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13. Januar 2014

Energiepolitik

Niedrige deutsche Strompreise ruinieren Firma in den Niederlanden

Aluminiumschmelze meldet Insolvenz an / Große Verbraucher profitieren hierzulande von den sinkenden Börsenpreisen für Strom.

  1. Für die Aluminiumherstellung ist extrem viel Strom nötig. Foto: dpa

FREIBURG. Große Stromverbraucher in den Niederlanden leiden inzwischen unter den günstigen Strompreisen für Industriefirmen in Deutschland. Jetzt hat die Aluminiumschmelze Aldel (Aluminium Delfzijl) in der Provinz Groningen Insolvenz angemeldet und diese mit "zunehmenden Preisdifferenzen für industriellen Grundlaststrom zwischen den Niederlanden und den umgebenden Ländern" begründet. Damit ist vor allem Deutschland gemeint, denn hier liegen die Großhandelspreise inzwischen deutlich niedriger als in den Niederlanden.

Bis Mitte 2012 war das Preisniveau noch vergleichbar, doch dann ging es in Deutschland mit den Preisen abwärts. Großverbraucher in den Niederlanden, so ist von der Deutsch-Niederländischen Handelskammer in Den Haag zu hören, zahlten inzwischen bis zu 35 Prozent mehr für ihren Strom als ihre deutschen Konkurrenten. Entsprechend berichtet das Zentrum für Niederlande-Studien, eine wissenschaftliche Einrichtung der Universität Münster, von der Wut der Aldel-Mitarbeiter über ihre nationale Regierung: Der niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp habe es versäumt, für deutsche Energiepreise zu sorgen; eine bemerkenswerte Formulierung, wo doch deutsche Unternehmen ihrerseits permanent über hohe Strompreise klagen. Am Wochenende bezifferte Thyssen-Krupp-Chef Hiesinger die Mehrkosten für sein Unternehmen auf 300 Millionen Euro im Jahr, sollte die EU-Kommission die Ökostrom-Rabatte für die Industrie kippen.

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Fakt ist, dass die Preise für Grundlaststrom am deutschen Terminmarkt seit Anfang 2011 um ein Drittel gepurzelt sind. Verantwortlich dafür ist vor allem das zunehmende Stromangebot aus erneuerbaren Energien. Da in den Niederlanden der Ausbau der erneuerbaren Energien langsamer voranging, war der Rückgang der Börsenstrompreise dort in den letzten drei Jahren deutlich schwächer ausgeprägt. Für rund 36 Euro wird derzeit im deutschen Großhandel eine Megawattstunde verkauft, die im Jahr 2015 geliefert wird. Strom zur Lieferung in den Jahren 2016 und 2017 ist sogar noch einige Cent je Megawattstunde billiger – ein Indiz, dass die Marktakteure in Deutschland weiter mit einem hohen Stromangebot rechnen. In den Niederlanden lagen die vergleichbaren Kontrakte in den letzten Wochen mehr als sechs Euro höher, und auch im Atomland Frankreich liegt das Preisniveau seit fast zwei Jahren höher als in Deutschland.

Den Niederländern bereitet auch ihre Kraftwerksstruktur Probleme: "Das Land ist stark durch Gaskraftwerke geprägt", sagt Philipp Götz, Marktanalyst beim Berliner Energy Brainpool, "und das schlägt auf das Preisniveau durch". Denn Strom aus Erdgas ist zurzeit im Vergleich zum Kohlestrom deutlich teurer. Das liegt zum einen daran, dass der Kohlepreis in den vergangenen zwei Jahren deutlich gefallen ist, weil die USA den Weltmarkt mit ihrer Kohle fluten. Das Land exportiert vermehrt Kohle, weil es mittels Fracking derzeit viel Erdgas aus dem Boden presst. Hinzu kommt, dass in Europa Gaskraftwerke leiden, seit sie durch den Preisverfall im Emissionshandel ihren ökologischen Vorteil gegenüber der Kohle nicht mehr angemessen honoriert bekommen.

Zwar fließen während der meisten Stunden des Jahres mehrere tausend Megawatt Strom aus Deutschland in die Niederlande und dämpfen dort die Preise. Den Unternehmen im Land reicht das nicht: "Die Großverbraucher in den Niederlanden würden gerne noch mehr günstigen Strom in Deutschland kaufen", sagt ein Sprecher der Deutsch-Niederländischen Handelskammer. Dem allerdings stehen fehlende Transportkapazitäten entgegen – die grenzüberschreitenden Leitungen reichen für noch höhere Importmengen aus Deutschland nicht aus.

Autor: Bernward Janzing