Kurzfilmfestival

Zwei Lahrer Filmemacher belegen die ersten Plätze

Babette Staiger

Von Babette Staiger

Mo, 11. Februar 2019 um 13:57 Uhr

Lahr

Enrico Kurz und Réne Laux vom Filmclub Lahr haben beim Kurzfilmfestival in Lahr die ersten beiden Plätze belegt und sich damit für das Landesfilmfestival qualifiziert.

LAHR (bets). Lebhafte Diskussionen und eine große Vielfalt unter den Beiträgen, das hat den regionalen Kurzfilmwettbewerb für Amateure, ausgerichtet vom Filmclub Lahr, gekennzeichnet. Auf den ersten Platz schaffte es das kleine historische Drama "Wenn die Heimat nicht mehr wärmt", eine szenische Momentaufnahme der Auswandererwelle im Ried während und kurz vor der 1848-er-Revolution. Der Film wurde von Enrico Kurz (Filmclub Lahr) produziert. Dahinter folgter René Laux' (Filmclub Lahr) symbolische Dichtung über die Geschichte der Straßburger Coop und die Dokumentation  "Dem SWR über die Schulter geschaut" von Franz Rudmann (Filmclub Breisgau).

Die Bandbreite der 14 Beiträge reichte vom klassischen Dokumentarfilm, der vor allem die Neugier auf versunkene Zivilisationen ("Machu Picchu" von Doris und Cord von Restorff, Karlsruher Film- und Vídeoclub) weckte oder den Versuch wagte, eine ethnografische Betrachtung afrikanischer Stammesrituale zu schaffen (Markus Günther, "Beim Volk der Hamer", Filmklub Freiburg). Geschichten filmisch zu erzählen, das ist das Steckenpferd von Enrico Kurz, der gleich mit zwei Beiträgen, dem Erstplatzierten und dem humorvollen Kurzfilm "Mama schreibt" angetreten war.

Aber es ist auch eine neue Strömung zu sehen: Bester Repräsentant für eine Art von symbolisch verdichteter Erzählform ist sicher René Laux' Beitrag über die Straßburger Coop, eine Art Produktions- und Distributionsgemeinschaft, die 1902 in Straßburg für Akteure der regionalen Wirtschaft und Landwirtschaft gegründet worden war, und die die Tore ihres Firmen-, Produktions- und Distributionssitzes am Straßburger Port du Rhin im Jahr 2015 schließen musste.

Laux' Film verbindet historische Filmsequenzen aus der aktiven Zeit der Coop und Szenen einer modernen Ballettchoreografie des "Schwanensees" in geschickten Ein- und Überblendungen mit der nahezu abbruchreifen Architektur der Coop, die heute vor einer bedeutenden Transformation des gesamten Hafengebiets steht. Eine respektable Leistung für einen Amateurbeitrag, der allerdings sowohl in der Jury als auch im Publikum noch Zeit für Rezeption und Interpretation brauchte.

Enrico Kurz’ Siegerbeitrag ist eine verdichtete Sequenz aus seinem Film, der zum 750-jährigen Bestehen Meißenheims 2017 entstanden war. Was sowohl Jury als auch Publikum gefiel, war der Blick für das historische Detail, ob bei den Kostümen oder in der Umsetzung der Auswanderungsmotive in Dialogen einer armen Zimmermannsfamilie im Ried: Echter "Missener" Dialekt im Kinoformat. Emotional wurde es dann in der Schlussszene: Ein Drohnenflug über den alten, dicht bewaldeten Rheinarm, unterlegt mit einem sehr melancholischen Auswanderersong.

Alle drei Filme wurden von der Jury zur Weiterleitung vorgeschlagen. Beim 84. Landesfilmfestival am 16. und 17. März in Waiblingen werden sie auch zu sehen sein.

Weitere Informationen unter http://www.bdfa-lvbw.de