Mit Leidenschaft und Herzblut

Andrea Gallien

Von Andrea Gallien

Di, 02. Januar 2018

Denzlingen

Neue Lebensphasen, neue Aufgaben: Was das Jahr 2018 ihnen bringen wird, erzählen einige Menschen aus der Region der Breisgau-Redaktion.

Das neue Jahr hat begonnen – für einige Menschen wird es einschneidende Veränderungen oder aber große Aufgaben mit sich bringen, wie einige Beispiele aus dem Breisgau zeigen.

Das Vereinsjubiläum

Der Musikverein Wittnau begeht 2018 seinen 175. Geburtstag mit einer Reihe von Veranstaltungen. Start ist am Freitag mit dem Neujahrskonzert. Wie hält man einen so alten Verein jung genug, damit er beim musikalischen Nachwuchs noch auf Interesse stößt? Jürgen Lieser und Manfred Steinke vom Vorstand sind optimistisch. Wenn man mit der Zeit gehe, sagen sie, bleibe auch ein traditionsreicher Verein attraktiv. Beide sind überzeugt: Der Musikverein Wittnau wird auch seinen 200. Geburtstag erleben, er ist fit für die Zukunft. Das liegt auch an Veränderungen, die es im Vorfeld des Jubiläums gegeben hat. "Wir haben das etwas verstaubte Image einer Trachtenkapelle hinter uns gelassen", sagt Lieser. Der Verein heißt nur noch Musikverein und nicht mehr Musikverein und Trachtenkapelle, er hat ein neues "peppigeres" Logo und die Pflicht, Tracht zu tragen, abgeschafft. Wer möchte, kann dies weiter tun, aber bei den Frauen seien einige froh, so Manfred Steinke, das aufwändige Kleidungsstück samt Haube gegen Bluse, Schleife und grüne Vereinsweste eintauschen zu können. Konsequent war daher die Trennung vom Bund Heimat- und Volksleben, einem Hüter der Tradition mit "einem engen Korsett", so Lieser. Erleichtert wurde dem Vorstand die Entscheidung, da die Trachtentanzgruppe weiterhin die Tradition wahrt und es keine eigene Wittnauer Tracht gibt. Die des Musikvereins stammt von 1982 und ist der Breisgauer Tracht angelehnt. Wirklich wichtig sei mit Blick auf die Zukunft nicht die Kleidung, sondern die Pflege der musikalischen Tradition. Auch hier sei der Blick nach vorne gerichtet: Das Repertoire reicht von liturgischer Musik über Klassik bis zu Filmmusik. Nicht viele Auftritte, sondern einige und qualitativ gute. Das sei auch der Anspruch von Dirigent Wilhelm Schmid. Das komme bei jungen Musikern und beim Publikum an. Trotz aller Veränderungen – bei Anlässen von Fronleichnam bis zum Maiwecken sei der Verein selbstverständlich und gerne präsent. Wahrung der Tradition, hohe musikalische Qualität, die Integration von Menschen in den Verein und der soziale Zusammenhalt machten den Musikverein aus und damit, so Lieser, "unverzichtbar für das Dorf", auch über das Jubiläumsjahr hinaus.

Der Bike-Koordinator

Das Jahr 2018 stellt die Frauen und Männer im Mountainbike-Organisationskomitee (OK) Kirchzartens vor besondere Herausforderungen. Schließlich gilt es, das zwanzigjährige Bestehen vom "Black Forest Ultra Bike Marathon" zu feiern und vor allem zu organisieren. Eine wesentliche Rolle kommt dabei Benjamin "Benny" Rudiger zu, dem neuen Mann an der Spitze, nachdem sich in den vergangenen zwei Jahren ein grundlegender Generationswechsel im Ultra-Bike-OK vollzogen hat. Rudiger selbst beschreibt sich als Vorstandskoordinator. "Neben der Tatsache, dass ich Tag für Tag enorm viel dazulernen darf, macht es mir eine Menge Spaß." Und dann macht Benny Rudiger deutlich, wem der Ultra-Bike seinen europäisch anerkannten Erfolg zu verdanken hat: "Ein solches OK ist einzigartig. Ich hoffe, wir können den Ultra-Bike gemeinsam noch lange weit vorwärts bringen." Bei der Jubiläumsveranstaltung am dritten Juniwochenende kommt mit der Ausrichtung einer "Doppel-DM" eine besondere Herausforderung auf Rudiger und seine Organisatoren zu: Zum einen wird als Freitagabend-Spektakel am 15. Juni die Deutsche Meisterschaft im Eliminator-Sprint ausgetragen, zum anderen findet am Sonntag auf der Ultra- beziehungsweise Marathon-Strecke die Deutsche Mountainbike-Marathon-Meisterschaft statt. Rudiger weiß, dass er sich auf sein OK und die 1700 anderen Ehrenamtlichen an den Strecken im Südschwarzwald verlassen kann. Die Leistung von Benjamin Rudiger dabei ist besonders zu würdigen, denn seit drei Jahren sitzt der Mountainbiker nach einem Trainingsunfall im Rollstuhl. Als er jetzt in einer Mail an den Tod des langjährigen OK-Mitglieds Hans Strecker erinnerte, offenbarte er ein wenig seine Gefühle: "Das Leben ist oftmals nicht gerecht. Es bringt uns so manche Tiefe, hält uns aber ebenso auch Höhen und schöne Momente parat. Diese Tatsache nie aus den Augen zu verlieren, gibt mir persönlich oft sehr viel." Vieles spricht dafür, dass 2018 das Jahr des Benny Rudiger wird.

Die Ballett-Lehrerin

Für Moira Fetterman bringt das neue Jahr große Veränderungen. Vom bisherigen 60-Stunden-Job geht es jetzt erst einmal ins Privatleben. Nach einem erfüllten Arbeitsleben als Tänzerin, Ballett-Lehrerin und Choreographin hatte sich Moira Fetterman entschieden, ihre Ballettschule im Dance Center West-End in March-Hugstetten in andere Hände zu geben. Über 30 Jahre hinweg hatte sie Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen das klassische Ballett und Modern Dance/Contemporary beigebracht, und der Abschied zum Jahreswechsel fiel ihr nicht leicht. Über all die Jahre machte sie ihre Arbeit mit viel Liebe, Leidenschaft und Herzblut – oft bis zu 60 Stunden die Woche. Doch nun wurde es Zeit für eine Veränderung. "Ich habe gespürt, dass es der richtige Zeitpunkt ist, aufzuhören", sagt die Amerikanerin, die seit den 70er Jahren in Deutschland lebt. 15 Jahre lang war sie als Tänzerin an verschiedenen Theatern engagiert, bevor sie 1987 in einem Kellerraum in Freiburg-Hochdorf den ersten Ballettunterricht erteilte. 1988 setzte Moira Fetterman den Unterricht im Gemeindesaal Holzhausen fort, 2002 bezog sie mit ihrer Ballettschule das eigene Studio in Hugstetten. "Von da an ging es nur noch bergauf", erinnert sie sich. "Es war schön und wegen des guten Schwungbodens hatte ich keine Rückenschmerzen mehr." Viele Jahre unterrichtete Fetterman die Schüler, mit denen sie unzählige Choreographien einstudierte und mit Auftritten das Publikum begeisterte. Mit ihren Choreographien war Fetterman mit ihrer Kompanie seit zehn Jahren Gast am Freiburger Theater. 2008 wurde sie mit dem Regiopreis für Choreographie und Ballettausbildung der Europäischen Kulturstiftung Pro Europa ausgezeichnet. Während in Hugstetten unter neuer Leitung weitergetanzt wird, möchte Fetterman erst einmal Pause machen, Abstand gewinnen, sich neu orientieren. Ihre Familie soll zunächst im Vordergrund stehen. Mit ihren Kindern, die im Ausland leben, möchte sie mehr Zeit verbringen, auch möchte sie wieder einmal Angehörige in den USA besuchen.

Der Paralympics-Sportler

Martin Fleig, Doppelweltmeister der Behindertensportler im Biathlon, kommt gerade aus Kanada zurück. Dort nahm er am Biathlon-Weltcup des Internationalen Paralympischen Komitees im kanadischen Canmore teil und schaffte einen vierten Platz. "Es ist echt unglaublich, aber ich bin zeitgleich mit einem amerikanischen Konkurrenten im Ziel angekommen! Einfach genial! Es schein fast so, als ob ich ein Abo auf den vierten Platz abgeschlossen habe", sagt der Sportler nach dem ersten Wettkampf in dieser Saison. Doch das Abo will er kündigen. "Ich hoffe, dass ich das beim anstehenden Biathlonrennen schaffe." Fürs nächste Rennen auf der Notschrei-Anlage trainiert Fleig täglich. Er hofft, dort eine gute Platzierung zu schaffen. Denn die Rennen von Canmore in der kanadischen Provinz Alberta und die des Heim-Weltcups am Notschrei vom 20. bis 28. Januar sind nur das Aufwärmprogramm für den alles überstrahlenden Saisonhöhepunkt, die Paralympischen Spiele vom 9. bis 18. März im südkoreanischen Pyeong Chang. Der Gundelfinger will bei dem Rennen am Notschrei seinen eigenen gewachsenen Ansprüchen gerecht werden, ohne sich zu sehr unter Druck setzen zu lassen. "Mit den Paralympics vor Augen werden alle in die Vollen gehen", weiß er. Am Notschrei werden neben europäischen Teams auch Sportler aus den USA und Asien erwartet, insgesamt nehmen rund 250 Teilnehmer aus 20 Nationen teil.

Der Brot-Sommelier

480 Stunden lang musste er büffeln, 3830 Kilometer fahren und 60 Seiten seiner Facharbeit füllen – mit Erfolg: Michael Dick ist nunmehr Südbadens erster Brot-Sommelier. Und das ist für den Denzlinger Bäckermeister nicht irgendein Titel, sondern Ergebnis einer aufwändigen Fortbildung, die elf Monate gedauert und mit einer eintägigen Prüfung der Handwerkskammer Mannheim-Rhein-Neckar -Odenwald geendet hat. "Das war eine sehr umfangreiche Ausbildung", sagt der 57-Jährige. Seine Familie – Dick ist verheiratet und hat zwei Söhne – habe drunter leiden müssen, denn der Urlaub sei fürs Lernen draufgegangen. Auch der Betrieb mit seinen 30 Mitarbeitern musste immer wieder auf den Chef verzichten. Jetzt, im neuen Jahr, will Dick sein neuerworbenes Wissen über Brotkultur, Sensorik und Aromakunde in Aktivitäten umsetzen und etwa Brotbackkurse und -verkostungen anbieten. Schon fest geplant ist eine Veranstaltung mit einem Käse-Sommelier im Herbst. Bis dahin hofft Dick auf weitere Anfragen. Denn: "Bisher weiß ja noch niemand, dass es im Südwesten einen Brot-Sommelier gibt." Der nächste sei in Karlsruhe ansässig, deutschlandweit gebe es nur 42 Menschen, die diesen Titel führen dürfen. Und warum das Ganze? "Ich habe eine neue Herausforderung gesucht", sagt Michael Dick. Außerdem wolle er das Thema Brot vertiefen, zumal dessen Markt für handwerkliche Betriebe rückläufig sei. Deshalb rückt Dick das traditionelle Nahrungsmittel in den Vordergrund seiner Arbeit und will damit zeigen, "wie wichtig und gut Brot" ist. In seiner Facharbeit hat er sich mit der Frage befasst, wie das Brot vor 200 Jahren war. Dick gesteht, dass es ihm als Handwerker nicht leicht gefallen sei, die 60 Seiten zu schreiben. Aber die "superspannende Zeit" der Weiterbildung habe ihn "persönlich und betrieblich" vorwärts gebracht.