder -Partnerin sollte spätestens dann einen eigenen Vertrag abgeschlossen haben.

Tipp: Teilen Sie Ihrem Versicherer schon vor dem Umzug die neue Adresse mit. Prüfen Sie, ob die Versicherungssumme noch dem tatsächlichen Wert des Hausrates entspricht.

Rechtsschutzversicherung
Im Unterschied zur Hausratversicherung ist beim Rechtsschutz früher Schluss: Eine Rechtsschutzversicherung endet für den mitversicherten Partner mit dem Tag der Scheidung oder der Aufhebung der eingetragenen Lebenspartnerschaft.

Wenn die Partnerschaft im Streit auseinandergegangen ist, sollten Sie schon in der Trennungsphase einen eigenen Vertrag abschließen. Denn es kann schnell passieren, dass Sie den Versicherungsschutz verlieren. Etwa, wenn der frühere Lebensgefährte jemand anderen mitversichert oder den Vertrag für die Versicherung kündigt.

Tipp: Achten Sie darauf, dass der neue Vertrag zeitlich unmittelbar an den alten anschließt. So entsteht keine Lücke im Rechtsschutz.

Wohngebäudeversicherung
Ruhiger angehen können Sie es bei der Wohngebäudeversicherung. Solange sich an den Eigentumsverhältnissen Ihres Hauses oder der Eigentumswohnung nichts ändert, bleibt alles wie gehabt. Wer im Grundbuch als Eigentümer steht, ist quasi automatisch Versicherungsnehmer. Daran ändert zunächst auch eine Scheidung oder eine Aufhebung der Lebenspartnerschaft nichts.

Tipp: Sind Sie und Ihr ehemaliger Partner im Grundbuch eingetragen, können Sie beide Versicherungsnehmer sein. Als Eigentümergemeinschaft sind sie dann gemeinsam dafür verantwortlich, dass der Beitrag gezahlt wird.

Lebensversicherung
Lebensversicherungsverträge laufen auch nach einer Trennung weiter. Sie können jedoch das sogenannte Bezugsrecht ändern lassen: Wer soll das Geld nach Ihrem Ableben bekommen? Ist der Ex-Partner allerdings als "unwiderruflich" begünstigt eingetragen, kann das Bezugsrecht nur mit dessen Zustimmung geändert werden. Tipp: Vor allem bei einer reinen Risikolebensversicherung sollten Sie prüfen, ob Sie den Vertrag überhaupt noch benötigen.

Kfz-Versicherung
Die Sommerlaune verhageln kann es Autofahrern. Für sie wird eine Trennung oft richtig teuer: Meist stufen Versicherer ihre eigentlich alten Kunden als Neukunden ein und packen sie in eine hohe Schadenfreiheitsklasse. Das muss nicht sein. Sprechen Sie mit dem Versicherer. Viele bieten bei Scheidung Extratarife an, die den früheren Schadenfreiheitsrabatt berücksichtigen.

Eine Nachfrage kann auch bei anderen Versicherungsprodukten sparen helfen. Versicherer zeigen sich in Trennungsfällen öfters kulant. Manchmal genügt ein Anruf – andernfalls empfiehlt sich ein Wechsel der Versicherung.

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