Mundart

Junge Autoren begeistern beim Gerhard-Jung-Wettbewerb in Zell

Roswitha Frey

Von Roswitha Frey

So, 22. April 2018 um 14:18 Uhr

Zell im Wiesental

Der Gerhard-Jung-Wettbewerb in Zell zeichnete junge Mundart-Autoren aus. Die zahlreichen Teilnehmer kamen aus der ganzen Region.

Dass Mundart bei jungen Leuten auch im Internet-Zeitalter durchaus am Puls der Zeit ist, zeigte sich bei der Verleihung der Preise an die Gewinner des sechsten Gerhard-Jung-Wettbewerbs am Freitag im Pfarrsaal St. Fridolin in Zell. Alle drei Jahre richten Stadt und Muettersproch-Gsellschaft diesen Literaturwettbewerb für junge Autoren bis 35 Jahre aus. Die ersten Preise gingen im Bereich "Jüngste Mundart" an die Klasse 5e der Montfort-Realschule Zell, in der Sparte Szene/Spiel an die Autorin Sandhya Hasswani aus Herrischried und in der Sparte Prosa und Lyrik an die Dichterin Kathrin Ruesch aus Freiburg, die als Doppelsiegerin die Jury und die Zuhörer beeindruckte.

Zells Bürgermeister Peter Palme überreichte die Preise und freute sich, dass wieder eine große Zahl an Texten eingereicht worden ist bei diesem Wettbewerb im Andenken an den Mundartdichter und Zeller Ehrenbürger Gerhard Jung, dessen Todestag sich am 25. April zum 20. Mal jährt. 200 Texte haben die Juroren Markus-Manfred Jung, Timo Weber-Blaser und Heidi Zöllner unter die Lupe genommen. Dass Gerhard Jungs Erbe nach wie vor so lebendig ist, freute dessen Sohn Markus Manfred Jung sehr. Diese junge Mundart sei ganz im Sinne seines Vaters, es sei dessen größter Wunsch gewesen, dieses Erbe an die junge Generation weiterzutragen.

Mundart-Autoren im Video



Der Namensgeber

Nach dem Auftritt der Kindertrachtengruppe würdigte Christoph Greiner vom Vorstand der Trachtengruppe Zell den Dichter und Hebel-Preisträger Gerhard Jung. Schon in jungen Jahren habe Jung in der Nachkriegszeit die ersten Theaterstücke für den Zeller Männerchor geschrieben, später auch für die Trachtengruppe, und habe neben Gedichten und Stücken auch alemannische Lieder und eigene Tänze herausgebracht.

Die ersten Preisträgerinnen

Mundart aktuell, humorvoll, dem Alltag abgelauscht, präsentierte Sandhya Hasswani (1. Preis) in ihrem Beitrag "Heb Sorg uff dini Sprooch", vorgetragen in verteilten Rollen: eine witzige Szene über Mutter und aufmüpfige Tochter, die sich im Auto unterhalten, und das Navi, das keinen Dialekt versteht. Gleich zwei erste Preise in Lyrik und Prosa erhielt Kathrin Ruesch aus Freiburg. Die Autorin schlägt in ihrem Text "Was isch widd" einen Bogen von der Kindheit bis ins Jetzt. Auch in ihrer sprachlich feinnuancierten Lyrik, darunter den Gedichten "Lektion", "Schneeglöggle" und "Du", begeisterte die Zweifachpreisträgerin durch "Furor, Sprachgewalt, Verspieltheit und Mut zum Gefühl", so Juror Jung, der Ruesch eine "Hoffnung für das Dichterische in der alemannischen Sprache" nannte.

Die Sparte Lyrik und Prosa

"Der Dialekt hat nur eine Zukunft, wenn er von jungen Leuten weitergetragen wird", sagte Friedel Scheer-Nahor von der Muettersproch-Gsellschaft. Was die ausgezeichneten Jungautoren in der Sparte Lyrik, Prosa und Szene/Spiel vortrugen, war vielfältig und facettenreich in den Ausdrucksformen und unterschiedlichen Dialekten. Der zwölfjährige Moritz Müller aus Oberkirch überzeugte mit einer kleinen Brunnengeschichte. Oliver Schmidt aus Hausen zeigte sich als Lyriktalent in dem schlichten, berührenden Gedicht "Uffem Gottsacker". Benjamin Glunk aus Bräunlingen sinnierte im Dialekt über neueste Technik und Medien. Philipp Spiesser aus Allensbach imponierte durch zugespitzte Gedanken und Sprachbilder. Catharina Müller aus Efringen-Kirchen ließ in dem Gedicht "z‘Nacht" Bilder zwischen düster und hell, zwischen Donnergrollen und Stille changieren und zeichnete in "Vernissage" ein entlarvendes Bild der Kunstgesellschaft. Patrik Knothe aus Mühlhausen-Ehingen setzte sich in seiner Lyrik mit dem Dialekt in heutiger Zeit auseinander.

Mundart der Schulklassen

Auch Schulklassen haben teilgenommen und wurden mit Anerkennungspreisen bedacht. Den ersten Preis bekam die Klasse 5e der Montfort-Realschule für ihre Texte über einen Tag auf dem Bauernhof und den Text "Ein Tag als Hund", erzählt aus der Perspektive des Vierbeiners. Die Klasse 2a der Gerhard-Jung-Schule Zell hat sich Gedichte zur Zeller Fasnacht ausgedacht, über Bonbons beim Umzug, über Masken und das Altwiiberrennen. Die Klasse 3b derselben Schule hat Haikus verfasst, Dreizeiler in Mundart über die Stadt und Gerhard Jung. Die Dritt- und Viertklässler der Grundschule Gresgen haben Abenteuer- und Erlebnisgeschichten geschrieben, die Erst- bis Viertklässler der Grundschule Schopfheim-Wiechs haben einen alemannischen Kalender erstellt. Eine Autorengruppe der Schreib-, Sprach- und Medienwerkstatt des Theodor-Heuss-Gymnasiums Schopfheim trug ihre Geschichte vom Wanderer vor, der auf einen Bauernhof kommt. Die Klasse 10b der Montfort-Realschule hat ältere Leute gefragt, was früher besser oder schlechter war.