Da wackelt der Weideschopf

Nico Kapitz

Von Nico Kapitz

Di, 05. Juli 2011

Zell im Wiesental

In Riedichen ging am Samstag der "Punk" ab bei der zweiten Auflage des "Vitamin-B-Festivals".

ZELL-RIEDICHEN. Wenn der Berg ruft, dann macht man sich normalerweise auf zum Gipfel. Ganz so hoch hinaus mussten die Fans härterer Rockmusik zwar nicht, doch war es immerhin die lichte Höhe von Riedichens Weideschopf, die erklommen werden musste. In dem verträumten Bergdörflein ging am vergangenen Samstag nämlich richtig der "Punk" ab bei der zweiten Auflage des "Vitamin-B-Festivals".

Das Festival verwandelte den sonst so beschaulichen Ort mit der traumhaften Aussicht in eine Pilgerstätte für jeden, der von Metal, Hardrock oder Punk magisch angezogen wird. Der junge Verein "Musik lebt" mit Simon Philipp, Inga Maier und Samuel Maier an der Spitze hatte sich fürs Programm einiges ausgedacht: "Basilisk", eine bekannte Dark-Metal-Formation aus Donaueschingen, war als Höhepunkt angesagt. Doch nicht nur die Rocker von der Baar ließen die Wände im Weideschopf wackeln.

"Lehmann Overnose" – Simon Philipp und Samuel Maier im Duett – machten den Anfang und spielten an Akustik-Gitarre und Bass einige Klassiker, während sich der Schopf langsam füllte. Doch dann wurde es ernst, und auf der Bühne wurde der Strom eingeschaltet. "Culicidae", eine Metal-Band aus dem Oberen Wiesental legten los und knallten ein Metal-Brett nach dem anderen auf die Bühne. Der eigenständige, zwischen Hard-Rock und Metal liegende Stil, riss die Gäste mit und schon flogen im Publikum die ersten Frisuren im Kreis: "Headbangen" gehört dazu.

In eine ganz andere Richtung gingen "Individual Standard". Die Pop-Punk-Mischung kam sehr gut an – offenbar hatten die Fans einiges für den Kontrast im Programm üblich. Der Sound kam nun weniger hart daher, dafür transparenter und leichter.

Die Gitarren um vier Halbtöne tiefer gestimmt, und schon hat man den brachialen Sound der folgenden Stoner-Rock-Gruppe "Deaf Proof". Erdige Rhythmen, donnernder Bass und sonorer, tiefer Gesang sind die Markenzeichen von "Deaf Proof". Die etwas düstere Stimmung, die von den tiefen und harten Klängen ausgeht, übertrug sich allerdings nicht aufs Publikum: Dort wurden die Jungs aus Freiburg gefeiert. Dann ging's rund: "Basilisk" kamen und sie kamen mit Wucht. Ein wenig Rammstein, ein wenig Metallica und mächtig viel Dampf: Der Stil von "Basilisk" hat ganz klar große Vorbilder, doch bewahrt er sich eine große Menge Eigenständigkeit. Die vier Männer aus Donaueschingen machten kein Geheimnis daraus: Sie verkörpern ihre Musik und das übertrug sich auf die Menge vor der Bühne.

Mit "Tschernobyl" wurde am Schluss noch einmal eine andere Kategorie angepackt. Die Jungs mit dem provokanten Namen spielen nicht viele verschiedene Akkorde auf der Bühne. Aber die sind schnell und total energiegeladen. Mit handfestem und handgemachtem Punkrock legten die vier Punker aus dem Rheintal noch einmal ordentlich Brennholz für das Spektakel nach.

Es wurde spät, bis die letzte E-Gitarre schwieg. Vorbei war das Fest aber noch lange nicht. Obwohl die großen Besuchermengen ausblieben – vielleicht auch der B-317-Sperrung in Atzenbach geschuldet – waren die Organisatoren bestens gelaunt. Bands, Veranstalter und Gäste saßen noch bis in die frühen Morgenstunden beieinander.