Wissenswertes rund um die Endinger Geschichte

Christiane Franz

Von Christiane Franz

Mo, 10. September 2018

Endingen

MUSEUMSGESCHICHTEN (8):Im Kaiserstühler Heimatmuseum in Endingen erfahren Besucher zum Beispiel etwas über das Tympanon, das die Martinskirche schmückt.

BREISGAU/KAISERSTUHL. Ob zur Fasnet, zur Käserei oder zur Heimatgeschichte – in der Region gibt es Museen, die es zu entdecken lohnt. In einer Serie stellt die Badische Zeitung die Museen vor und erzählt die Geschichte besonderer Ausstellungsstücke.

Aus dem zwölften Jahrhundert stammt das Tympanon, das Relief, das das Hauptportal der Kirche St. Martin in Endingen schmückt. "Seine Geschichte ist mit einem anderen Kunstgegenstand des Kaiserstühler Heimatmuseums, nämlich der Stele des Nepomuk eng verknüpft", erzählt Siegfried Thoma, der regelmäßig Besucher durch das Museum führt.

Aufgrund eines Hochwassers, das Todesopfer im Stadtteil Ostal forderte, beschlossen die Ostäler im Jahr 1863, auf dem Weg zur Katharinenkapelle eine Statue des Nepomuk zu stiften. Gesagt, getan. Doch irgendwann wurde die Statue gestohlen und nur die Stele blieb übrig.

Vorher war um 1850 herum die Martinskirche, die im zwölften Jahrhundert als Rundkirche gebaut worden war, renoviert und das Tympanon über dem Eingang durch eine neue Darstellung ersetzt worden. Das alte Tympanon verschwand – bis die Ostäler im Jahr 1978 beschlossen, eine neue Heiligenfigur zu stiften. Bei der Errichtung stieß man zufällig auf eine Bodenplatte, auf der die alte Heiligenfigur gestanden hatte: das romanische Tympanon war gefunden.

"Es stand wohl bei einem Endinger seit 1850 im Hof, und als 1863 der Nepomuk errichtet wurde, ist die alte Steinplatte als Fundament genutzt worden", vermutet Thoma mit einem Schmunzeln. Das Tympanon kann nun im Kaiserstühler Heimatmuseum besichtigt werden. Vergleicht man es mit der "Kopie", die heute das Portal der Martinskirche schmückt, so kann man einige inhaltliche Veränderungen feststellen. So wurde die Stellung des Vorderbeins des Lammes verändert. Was im Original als stimmige Darstellung erfreut, wirkt auf der Kopie seltsam verkrampft. Ringsum das Medaillon sind heidnische Zeichen abgebildet, die auf das frühe christliche Zeitalter mit heidnischen Wurzeln Bezug nehmen. "Sie wurden in der Kopie von 1850 entfernt. Das war dem damaligen Zeitgeist nicht katholisch genug", sagt Thoma.

Neben dem Tympanon sind der berühmte Endinger Palmesel aus Holz von 1500 sowie weitere Heiligenfiguren ausgestellt. Doch das Museum im Alten Rathaus bietet noch vieles mehr: etwa das Richtschwert, das von der Gerichtsbarkeit Zeugnis gibt, den Bürgersaal mit den kostbaren 14 Wappenscheiben der Stände sowie Wissenswertes über die Geschichte der Auswanderer nach Tovar. Sehenswert ist neben dem Keller mit Küferwerkzeug auch der Dachstuhl. Hier können Besucher die Geschichte der alten Glocken Endingens, die in den Kriegen nicht eingeschmolzen wurden, verfolgen. Doch den Raum beherrscht das alte Uhrwerk der Kirche St. Peter. Mit Freude führt Thoma den Uhrenschlag vor. "Es ist mein Lieblingsspielzeug", sagt der ehrenamtliche Museumsführer mit einem Lachen.

Info: Das Kaiserstühler Heimatmuseum ist jeden dritten Sonntag im Monat geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos. Führungen können gegen Entgelt mit dem Endinger Verkehrsbüro, Tel. 07642/6899-90, vereinbart werden.