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11. Juli 2010 16:24 Uhr

Boulevard mit einer prächtigen Inszenierung eröffnet

Ganz Zell liegt Constanze Mozart zu Füßen

Roter Teppich, herrliche Rokokokostüme: Standesgemäß wurde am Samstag der Constanze-Mozart-Boulevard eingeweiht.

  1. Charmant begrüßt Bürgermeister Rudolf Rümmele die „große Tochter der Stadt“, Constanze Mozart (Edith Ganter), mit Handkuss. Foto: Roswitha Frey

  2. In Rokokokostümen flanierte Edith Ganter als Constanze Mozart zusammen mit Michaela Egloff als Aloysia über den „Boulevard“. Foto: Roswitha Frey

  3. Im farbigen Federkostüm: Hendrik Köhler sang die Vogelfänger-Arie des Papageno. Foto: Roswitha Frey

  4. Galant hilft Kammerdiener Joseph (Egon Klauser) der in Zell ankommenden Constanze Mozart (Edith Ganter) aus der Kutsche. Foto: Roswitha Frey

ZELL. Mit einer hinreißend gespielten Inszenierung nach Text und Regie der Autorin Heidi Knoblich wurde am Samstag der "Constanze-Mozart-Boulevard" eingeweiht. Zwölf in das Pflaster der Gehsteige eingelassene Steinplatten in der Innenstadt erzählen vom Leben der Constanze Mozart, geborene Weber, der in Zell geborenen Gattin des großen Wolfgang Amadeus Mozart. Jener "Frau, die Mozarts Musik in die Welt hinausgetragen hat und der Mozarts Herz gehörte".

Der rote Teppich ist ausgerollt. Eine große Menge Schaulustiger wartet gespannt in der brütenden Hitze. Da hört man von Ferne schon das Pferdegetrappel. Eine Kutsche fährt die Kirchstraße hoch und zwei Damen in eleganten Rokokokostümen winken huldvoll den Zuschauern zu: Constanze Mozart und ihre Schwester Aloysia. Kammerdiener Joseph hilft Madame beim Aussteigen. Bürgermeister Rudolf Rümmele hat sich in Schale geworfen, trägt Zylinder, und begrüßt die berühmte Besucherin galant mit einem Handkuss.

"Wenn wir Geschichte feiern, wollen wir Geschichte leben", sagte Bürgermeister Rümmele, der das rote Band durchschnitt und den Boulevard "zu Ehren der großen Tochter der Stadt" offiziell freigab. Initiator Heinz-Werner Seger, von dem die Idee und Konzeption stammt, hatte einfach "eine Riesenfreude", dass der Boulevard nun fertig geworden ist.

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Dies sei nicht nur ein denkwürdiger Augenblick, sondern ein großer Mosaikstein im Gesamtbild der Stadt auch hinsichtlich des Tourismus, meinte der Vorsitzende des Tourismusvereins Zeller Bergland, Peter Bauer. Gäste und Besucher könnten nun beim Rundgang durch Constanze Mozarts Geburtsstadt einiges über das Leben dieser "wunderbaren Frau" erfahren.

Zell hat sich für den illustren Besuch der "Weberschen" Töchter auch entsprechend "fein gemacht", trotz der Baustelle, die man geschickt in die Inszenierung "einbaute". Ein Ad-hoc-Streichquartett mit Gerhard Indlekofer, Helmut Paulo, Karlheinz Sturm und Harald Ritter spielt zur Einstimmung – na, was, wohl? – Mozart natürlich. Sabine Hiller-Dürk singt mit schöner Stimme die Arie "Voi che sapete" aus der "Hochzeit des Figaro"; begleitet von Arne Marterer am Piano.

Jahrelang hat sich Heidi Knoblich intensiv mit der Persönlichkeit und Biografie von Constanze Mozart beschäftigt und sich einfühlsam auf ihre Spuren geheftet. In Knoblichs Stück "SchablaPumfa" kommen Constanze und Aloysia, zwei Töchter des Zeller Amtmanns Fridolin Weber, wie Besucherinnen aus der Vergangenheit ins Städtli, flanieren zusammen mit der stattlichen Schar der Gäste durch die Straßen, folgen den Stationen auf dem Boulevard, erinnern sich, und staunen, was sich verändert hat.

"Wenn wir Geschichte feiern, wollen wir Geschichte leben."

Bürgermeister Rudolf Rümmele
Die Rolle des Kammerdieners Joseph, der über alles im Hause Mozart bestens Bescheid weiß und die Damen mit viel Wiener Schmäh, Charme und humorvoll-gewitzten Kommentaren über den neuen "Walk of Fame" im beschaulichen Städtchen führt ("fast wie eine Prachtstraße in Paris…"), ist eine Paraderolle für den glänzend spielfreudig aufgelegten Egon Klauser in stilvoller Rokoko-Kostümierung. Die von der Spielbühne Schopfheim her bekannte Edith Ganter als Constanze Mozart und die Opern- und Operettensängerin Michaela Egloff als divenhaft-kokette Diva Aloysia sind prächtig anzuschauen in ihren ausladenden, reich verzierten Reifröcken und weißen Perücken – und das bei tropischen Temperaturen!

Die beiden Darstellerinnen spielen die rivalisierenden Schwestern und deren Eifersüchteleien um Mozart ganz großartig. So giftet die allürenhafte Primadonna Aloysia, dass Mozart nur sie geliebt habe, und das "Stanzerl" giftet zurück: "Du wolltest ihn ja nicht haben, also habe ich ihn genommen."

Herzlich spricht Constanze über ihren Mozart, der "immer und überall nur Musik im Kopf hat" und bis in die Nacht hinein komponiere. Es gibt auch eine kurze Szene mit der resoluten Dreikönigs-Wirtin (Stefanie Waßmer), die einiges verrät über die Geschehnisse im Hause der Familie Weber, die nach Querelen mit dem Baron von Schönau schon 1763 Zell überstürzt verlassen musste und nach Mannheim zog. Auf der Treppe des "Löwen" wartet im buntgefiederten Vogelfänger-Kostüm der Opernsänger Hendrik Köhler in der Rolle des Theaterdirektors Emanuel Schikaneder, der Librettist von Mozarts "Zauberflöte" und der erste Papageno war. Der theatralisch inszenierte Spaziergang über den Boulevard ist sehr lebendig gemacht, mit eingestreuten Arien und erfrischend amüsant-ironischen Dialogen, die eine Brücke schlagen zwischen der Mozart-Zeit und dem heutigen Zell und die viel erzählen über Constanze, ihr (Ehe-)Leben mit Mozart und die Gerüchte, die über sie im Umlauf sind. Der so gekonnt in Szene gesetzte Rundgang endet auf dem Platz, wo einst Constanze Mozarts Geburtshaus stand und wo nun eine von Wagenbauern der Vogtei Paradies originalgetreu nachgebaute Limonadenbude wartet – wie zu Mozarts Zeit, wo solche Limonadenbuden und Freilicht-Promenadenkonzerte "in" waren. "Herr Kapellmeister, noch etwas von Mozart!", heißt es, Diener Joseph zückt ergriffen das Taschentuch – was für eine wunderbare Hommage an die Frau an Mozarts Seite!

Autor: Roswitha Frey