Klimaschutz

Greta Thunberg: Klimaheldin und Medienphänomen

André Anwar

Von André Anwar

Fr, 07. Dezember 2018 um 20:30 Uhr

Panorama

Sie war der Star des UN-Klimagipfel im polnischen Kattowitz: Seit Wochen berichtet die Welt über die 15-jährige Klimaschützerin Greta Thunberg. Doch Kritiker werten sie als Medienphänomen.

Binnen weniger Monate ist sie zum Klimaschutzweltstar geworden. Überall wo die 15-jährige Greta Thunberg derzeit auf dem UN-Klimagipfel im polnischen Kattowitz auftaucht, bildet sich eine Menschentraube um die schwedische Schülerin. "Es herrscht derzeit totales Chaos um Greta, sie hat nicht eine freie Minute", berichtet eine Stockholmer Bekannte des Mädchens. Manche halten sie für ein Mädchen, das mit unbedingtem Willen für seine Überzeugungen einsteht. Doch Kritiker sehen in ihr ein Medienphänomen – und ein Produkt übereifriger Eltern.



Nach dem extrem warmen, schwedischen Sommer 2018 war das, was Greta ihre "Klimaangst" nennt, so stark geworden, dass sie bis zu den Parlamentswahlen im September drei Wochen die Schule schwänzte und danach jeden Freitag. Selbstsicher wie Pippi Langstrumpf, stellte sich das knapp 1,50 Meter kurze Mädchen mit seinen zwei geflochtenen Zöpfchen vor den schwedischen Reichstag und demonstrierte ganz allein. "Schulstreik für das Klima" stand auf ihrem Schild, das fast größer wirkte als sie selbst. Auf Handzetteln klagte sie die Erwachsenen an. Ihr "scheißt auf meine Zukunft ", stand dort unter anderem. Deshalb müssten die Kinder sie selbst in die Hand nehmen und den Klimaschutz vorantreiben, so Greta.

Ihre Botschaften sind simpel und doch einleuchtend: Es liege auf der Hand, warum Erwachsene so wenig für den Klimaschutz tun: Die meisten würden kaum über die nächsten 30 Jahre hinausdenken, weil sie dann eben nicht mehr am Leben seien. Sie dahingegen, geboren 2003, und andere Kinder schon.

Schülerdemos, überall in Schweden

Die Medien begannen über Greta zu berichten. Täglich kamen weitere Kinder und Jugendliche hinzu. Dann gab es ähnliche Schülerdemos an 100 verschiedenen Orten in Schweden. Das lockte auch Parlamentsabgeordnete und Minister herunter auf die Brücke vor dem Stockholmer Parlament, um Greta die Hand zu schütteln. Schulkinder in aller Welt darunter 15 000 in Australien machten ihre Streikaktionen nach. "Du inspirierst mich", schrieb Arnold Schwarzenegger und lud Greta nach Wien ein. "Du kannst mit mir rechnen. Hasta la vista Baby!" antworte sie ihm.

"Weil unsere Politiker sich wie Kinder aufführen, müssen wir die Verantwortung übernehmen." Greta Thunberg
Weitere Einladungen, unter anderem als Sprecherin zu Demos nach London, nach Helsinki und zum derzeitigen UN-Klimagipfel folgten. Ihr Vater Svante (49), ein Schauspieler und Schriftsteller fährt sie mit dem Elektroauto der Familie überall hin. Klimaschädliche Flugzeuge lehnt Greta so rigoros ab, dass sie auch ihre Mutter, die prominente schwedische Opernsängerin Malena Ernman (48), die Schweden 2009 beim Eurovision Song Contest vertrat, dazu bewegen konnte, darauf zu verzichten. Kritiker unken, dass die viel jünger als 15 aussehende Greta eher das putzige Kinderstar-Aushängeschild medienaffiner Eltern aus der abgehobenen schwedischen Kulturelite sei, auf die sich vor allem nach dekorativer Farbe suchende Journalisten und Klimafunktionäre stürzen würden. Die Eltern betonen aber, dass sie Greta nicht beeinflusst haben, sondern umgekehrt.

Greta bezeichnet sich gern als "Klimaschützerin mit Asperger Syndrom". Das ist eine Form des Autismus. Die habe dafür gesorgt, dass sie seit einigen Jahren alles Wissenswerte über das Klima in sich hineingesaugt habe und auch deshalb hartnäckig Veränderungen fordert. Gängige Ausflüchte rauschen an ihr vorbei. "Für mich ist fast alles schwarz oder weiß", sagte sie kürzlich, und im Bezug auf den Klimaschutz: "Ich glaube auf gewisse Weise sind wir Autisten die normalen, während alle anderen etwas sonderbar sind". Sie bittet die Staatschefs gar nicht mehr um Veränderung. Sie glaubt, dass die auch ohne die lahmen Volksvertreter kommt. "Weil unsere Politiker sich wie Kinder aufführen, müssen wir die Verantwortung übernehmen", sagt sie voller Selbstbewusstsein.