"Von klein auf wuchs ich in die Welt der Orgel hinein"

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Von vi

Mo, 12. März 2018

Wyhl

BZ-INTERVIEWmit dem Musiker Daniel Himmelseher, der am Sonntag ein Orgelkonzert in der Pfarrkirche in Wyhl gibt.

WYHL. Daniel Himmelseher gibt am Sonntag, 18. März, um 17 Uhr in der Kirche Sankt Blasius in Wyhl ein Orgelkonzert. Roland Vitt sprach mit dem Musiker über seinen Weg hin zur Orgel und die Faszination des Orgelspiels.

BZ: Wie lange spielen Sie schon Orgel?

Himmelseher: Mit sieben Jahren hatte ich meinen ersten Klavierunterricht. Als ich zehn war, fand mein Vater, der einen Chor leitete, für eine Orchestermesse keine Orgelbegleitung. Er schmiss mich ins kalte Wasser. Tatsächlich ging alles gut.

BZ: Wann haben Sie die Orgel für sich entdeckt?

Himmelseher: Von klein auf wuchs ich ganz selbstverständlich in die Welt der Orgel hinein. Eigentlich hatte ich mehr Interesse, Klavier zu spielen, doch der Klang der Orgel faszinierte mich auch. Zunächst hatte ich für das Orgelpedal auch zu kurze Beine – die Füße müssen ja erst mal von der Orgelbank bis zum Pedal reichen. Mit zwölf durfte ich zu einem Orgelkonzert ins Freiburger Münster mitgehen. Das Klangerlebnis in diesem riesigen Raum zwischen vier Orgeln, die eine Person spielte, haute mich um. Danach wollte ich unbedingt Orgel lernen.

BZ: Haben Sie Orgelunterricht genommen und eine Prüfung dafür abgelegt?

Himmelseher: Meinen ersten Orgellehrer hatte ich mit 13 Jahren. Er war damals Chorleiter in Ebringen und studierte Musik in Freiburg. Es handelte sich um Gerhard Gnann, inzwischen Orgelprofessor in Mainz. Sein Unterricht war einfach genial, bereits nach zwei Jahren hatte ich mit 15 meine erste feste Organistenstelle. Nach einem großen Erfolg beim Wettbewerb "Jugend musiziert" schlug ich das Angebot aus, neben der Schule bereits als Jungstudent an die Musikhochschule in Freiburg zu gehen. Ich wollte auch nicht Berufsmusiker werden und wählte den Lehrerberuf, den ich bis heute gern ausübe. Neben dem Studium schloss ich die kirchenmusikalische C-Ausbildung ab. Doch die Liebe zur Musik und zur Orgel ließ mich nicht los. So absolvierte ich, neben einer reduzierten Tätigkeit als Lehrer, an der Musikhochschule Trossingen bei Christoph Bossert eine Ausbildung zum Konzertorganisten, die ich 2006 erfolgreich abschloss. Neben vielen wunderbaren Erfahrungen mit diesem absolut genialen Künstler und Orgellehrer war es für mich spannend, nochmals zu studieren – mit einer vielseitigen Ausbildung in Fächern wie Klavier, Tonsatz und Musikwissenschaft. Eine große Bereicherung war die Begegnung und Zusammenarbeit mit Musikern aus der ganzen Welt.

BZ: Wie lange brauchen Sie, bis Sie eine Orgel kennengelernt haben?

Himmelseher: Da kann ich keine Zeitangabe machen. Zunächst sind Orgel und der Raum als Klangträger untrennbar miteinander verbunden. Je nach Akustik muss man zum Beispiel hören, ob einzelne Töne stärker oder weniger stark voneinander getrennt werden, damit sie im Nachhall nicht abgehackt klingen, aber auch nicht verschmieren. Jeder Raum verlangt auch ein anderes Grundtempo. Hier muss man auch berücksichtigen, dass sich die Akustik verändert, wenn viele Personen da sind. Sie wirken manchmal wie ein Schalldämpfer.

BZ: Was ist für Sie das Besondere am Orgelspielen?

Himmelseher: Es gibt kein anderes herkömmliches Musikinstrument, mit dem eine Person in so unterschiedlichen Lautstärken und Klangfarben musizieren kann – fast wie bei einem Orchester. Das macht einfach Spaß! Nicht umsonst wurde der Orgelbau zum immateriellen Weltkulturerbe erhoben.

BZ: Wie kamen Sie darauf, in der Pfarrkirche in Wyhl ein Orgelkonzert zu geben?

Himmelseher: Die in den 1980er-Jahren gebaute Orgel der Firma Göckel ist mit Abstand das reizvollste Instrument in der Seelsorgeeinheit Am Litzelberg. Auf ihr lassen sich viele stilistische Möglichkeiten umsetzen. Sie ist das optimale Instrument für die liturgische Gestaltung, wie sie seit 59 Jahren – auch schon mit dem Vorgängerinstrument – der Organist Gerhard Ritter treu versieht. Aber auch als Konzertorgel kann diese "Königin der Instrumente", wie das Motto des Konzertes lautet, wunderbar eingesetzt werden.

BZ: Was erwartet die Zuhörer?

Himmelseher: Es war mir wichtig, ein vielseitiges, kurzweiliges Programm zusammenzustellen – mit Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Charles-Marie Widors Orgelmusik ist das Ergebnis einer Weiterentwicklung des Orgelbaus in Frankreich. Mit einer Orgelimprovisation werde ich dem Instrument auf meine eigene Weise interessante Klänge entlocken. Das gesamte Konzert wird gut eine Stunde dauern. Ich hoffe, dass auch Leute kommen, die noch nie in ihrem Leben in einem Orgelkonzert waren und einfach neugierig sind.