"Ein sehr bunter Querschnitt"

Julius Steckmeister

Von Julius Steckmeister

Do, 21. Januar 2016

Wittnau

Erstmals luden Mitglieder des Musikvereins Wittnau zum musikalischen Jahresauftakt.

WITTNAU. Das Vereinsheim wieder mit Leben zu füllen, den Start ins neue Jahr 2016 ebenso ungezwungen wie musikalisch begehen und den Aktiven des Musikvereins die Möglichkeit geben, sich in kleinen Gruppen zusammenzufinden und sich an selbst ausgewählten Stücken neu auszuprobieren – das fasst grob zusammen, was als Idee hinter der Veranstaltung steckte. Und trotz Frost und Schnee war die Premiere des "Kaffeekränzchens ohne Tanz" schließlich gut besucht.

"Wir sind gespannt, wie es angenommen wird", gestand der Vorsitzende des Musikvereins, Manfred Steinke. Zum offiziellen Beginn um 14 Uhr waren die Musiker und etliche Kuchen und Torten nämlich noch weitgehend unter sich. Allein Karin Horst, Bezirksvorsitzende des Oberbadischen Blasmusikverbandes, hatte es sich nicht nehmen lassen, dem musikalischen Experiment von Beginn an beizuwohnen.

"Wir wollten kein traditionelles Neujahrskonzert", erläuterte Steinke das Konzept im Rahmen seiner Gästebegrüßung. Vielmehr hätten die Musiker sich selbst gruppiert und auch die Stückauswahl getroffen. Auf diesem Wege sei "ein sehr bunter Querschnitt" zusammengekommen, machte Steinke die Anwesenden neugierig.

Den Anfang von Bunt machte Blech – genauer gesagt das Brassquintett. Tuba, Trompete und Co. überraschten mit frühbarocker Turmmusik und Edvard Grieg. In der Zeit erst weiter in die Gegenwart und dann zurück zu Bach und Haydn entführten zarte Klarinetten – erst zu viert, dann zu fünft. Bei Bach und Mozart bekamen die Holzblasinstrumente Flötenzuwachs. Zuwachs bekam nach und nach auch das Publikum, was wiederum Manfred Steinke freute. "Auch das ist etwas Neues: Der Charme des Kommens und Gehens, des Begrüßens und Verabschiedens", kommentierte der Vereinsvorsitzende das Leben im Vereinshaus. Und so wechselten nicht nur die Musiker, sondern auch bei den Zuhörern gab es frischen Wind. Nachwuchs gab es auch zu hören: Musiklehrerin Hanna Schüly hatte einige ihrer Schützlinge mitgebracht. So gab es zwei Saxophonduette ebenso wie drei Klarinetten mit Klavierbegleitung. "Mal schauen, was passiert", stellte Schlagzeuglehrer Michael Ruf in den Raum. Was er zusammen mit seinen beiden Schülern dann aus Becken, Trommeln und Pauken herausholte, brachte das Vereinsheim zum Beben und den Trommlern tosenden Applaus.

Mit Querflöten ging es vom Rock dann erneut zum Barock. Ganz nebenbei erfuhr der in der Musikinstrumentenkunde Unkundige, dass es sich beim sehr blechern aussehenden Saxophon um ein leibhaftiges Holzblasinstrument handelt, das in verschiedenen Größen wie Tonlagen daherkommen kann. Einen besonders langen Atem brauchte das Saxophonquartett beim berühmten nicht enden wollenden "Entertainer" von Scott Joplin.

"Wir als Register fehlen noch", hieß es dann, so dass den würdigen Abschluss eines rundum gelungenen musikalischen Experimentes die Herren des Trompetensextetts bildeten.

Wieder zu Atem kommen konnten dann bei Kaffee und Kuchen oder auch alkoholhaltigen Erfrischungsgetränken Zuhörer wie Musiker, die nicht nur eine neue Form des Konzertierens, sondern bei sich selbst ein "großes Bedürfnis nach Klassik" entdeckt hatten.