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01. Juli 2016

Umweltschutz

Streit über Ernährung der Weltbevölkerung

Das große Geschäft mit dem Sattwerden.

  1. Nicht beliebt: der US-Agrochemie-konzern Monsanto Foto: DPA

MONHEIM. Es ist das Grundproblem einer wachsenden Bevölkerung: Wie werden alle satt? Großkonzerne setzen auf modernste Chemie und ein Mehr an Produktion. Doch Kritiker warnen vor Umweltzerstörung, einem Rückgang der Artenvielfalt und noch mehr Hunger.

Auf dem Firmengelände von Bayer Cropscience im rheinischen Monheim herrscht Campusidylle. Das 65 Hektar große Areal mit Rasenflächen, Teichanlagen und Gewächshäusern markiert einen Kontrapunkt zu stinkenden Dämpfen und brodelnden Kesseln eines Chemiestandortes. Hier am Stammsitz der Bayer-Tochter, die der Konzernvorstand mit der Übernahme von Monsanto an die Weltspitze im Pflanzenschutz- und Saatgutgeschäft katapultieren will, laufen nicht nur die Fäden der weltweiten Aktivitäten von Bayer in der Agrarchemie zusammen. Hier entwickeln Biologen, Chemiker und Ingenieure neue Wirkstoffe gegen Schädlinge und Pilzerkrankungen.

Das Forschen in grüner Idylle ist trügerisch: Die Pflanzenschutzsparte von Bayer steht nicht erst unter Beschuss, seitdem Konzernchef Werner Baumann den umstrittenen Saatgutspezialisten Monsanto aufs Übernahme-Radar genommen hat. Umweltschützer beäugen Bayer seit vielen Jahren kritisch. Wegen eines Bienensterbens zum Beispiel, für das das Beizmittel Poncho verantwortlich sein soll, geriet Bayer unter Druck.

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Die Coordination gegen Bayer-Gefahren und der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) verlangten ein Verbot des Pestizids Glufosinat Ammonium, dessen Herstellung Bayer in den USA für den dortigen Markt derzeit massiv ausbaut. Das Herbizid, das ähnliche Anwendung findet wie das derzeit umstrittene Glyphosat von Monsanto, soll angeblich Missbildungen hervorrufen können.

Für Bayer, Syngenta, Monsanto & Co gehören Pflanzenschutzmittel aber zum tragenden Geschäftsmodell, genauso wie die Gentechnik, das Saatgutgeschäft und die Züchtung ertragreicher Hybridsorten. "Gemeinsam mit Monsanto wollen wir helfen, die Ernten zu steigern", sagt Bayer-Chef Baumann. Ihm schwebt vor, den Landwirten weltweit alles aus einer Hand anbieten. Und es geht auch um Kostenersparnis und die Bündelung von Forschungsaktivitäten.

So versuchte Monsanto zunächst den den Branchenprimus Syngenta zu schlucken, blitzte bei den Schweizern aber ab. Freundlicher empfangen wurde ChemChina, die für die Übernahme 43 Milliarden US-Dollar bot. Bayer geht bei Monsanto in die Offensive. Am Ende könnten zwei bis drei Anbieter übrig bleiben. Das ist eine Schreckensvision für Umweltschützer. "Es droht eine nie da gewesene Monopolisierung des Saatgutsektors", heißt es bei der Coordination für Bayer-Gefahren.

Angesichts der Zunahme der Weltbevölkerung stellt die Industrie immer wieder die Frage: Wie kann die Ernährung in Zukunft gesichert werden? Nur Chemie, Gentechnik, Hybride können das schaffen, wird argumentiert. Industrielle Landwirtschaft, Pestizide und Hybride – das sind für Valentin Thurn Kennzeichen eines Produktionssystems, das nicht länger als Vorbild dienen kann. Der Dokumentarfilmer und Buchautor ("Zehn Milliarden – Wie werden wir alle satt") hat viele Entwicklungsländer bereist: "Wir brauchen nicht mehr Agrarindustrie und noch mehr Ungleichheit, sondern angepasste Technik und mehr kleinbäuerliche Strukturen."

Monsanto will mehr

Im Ringen um die Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto durch Bayer liegen die Preisvorstellungen weit auseinander. Der US-Saatguthersteller verlange eine Erhöhung der Bayer Offerte um zehn bis 15 Dollar je Aktie, berichtete das Handelsblatt. Bayer bietet bisher 122 Dollar pro Monsanto-Aktie.  

Autor: AFP

Autor: Peter Lessmann (dpa)