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14. November 2017 16:01 Uhr

Wutach-Ewattingen

Trotz guter Böden gibt es kaum noch Kartoffelbauern

In Ewattingen gibt es nur noch vier Landwirte, die Kartoffeln zum Verkauf anbauen. Dabei eignen sich die Böden im östlichen Teil des Landkreises hervorragend für den Kartoffelanbau.

  1. Friedrich Müller mit Familie verkauft seine Kartoffeln ab Hof. Foto: Marianne Rittner

  2. Auch im Lagerhaus in Ewattingen gibt’s heimische Kartoffeln, hier präsentiert von Susi Rothmund. Foto: Marianne Rittner

  3. Siegfried Maier mit seinen Bio-Kartoffeln in der Zehntscheune. Mit der Ernte ist er zufrieden. Foto: Marianne Rittner

Der seit den 50er Jahren erkennbare Trend in der Landwirtschaft – weg vom Kleinbetrieb, hin zu spezialisierten Großbetrieben – macht sich auch im östlichen Teil des Landkreises Waldshut regional bemerkbar. Die Zahl der kleinen landwirtschaftlichen Betriebe reduzierte sich stark, so nahm auch die Zahl der Kartoffelbauern ab.

"Kartoffeln werden in der hiesigen Landwirtschaft häufig für den Eigenbedarf angebaut." Gerrit Niederland
"Kartoffeln werden in der hiesigen Landwirtschaft häufig für den Eigenbedarf angebaut", erläuterte Gerrit Niederland, Mitarbeiter des Landwirtschaftsamts im Landkreis. Die Anbaufläche sei recht stabil, auf Gemarkung Bonndorf etwa 0,5 Hektar, auf Gemarkung Wutach etwa 2,4 Hektar und auf Gemarkung Stühlingen 40,5 Hektar. Durchschnittlich geerntet werden in Baden-Württemberg jährlich 38 Tonnen je Hektar.

Gutes Bodenklima und lockere Erdschicht

In Ewattingen, so berichtete Siegfried Maier vom Demeter-Hof Maier, gab es vor 40 Jahren noch 30 Kartoffelvermehrer. Das sind Bauern, die selbst Kartoffeln ernten und ihr eigenes Saatgut vermehren. Damals wurde beim Bau des Lagerhauses eigens ein Kartoffelkeller mit einer Sortieranlage gebaut. In guten Jahren wurden dort bis zu 6000 Zentner Kartoffeln gelagert. Die meisten Bauern hatten ein sogenanntes "Herdepfelfeld". Der Boden in Ewattingen eignet sich hervorragend für den Anbau dieser Nachtschattengewächse. Der Muschelkalk sorgt für ein nicht zu feuchtes Bodenklima und eine lockere Erdschicht, was die Kartoffelpflanze schätzt. Heute bauen nur noch vier Landwirte Kartoffeln zum Verkauf an.

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Die Ewattinger und auch die Abnehmer aus der Region schätzen die "Herdepfel" aus dem Wutachdorf, und sollte es in den nächsten Jahren so bleiben, bauen die vier Landwirte weiter Kartoffeln an, denn alle sind sie Kartoffelbauern von ganzem Herzen. Die diesjährige Kartoffelernte ist eingebracht und die Landwirte aus Ewattingen, die noch Kartoffeln für den Verkauf anbauen, sind zufrieden. Die Arbeit und die Zeit, die sie in den Anbau der Feldfrüchte investierten, wurde belohnt. Jetzt sind die Ewattinger Kartoffeln auf dem Markt.

Siegfried Maier besitzt einen Biobetrieb. Der Demeter-Hof Maier verkauft seine Kartoffeln an den Bioladen Mösner in Wolterdingen, der diese auf den Wochenmärkten in Schwenningen, Bad Dürheim und Donaueschingen weitervermarktet. Daneben kaufen die Gärtnerei Eulenhof aus Dogern und der Biomarkt Hauser aus Lauchringen bei dem Ewattinger Betrieb ein. Ein weiterer Anteil an der Ernte wird ab Hof selbst vermarktet.

Benachbarte Landwirte kooperieren

Siegfried Maier baut drei verschiedene Sorten an. Die Sorte Rosara ist eine vorwiegend festkochende Kartoffel mit roter Schale und gelbem Fleisch, die sehr beliebt ist. Die Sorte Agria ist mehligkochend, und Ditta eine festkochende Sorte.

Auf dem Hinterbuck hat Georg Rothmund seinen Betrieb. Er baut die Sorten Secura, Anabelle, Krone, Princess und Granola, eine recht alte Sorte mit intensivem Geschmack, an. Er verkauft einen Teil seiner Ernte an einen Gemüsehändler in Eggingen, ab Hof an verschiedene Gaststätten und im Lagerhaus an Haushalte. Georg Rothmund besitzt mit 0,8 Hektar die größte Fläche mit Kartoffeln.

Friedrich Müller verkauft seine Kartoffeln alle ab Hof an Kleinabnehmer. Seine Anbaufläche umfasst 0,5 Hektar. Mit der diesjährigen Ernte zeigt sich Friedrich Müller sehr zufrieden. Alle seine Sorten sind ertragreich und gut zu lagern. Laura und Belana sind festkochend, Linda und Jelly vorwiegend festkochend und Gala ist mehligkochend.

Wildschweine bereiten Probleme

Neben Friedrich Müller bewirtschaftet Elmar Meister sein Kartoffelfeld. Beide Bauern helfen sich gegenseitig bei der Bewirtschaftung aus. Er baut auf 0,5 Hektar die Sorten Granola und Jelly an. Früher, so erzählt Elmar Meister, hätten sie weit mehr dieser Feldfrüchte angebaut. Diese verkaufte der Betrieb dann an das Kolleg in St. Blasien und an die Uniklinik nach Freiburg. Heute verkauft Elmar Meister seine Kartoffeln nur noch ab Hof.

Der Anbau von Kartoffeln ist mit viel Arbeit verbunden. Besonders großen Ärger bereiten den Landwirten in Ewattingen die Wildschweine. Die Felder müssen unbedingt eingezäunt werden, ansonsten ist der Acker am folgenden Morgen umgepflügt. Trotz der Zäune kann es immer wieder zu unangenehmen Zwischenfällen kommen.

In Baden-Württemberg liegt der durchschnittliche Hektarertrag bei 38 Tonnen. In den östlichen Hochlagengebieten des Landkreises Waldshut dürfte dieser Wert jedoch geringer ausfallen, schätzt Gerrit Niederland, Pflanzenschutzbeauftragter des Landwirtschaftsamtes Waldshut.
Kartoffeln

» Frühkartoffel: Alle Frühkartoffeln sind festkochend und eignen sich für Salate oder zum Verzehr als Pellkartoffel mit Schale. Die Frühkartoffeln, die ab Januar erhältlich sind, stammen meist aus südlichen Ländern wie Ägypten oder Italien. Frühkartoffeln enthalten mehr Wasser, was sie schneller verderben lässt.
Mittelfrühe Kartoffeln aus dem Norden Deutschlands gibt es in der Regel ab Mitte Juni zu kaufen.
» Späte Kartoffel: Erst im Herbst ab September kommt in der Region die heimische Ernte auf den Markt. Die späte Kartoffel ist stärkehaltiger als die frühe und eignet sich daher besser zum Einlagern.
Allgemein: Kartoffeln sollten kühl, dunkel und luftig aufbewahrt werden. Niemals aber sollten sie in den Kühlschrank, da sich die Stärke in Zucker verwandelt, was zu einem süßen Geschmack und einer mehligen Konsistenz führt.

Autor: Marianne Rittner