Messtechnik-Hersteller

Testo-Chef Knospe: "Wir halten an unserer Strategie fest"

Jörg Buteweg

Von Jörg Buteweg

Mo, 11. Juni 2018 um 20:30 Uhr

Wirtschaft

Der Messtechnik-Hersteller Testo mit Sitz in Lenzkirch wächst kräftig weiter – allerdings nicht ganz so schnell, wie der ehrgeizige Firmenchef Burkart Knospe es sich erhofft hat.

Die Schwerpunktverlagerung innerhalb der Firma geht langsamer als erwartet vonstatten, eine Kursänderung soll es aber nicht geben.

"Wir wollten 300 Millionen Euro Umsatz erreichen", sagte Knospe der Badischen Zeitung. Geworden sind es für 2017 schließlich 294 Millionen, ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber 2016. Gebremst hat unter anderem der im vergangenen Jahr steigende Kurs des Euro. Er hat gut drei Millionen Euro Umsatz gekostet. Dennoch sagt Knospe, unter dem Strich habe Testo "ein ordentliches Wachstum" hingelegt.

Für das laufende Jahr rechnet der Firmenchef mit einem Umsatzzuwachs zwischen fünf und zehn Prozent. Außerdem soll das Ergebnis wieder besser ausfallen, das bei Testo traditionell nicht genannt wird. 2017 war der Gewinn um 30 Prozent zurückgegangen. Das hatte Knospe angekündigt und mit hohen Vorleistungen für einen neuen Geschäftsbereich erklärt. Der Bereich heißt Solutions und soll auf längere Sicht neben die Bereiche Messtechnik-Gerätebau und Dienstleistung (Testo Industrial Services) treten. Die Anschubkosten bezifferte Knospe auf 24 Millionen Euro für das Jahr 2017. Beispielsweise wurden 2017 in Deutschland 90 neue Mitarbeiter eingestellt.

Das Ziel: Testo will Kunden – vornehmlich in der Lebensmittel-, der Pharmaindustrie und den großen Fastfood-Ketten – Komplettlösungen anbieten. Knospe erklärt das so: Diese Unternehmen müssten sicherstellen, dass in ihren Produktionsstätten und Filialen Produkte mit der gleichen Qualität hergestellt würden. Sie müssten zudem den wachsenden Anforderungen der Behörden nach Dokumentation nachkommen. Die Furcht vor Lebensmittelskandalen führt dazu. Testo stellt Geräte her, mit denen beispielsweise Temperaturen und Feuchtigkeit gemessen werden. Nun geht es darum, neben Geräten auch die Software zu liefern, mit der ein Kunde feststellen kann, ob alles einwandfrei ist oder etwas schiefläuft. Zudem sollen die Programme für die Dokumentation der Ergebnisse sorgen.

Für Testo geht es auf diesem Feld aber nicht so schnell voran wie erwartet. 2017 habe man im Bereich Solutions Umsätze von etwa fünf Millionen Euro gemacht. Für 2018 rechnet Knospe hier mit einem Umsatz von zehn bis 20 Millionen Euro. Er sagt: "Es dauert länger als erhofft." Man habe lernen müssen, dass die Entscheidungswege in großen Firmen wie McDonald’s oder in Handelskonzernen wie Carrefour langwieriger seien als bei mittelständischen Firmen. Vom Ziel, Solutions als drittes Geschäftsfeld bei Testo zu etablieren, will er aber nicht abweichen: "Wir halten an unserer Strategie fest." Das gelte schon aus dem einfachen Grund, dass zunehmend Wettbewerber in dieses Geschäftsfeld drängten.

Einstweilen ist der Firmenchef aber zufrieden, dass das traditionelle Geschäft mit Messtechnik-Geräten wie Wärmebildkameras, Lebensmittel-Messgeräten oder Messgeräten für Heizungsbauer und Schornsteinfeger weiter wächst. Auch das zweite Standbein, die Dienstleistungen der in Kirchzarten angesiedelten Testo Industrial Service, hat mit zehn Prozent kräftig beim Umsatz zugelegt. Sie steuert mit 66 Millionen Euro inzwischen gut 20 Prozent zum Firmenumsatz bei. In Russland stieg der Umsatz sogar um 33 Prozent.

Der Personalaufbau des vergangenen Jahres wird laut Knospe 2018 nicht weitergehen. Man wolle sich gezielt mit Spezialisten verstärken, aber nicht in großem Stil einstellen, so der Firmenchef.