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18. März 2017

Wolfsburg

Steigt Ferdinand Piëch bei Volkswagen aus?

Der geniale Ingenieur und Autonarr hatte lange Zeit das Sagen bei VW / Jetzt deutet sich der Bruch mit dem Konzern an.

WOLFSBURG. Seine Nachfolger bei VW wollen nichts mehr mit dem einst Übermächtigen zu tun haben. Nun könnte Ferdinand Piëch die Konsequenzen ziehen – mit einem Ausstieg aus der einflussreichen Beteiligungsgesellschaft Porsche SE und damit aus VW.

Europas größter Autobauer ohne Piëch – das war lange unvorstellbar. Nun aber deutet sich der Bruch mit seinem Lebenswerk an. Der 79-Jährige verhandelt über den Verkauf seiner Anteile an der Porsche SE, über die er bisher auch an VW beteiligt ist.

Damit beginnt das Endspiel um die Macht in Wolfsburg und Stuttgart. "Der Rosenkrieg in den Eigentümerfamilien scheint in die Endphase zu gehen", sagt Autoexperte Stefan Bratzel. "Das war in den vergangenen Jahren ein Abschied auf Raten – am Schluss ein Abgang mit lautem Knall", ergänzt sein Kollege Willi Diez.

Lange Zeit war der Enkel des legendären Konstrukteurs Ferdinand Porsche das Machtzentrum bei VW. Piëch war Audi-Chef, VW-Chef, dann Aufsichtsratsvorsitzender. Er baute das VW-Imperium aus zum Mehrmarken-Konzern. Ohne den "Alten" ging nichts, von seinem Wohnsitz Salzburg aus führte er VW, lange Jahre zusammen mit seinem Ziehsohn Martin Winterkorn. Manager fürchteten sich vor Piëch, dem autoritären Chef, der nicht lange fackelte. Zugleich war der Respekt vor ihm – dem genialen Ingenieur – groß.

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Inzwischen scheint es jedoch fast so, als ob Piëch in Wolfsburg zur "Persona non grata" geworden ist, zur unerwünschten Figur. Vorstandschef Matthias Müller, einst ein enger Vertrauter Winterkorns, sagte erst kürzlich: "Ich stehe nicht in Kontakt mit Piëch." Cousin Wolfgang Porsche rückte zwischen den Zeilen von Piëch ab. Stephan Weil, VW-Aufsichtsrat und Niedersachsens Ministerpräsident, warf dem "Alten" gar vor, "fake news" zu verbreiten. Auch der Betriebsrat ist auf ihn nicht gut zu sprechen.

Rückblick: Frühjahr 2015. Bei VW scheint alles in Ordnung zu sein, im Vorjahr gab es Rekorde bei Ergebnis und Umsatz. Hinter den Kulissen aber braut sich das Unheil zusammen, das den erfolgsverwöhnten Konzern Monate später aus der Bahn werfen wird: In den USA gibt es Probleme mit erhöhten Abgaswerten.

Im März 2015 spricht Piëch auf dem Genfer Autosalon mit dem damaligen Vorstandschef Winterkorn. Er will auf die Probleme hingewiesen haben, auf mögliche Manipulationen – und auch den innersten Machtzirkel bei VW, das Präsidium des Aufsichtsrats mit Leuten wie Weil und Osterloh, heißt es in Berichten. Die Kontrolleure weisen diese Anschuldigungen scharf zurück. Der Vorstand prüft Schadenersatzansprüche gegen Piëch.

Dann, im April 2015, folgt das mittlerweile legendäre Zitat Piëchs im Spiegel: "Ich bin auf Distanz zu Winterkorn." Es beginnt ein beispielloser Machtkampf. Eine Allianz aus Land, Betriebsrat und Wolfgang Porsche stützt am Ende – zur Überraschung vieler – Winterkorn. Piëch tritt als Aufsichtsratsvorsitzender zurück.

Seitdem ranken sich die Spekulationen über Piëchs Motive. Die gängigste: Piëch wollte seine 19 Jahre jüngere Ehefrau Ursula in einer Art dynastischer Erbfolge als Nachfolgerin an der Spitze des Aufsichtsrats durchsetzen, Winterkorn – im späteren Jahresverlauf 2015 über den Abgasskandal gestürzt – aber wollte selbst diesen zentralen Posten. Es halten sich aber auch Gerüchte, Piëch sei höchst unzufrieden mit der Entwicklung von VW in den USA gewesen – vor dem Hintergrund der später bekanntgewordenen Dieselprobleme. Aber Genaues weiß man nicht, schriftliche Belege darüber soll es nicht geben. Piëch selbst hat sich seit fast zwei Jahren nicht mehr öffentlich geäußert.

Dennoch zieht er hinter den Kulissen noch Fäden, wie ein "Phantom". Noch ist Piëch Miteigentümer der Porsche SE und damit von VW. Diese Machtarchitektur ist wesentlich von ihm gezimmert worden, als Ergebnis des Übernahmekampfes zwischen der Porsche AG und VW. Einen Posten hat er noch: Er sitzt im Aufsichtsrat der Porsche SE. Aber angeblich drängen ihn Familienmitglieder, auch diesen Posten aufzugeben.

Am 17. April wird Piëch 80 Jahre alt. Aus seinem Umfeld ist zu hören, der frühere VW-Boss verfolge die Entwicklung im Konzern genau. Er sei direkt und geradlinig, aber auch stur und nachtragend. Scheinbar hat es Piëch nicht verwunden, dass er vor fast zwei Jahren als Aufsichtsratschef zurücktreten musste.

Was bedeutet das für VW? "Für den Konzern könnte der Abgang auch ein positives Signal sein", meint Bratzel. Das Unternehmen sei wie die ganze Autobranche in einem Umbruch zur Elektromobilität und zum autonomen Fahren. Piëch habe davon wenig gehalten.

Autor: Andreas Hoenig, Wolf von Dewitz (dpa)