Tiny Houses

Zimmermann aus Neuenburg baut mobile Holzhäuschen

Volker Münch

Von Volker Münch

Fr, 22. September 2017 um 19:18 Uhr

Neuenburg

Rainer Wiedemann baut in Neuenburg Tiny Houses, kleine mobile Holzhäuschen für individuelles Wohnen. Inspirieren ließ er sich auf Reisen durch Kanada und die USA.

Wohnen im Miniformat, dabei auf keinen Komfort verzichten müssen und bei Bedarf auch noch mobil sein und den Standort wechseln – das geht in einem Tiny House. Diese besondere Wohnform ist besonders in den Vereinigten Staaten weit verbreitet, aber auch in Europa und speziell in Deutschland gibt es immer mehr Menschen, die sich dafür begeistern. In Neuenburg hat sich Zimmermann Rainer Wiedemann mit seiner kleinen Zimmerei auf den Bau von Tiny Houses spezialisiert.

Zugegeben: Es ist erst ein Prototyp für das Tiny House Made im Markgräflerland. Und doch hat er bereits Furore gemacht, nachdem der Prototyp bei einer Veranstaltung in Mauchen vorgestellt wurde. "Wir erhalten fast täglich Anfragen für eine Besichtigung", erzählt die Ehefrau des rührigen Zimmermanns, Alexandra Wiedemann.

Was die Menschen begeistert ist nicht nur die Wertigkeit dieses Holzhauses, das auf einem großen Autoanhänger aufgebaut wurde, sondern es sind auch die Details, die das transportable Wohnhäuschen deutlich von einem Wohnwagen unterscheidet. Wer sich für ein solches transportable Haus entscheidet, ist auf der Suche nach einem besonderen Lifestyle, in Form eines kleinen Wochenendhäuschens irgendwo in der Natur oder eines Häuschens, wie es bereits in Berlin in kleinen Tiny-House-Siedlungen für Studenten angeboten wird. Doch wie kam Familie Wiedemann auf die Idee, selbst Tiny Häuser zu produzieren? "Wir waren bei Besuchen in Kanada und den USA fasziniert von dem fahrenden Kleinstzuhause und dachten, das wäre auch etwas für den deutschen Markt", erzählt Rainer Wiedemann.

Häuser können das ganze Jahr über bewohnt werden

In den USA gibt es die Minihäuser bereits seit den 1920er Jahren. Deren Grundform schwappte auf den europäischen Kontinent über. In Europa befindet sich die Tiny-House-Bewegung noch in den Anfängen. "Wen das Tiny-House-Fieber erst einmal infiziert hat, der kann nicht mehr davon lassen", sagt Alexandra Wiedemann. Das Besondere: Die Ausführung und die Vielfalt dessen, was bei der Inneneinrichtung möglich ist, erinnert an klassische Holzhäuser.

Weil diese "eigenen vier Wände im Huckepack" auch isoliert sind, können sie auch in unseren Breiten das ganze Jahr über bewohnt werden. Und das unterscheidet ein Tiny House vom klassischen Campingwagen. Und weil dieses Kleinsthaus nur wenig Platz braucht, bei der Herstellung aufgrund seiner Maße natürliche Ressourcen schont und damit einen Beitrag zur Ökologie und Nachhaltigkeit darstellt, trifft es immer häufiger auf das Interesse von Individualisten.

Grenzen für das Tiny House setzen nur die Außenmaße

Vor allen Dingen die Bauweise, das daraus entstehende Wohnklima und die schier grenzenlosen Möglichkeiten des Ausbaus begeisterten den Zimmermann und dessen Gattin. In wochenlanger Kleinarbeit ist der erste Prototyp entstanden, der für vier Personen konzipiert ist und viele Annehmlichkeiten enthält, die mit einem Wohnwagen gar nicht umsetzbar wären.

Machbar ist theoretisch alles, Grenzen setzen nur das Gewicht – ein Tiny House darf in Deutschland nicht mehr als 3,5 Tonnen wiegen – und die Außenmaße. Ohne Sonderzulassung darf das Haus mit Anhänger nicht höher als vier Meter und breiter als 2,55 Meter sein. Eine Länge von sieben Metern ist möglich, kann aber die Beweglichkeit einschränken.

Das Minihaus hat seinen Preis

Das Markgräfler Tiny House gibt es in verschiedenen Größen, angefangen vom Ein-Personen-Haushalt, und es überschreitet selten eine Wohnfläche von 15 Quadratmetern. Es verfügt über alles Wesentliche: einen Wohn- und Schlafbereich, eine Kochnische, einen Sanitärbereich mit Dusche und Toilette. Der Prototyp "Family" hat darüber hinaus eine Fußbodenheizung und einen Ofen. Jeder zusätzliche Komfort erfordert eine individuelle Änderung und dementsprechend Neuberechnungen und das Aufzeigen von Einsparpotenzialen beim Gewicht. Rainer Wiedemann denkt bereits an eine Photovoltaikanlage für die eigene Stromversorgung.

Zugegeben: Dieses Minihaus für Vagabunden und Menschen, die beruflich oder privat flexibel bleiben wollen, hat seinen Preis. Das handwerklich hochwertig gebaute Häuschen ist von etwas mehr als 30 000 Euro an zu haben, je nach Ausstattungswünschen gibt es keine Grenzen nach oben. Ob als Zweitwohnung, Ferienwohnung, Gästewohnung, Jagd- oder Angelhütte, ob als Atelier oder Werkstatt, ein Tiny House lässt sich für diverse Zwecke ausstatten.

Das Minihaus erfüllt auch Einsatzmöglichkeiten im gewerblichen Bereich. Vorstellbar wäre der Einsatz als Messestand, Arbeitszimmer, Seminarraum. Sogar als Klassenzimmer und Kindergartenraum ließe sich das Tiny House nutzen, erklärt Rainer Wiedemann, der mit seinem Zimmereibetrieb den Fokus sonst vor allen Dingen auf Sanierungen gelegt hat.

Das Markgräfler Tiny House ist beim Markt landwirtschaftlicher Produkte am Sonntag, 8. Oktober, in Schliengen zu sehen. Weitere Informationen gibt es unter http://www.tinyhouse-wiedemann.de und http://www.holzundco-wiedemann.de