Gundelfinger Verein "Wasser ist Leben" wird aktiv

Indienhilfe gründet eine Stiftung

Andrea Steinhart

Von Andrea Steinhart

Do, 19. März 2009 um 12:11 Uhr

Gundelfingen

Die Arbeit der Indienhilfe "Wasser ist Leben" kann auf eine neue Basis gestellt werden: Der Verein, der die Arbeit der "Helpers of Mary" in Indien unterstützt, hat eine Erbschaft von rund 400 000 Euro gemacht. Davon fließen nun 250 000 Euro in eine neu gegründete Stiftung.

GUNDELFINGEN. Die Arbeit der Indienhilfe "Wasser ist Leben" kann auf eine neue Basis gestellt werden: Der Verein, der die Arbeit der christlichen Hilfsorganisation "Helpers of Mary" in Indien unterstützt, hat eine Erbschaft von rund 400 000 Euro gemacht. Davon fließen nun 250 000 Euro in eine neu gegründete Stiftung. Der noch in Wertpapieren und Sparbüchern festgesetzte Restbetrag wird sobald als möglich zugestiftet. Das teilte Kassenführer Rudolf Sauerbier in der Mitgliederversammlung am Montag mit.

"Die neue Stiftung ist ganz im Sinne der Erblasser", erklärte die Initiatorin und Vorsitzende Gerda Geretschläger. Der Zinsertrag, der E.C.H.O.-Stiftung (Education, Creates, Health, Opportunities) hilft künftig, neben den Spendeneinnahmen, dass die vielen Waisen- und Aidskinder in der Obhut der Mary-Schwestern aufwachsen können. Im Kinderdorf Naya Jeevan und im Slumzentrum Malvani werden die Mädchen und Jungen ärztlich versorgt, erhalten Unterricht und bekommen etwas zu essen. Die offizielle Gründung der Stiftung wird im Juni gefeiert, wenn Mary-Schwestern aus Indien zu Besuch nach Gundelfingen kommen werden.

Der erst ein Jahr alte Verein "Indienhilfe – Wasser ist Leben" ging aus der 1995 gegründeten Initiative hervor, die all die Jahre steuerrechtlich und juristisch von der Gemeinde Gundelfingen vertreten worden war. "Doch für die Erbschaft war es Voraussetzung, dass wir ein Verein mit Satzung werden", erläuterte Geretschläger. Ziel des Vereins ist nach wie vor die Förderung ärmster Kinder in Indien unter der Obhut der christlichen Ordensgemeinschaft "Helpers of Mary" in Andheri/Bombay.

Insbesondere sollen die Mädchen lepröser Eltern und HIV-infizierte Mädchen und Jungen im Kinderdorf gefördert werden. Aber auch die "Müllkinder" von Malwani/Bombay erhalten finanzielle Hilfe von Gundelfinger Bürgern.

Vor Ort wird geschaut, was notwendig ist

Wie die Spenden vor Ort am besten eingesetzt werden, erkundete im vergangenen Jahr Inge Dännart. "Die Kinderhäuser waren von Schimmel befallen, die Dächer undicht und die sanitären Anlagen unzureichend", erzählte sie und legte zahlreich Bilder vor. Ebenso waren die Wege im Kinderdorf, das 1967 errichtet worden war, zu den Häuser ausgespült, die Rohrleitungen unterspült und eine Stützmauer gefährlich nahe am Einstürzen. "Wir konnten gleich zahlreiche Arbeiten in Auftrag geben." Bei ihrem zweiten Besuch, im November, erstrahlten die Kinderhäuser in neuer Pracht: Türen waren ausgetauscht, Mülleimer aufgestellt, vor den Kinderhäusern Vorgärten angelegt und aus Hygienegründen die Innenwände der Küche und Kinderhäuser bis Stehhöhe gefliest. Zudem bekamen die Wege einen festen Steinbelag und eingelassene Wasserrinnen, die das Monsunregenwasser künftig unterirdisch zur Feldbewässerung leiten. Die Stützmauer wurde nun terrassenförmig angelegt und bepflanzt. Von den neun zu bauenden Toiletten wurden im vergangenen Jahr zwei errichtet.

"Für die Unterstützung dieser Arbeiten wurden im April 50 000 Euro überwiesen", rechnete Sauerbier vor. Neben dem Lebensunterhalt der Kinder finanzieren die Spenden aus Gundelfingen die Schulausbildung der Mädchen in dem Kinderdorf (jährlich rund 40 000 Euro) und die Berufsausbildung in den Zentren (22 000 Euro) sowie die Slumschule in Malwani. Dort werden 250 "Müllkinder" von Lehrern und Sozialarbeitern unterrichtet und mit Essen versorgt. "Die Kosten für zwei Jahre wurden aus dem Erlös der Silvester-Oper im Jubiläumsjahr beglichen", verdeutlichte Dännart dankbar – immerhin 13 000 Euro. Zudem werden im Schulungszentrum Malwani junge Frauen im Schneiderhandwerk (Kosten rund 3000 Euro) ausgebildet, damit sie ihre Kinder ernähren können, und diese nicht auf dem Müllberg arbeiten müssen.

Die neue Geißel Indiens heißt Aids

Die Lepra geht zurück. Doch dafür ist Aids auf dem Vormarsch. Indien hat die meisten Neuinfektionen weltweit, berichtet Dännart. Die "Helpers of Mary" waren eine der ersten indischen Organisationen, die HIV-infizierten Kindern aufnahmen. "Was hätte sie auch tun können? Die Polizei, Sozialarbeiter und Behörden bringen die Kinder ins Haus der Schwestern." Deshalb ist ein zweites Hospiz-Zentrum für bis zu 60 Kindern geplant. "Das Kinderdorf ist dafür ein idealer Standort: Es gibt frisches Wasser, gesunde Landluft, gute Ernährung und ein Netzwerk von medizinischen Fachkräften, Behörden und Pharmaindustrie". Nach dem Monsun wird mit dem Bau des 130 000 Euro teuren Hospiz begonnen, dessen Finanzierung der Gundelfinger Verein übernimmt. Inge Dännart und Redakteurin Frauke Wolter, von der Badischen Zeitung, werden im April bei der Grundsteinlegung dabei sein.