Gesetzentwurf

50- statt 70-Tage-Jobs: Landwirte bangen um Erntehelfer

Martin Pfefferle

Von Martin Pfefferle

Do, 12. Juli 2018 um 14:51 Uhr

Eschbach

Der Oberrhein ist geprägt von Sonderkulturen - Erdbeeren, Spargel, Tabak,... Doch mit Blick auf einen Gesetzentwurf fragen sich die Landwirte nun: Wie lange noch?

Sonderkulturen sind sehr arbeitsintensiv, und die Bauern klagen, dass es immer schwieriger wird, die dafür nötigen Arbeitskräfte anzuheuern. Die neueste Gefahr, welche die Landwirte sehen, ist die Reduzierung der bislang 70 sozialversicherungsfreien Tage auf künftig 50. Das geht aus einem Gesetzentwurf von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hervor (Kommentar).

Damit würde ein Arbeiter nicht mehr für eine Erntephase reichen, sagen die Landwirte. Denn dafür bräuchte es die dreimonatige (also 70-tägige) Regelung. Dieses Thema hat sich nun der FDP-Bundestagsabgeordnete Christoph Hoffmann zu eigen gemacht. Er hat aus diesem Grund zu einem Treffen geladen beim Obst- und Gemüseanbaubetrieb Gamb in Eschbach. Dort, in einer Halle im Agrarpark, der zum Gewerbepark Breisgau gehört, lagern bereits in riesigen Boxen Kürbisse, um in den Handel geliefert zu werden. Auch diese werden von Erntehelfern geerntet.

"Der Erhalt der Drei-Monate-Regelung für die sozialversicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung von Erntehelfern ist unabdingbar" Simon Schumacher
Dementsprechend schlug der Verband der Süddeutschen Spargel- und Erdbeeranbauer Alarm bei dem Termin. Vorstandssprecher Simon Schumacher sagte, dass sich die Lage in diesem Jahr deutlich zugespitzt habe. Ein Teil der Ernte habe nicht eingeholt werden können. Weil Erntehelfer fehlten, habe viel nicht geerntet werden können. "Hier ist dringend Handlungsbedarf auf politischer Ebene notwendig. Der Erhalt der Drei-Monate-Regelung für die sozialversicherungsfreie kurzfristige Beschäftigung von Erntehelfern ist unabdingbar", sagte Schumacher. Zudem sei ein beschleunigtes Visaverfahren für Arbeitskräfte aus dem Westbalkan und der Zugang zu Saisonarbeitskräften aus der Ukraine "absolut notwendig".

Drohende Folgen seien die Reduzierung von Flächen, ein vorzeitiger Erntestopp oder gar die Betriebsaufgabe. Dabei wolle die Bevölkerung Sonderkulturen aus regionalem Anbau. Das sei auch im Sinne des Umweltschutzes sinnvoll, ergänzte der Eschbacher Landwirt Dieter Maier. Und um das Wetterrisiko zu minimieren, müssten die Landwirte mehr Flächen vorhalten als optimalerweise gebraucht würden, so Schumacher.

"Die Betriebe kommen immer mehr in die Klemme" Stefan Gamb
Gastgeber Stefan Gamb sagte, dass die 70-Tage-Regelung gut passe. Die Kürbissaison dauere bei ihm etwa von Anfang August bis November. Doch nun will Arbeitsminister Hubertus Heil die 70 sozialversicherungsfreien Tage auf 50 reduzieren. Unverständlich ist das für Christoph Hoffmann, weil die Saisonarbeiter nichts davon hätten. Eine deutsche Rente würden diese nie bekommen. Vorteil der 50-Tage-Regelung sei, dass sie die Sozialkasse stabilisiere und ansonsten aus Prinzipientreue verursacht werde. Gleichzeitig hätten die Betriebe auch mit dem immer weiter steigenden Mindestlohn zu kämpfen. "Die Betriebe kommen immer mehr in die Klemme", so Landwirt Gamb.



Werner Räpple, der Präsident des Badischen Landwirtschaftlichen Hauptverbandes, stellte den Umfang der Sonderkulturen im Bereich vom Rheintal bis zum Bodensee vor. Dort herrschten gute Produktionsfaktoren für Sonderkulturen. Entsprechend hoch sei die Produktivität bei Spargel, Erdbeeren, Kirschen, Pflaumen, Weinbau, Äpfeln und sonstigen Sorten. Das alles aber, betonte Räpple, funktioniere nur auf der Basis von Saisonkräften. "Es ist quasi alles Handarbeit und hängt alles an osteuropäischen Kräften", so Räpple.

Kämpfen musste der Verband auch um die tägliche Arbeitszeitenregelung. Nun ist es den Saisonkräften erlaubt, bis zu zehn Stunden am Tag zu arbeiten und ihren Freizeitausgleich in der Heimat zu nehmen.

Der Mindestlohn, betonte Räpple, sei für die Landwirtschaft "richtig viel Geld". Mit der Lage der Industrie sei das nicht zu vergleichen. Klar müsse man sich in diesem Zusammenhang machen, dass es in osteuropäischen Ländern Lohnkosten von zwei bis drei Euro pro Stunde gebe.

Hoffmann zeigte sich zuversichtlich, dass der Antrag der FDP im Deutschen Bundestag Erfolg haben werde, oder dass Arbeitsminister Heil von sich aus auf den kritisierten Passus verzichten werde. Schließlich würde kaum ein Gesetz so verabschiedet, wie es eingebracht werde.

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