Rund um die Uhr (1)

6 Uhr: Auf dem Wilmershof in Schwärzenbach beginnt der Arbeitstag

Christa Maier

Von Christa Maier

So, 13. August 2017 um 15:20 Uhr

Titisee-Neustadt

Ferienzeit ist meist Freizeit. Trotzdem wird immer gearbeitet – rund um die Uhr sogar. Um 6 Uhr beginnt bei Familie Fehrenbach auf dem Wilmershof in Schwärzenbach der Arbeitstag.

Rund um die Uhr

Die Badische Zeitung hat sich 24 Stunden lang umgeschaut. Dabei sind 24 Reportagen entstanden, vom Arbeitsbeginn auf dem Bauernhof über Essen auf Rädern, von der Bereitschaft im Polizeirevier und der letzten Kneipenstunde bis zum Austragen der Zeitung. Zum Auftakt unserer Sommerserie schildern wir den Beginn des Arbeitstags von Familie Fehrenbach auf dem Wilmershof in Schwärzenbach.

Der Vollmond verschenkt sein letztes Licht, himmlische Ruhe herrscht "im Wald". Nur ein Feldhase bringt sich vor dem nahenden Auto in Sicherheit.

Es ist 6 Uhr morgens, und Bauer Matthias Fehrenbach aus Schwärzenbach wartet schon mit seiner jungen Schäferhündin Luna auf den Besuch der BZ-Mitarbeiterin. Auch Mutter Klara, die abwechselnd mit ihrem Ehemann Alfons Stalldienst macht, ist schon eingetroffen.

Kurz beschnuppert die Hofhündin den frühen Gast, dann kann es mit der Arbeit losgehen. Der Laufstall, der den 48 Milchkühen samt Futtergang, Melkroboter und Milchtank Platz bietet, ist das erste Ziel des 42-jährigen Landwirts. "Am schönsten ist es, wenn ich in den Stall komme und die ganze Herde ist auf der Weide", sagt Fehrenbach.

Der Wilmershof ist ein arrondierter Betrieb, dessen 56 Hektar Feld- und Waldflächen rings um den Hof liegen. Die Weide, auf der sich die Tiere Tag und Nacht aufhalten, grenzt unmittelbar an den Stall. Keine Menschenseele ist darin zu sehen, dennoch wird darin schon gemolken. "Das ist unser Melkroboter", zeigt der Landwirt stolz seine Errungenschaft, die er mit dem Stallbau 2014 – zehn Jahre nach der Übernahme der elterlichen Landwirtschaft – angeschafft hat. Ein Melkroboter für 48 Kühe? Rentiert sich das? "Auf jeden Fall", sagt er.

Die Entscheidung zur Automatisierung des Melkens hat er nie bereut. Da sich seine Ehefrau Andrea um die Ferienwohnungen und die Eisproduktion kümmert, war ihr das Melken einfach nicht möglich. "Zudem wollen wir auch hin und wieder mal wegfahren", sagt Fehrenbach. Dann springen die Söhne Marius und Moritz (16 und 14) oder seine Eltern ein und überwachen die Tiere und den Melkvorgang.

Jede Kuh hat alle sechs Stunden Melkrecht

Das ist mittels Display möglich, das von einem Gerät am Halsband jeder Kuh "gefüttert" wird. Bei einer Störung wird Fehrenbach über das Smartphone informiert und kann mittels Kamera schauen, "wo’s klemmt". "So ist es auch möglich, von außerhalb kleinere Fehler zu beheben", sagt er.

Alle sechs Stunden hat jede Kuh Melkrecht. Wenn sie das regelmäßig wahrnimmt, wird das mit einem gelben Punkt auf dem Display signalisiert.

"Der rote Punkt zeigt an, wenn eine Kuh über zwölf Stunden nicht mehr beim Melken war", erklärt Fehrenbach. Die Nummer der Ohrmarke und der Name der Kuh erfährt er ebenfalls. "Die ist altmelkend und muss ich jetzt von der Weide herholen", sagt er. Von altmelkend spricht man, wenn eine Kuh – wie die mit dem roten Punkt – vor 240 Tagen gekalbt hat und wieder trächtig ist. Zwischen zwei Kalbungen liegen im Durchschnitt 320 Tage. Zwei Monate vor dem Kalben werde die Kuh "trockengestellt", also nicht mehr gemolken.

Der Roboter hilft beim Melken

Auch rinderige (paarungsbereite) Tiere kommen oft nicht von allein zum Melkroboter. Das ist bei einer zweiten Kuh mit rotem Punkt der Fall. Beide Kühe begleiten Fehrenbach bereitwillig von der Weide zum Roboter, wissend, dass es dort bei jedem Melkvorgang eine Portion Kraftfutter gibt. Während des Fressens vermisst der Roboter das Euter per Laser. Die Zitzen werden gereinigt, erst dann steckt der Roboterarm die vier Zitzenbecher nacheinander an das Euter.

Der Melkvorgang dauert im Durchschnitt etwa fünf Minuten. Die Zeit nutzt der Landwirt zur Tierbeobachtung und -kontrolle. "Frisst es? Hat es keine Euterentzündung?", das lässt sich aus nächster Nähe feststellen. Sinkt der Milchfluss pro Minute unter einen bestimmten Wert, entlässt der Melkroboter die Kuh wieder. "Bei der Kuh bleib’ ich, bis sie angehängt ist", zeigt er auf deren dicht beieinanderliegenden Zitzen, an die sich die Melkbecher erst nach mehrmaligen Fehlversuchen angesetzt haben.

"Bei der Biomilch hat der Milchpreis zumindest bis jetzt nicht die großen Schwankungen wie bei der konventionellen Milch." Matthias Fehrenbach
Dass auf dem Wilmershof vorwiegend Schwarzbunte grasen, hat seine mehrere Gründe: "Die sind ruhig, haben ein weiches Euter und geben daher gut Milch, sie lassen sich schnell melken." Einen Limousin-Bullen lässt er auf der Weide mitlaufen: "Der ist eher ruhig. Aber nach zwei Jahren tausche ich ihn meist aus, weil er dann unruhiger wird." Rund 25 Liter Biomilch liefert im Durchschnitt eine Kuh pro Tag. Mit dem Milchpreis zeigt er sich zufrieden: "Bei der Biomilch hat der Milchpreis zumindest bis jetzt nicht die großen Schwankungen wie bei der konventionellen Milch."

Die Melkbox und die Futterkrippen sind wieder leer. Jetzt startet Fehrenbach den Radlader und schiebt das im Mittelgang abgeladene Heu an die Futterkrippen, über das sich die Kühe gleich genüsslich hermachen. Trotz der technischen Vollausrüstung, die jede Arbeit enorm erleichtert, bleibt Handarbeit gefragt. Den Mist aus den Zwischengängen schiebt Klara Fehrenbach in den Schieberbereich, der alle zwei Stunden automatisch entmistet wird. Auch füllt sie mit der Gabel neue Einstreu in die Liegeboxen.

Da meldet sich der Nachwuchs im Freien: Sieben kleine Kälber, die in Kälberhütten mit Auslauf auf dem Hof untergebracht sind, wollen frühstücken. Fehrenbach hängt die gefüllten Milcheimer an die passenden Vorrichtungen und schon hört man das Schmatzen von sieben hungrigen Kälbern an ihrer Milchbar.

Auch Kleinvieh macht Mist und Arbeit: Neben drei Schweinen und mehreren Ziegen gilt es Hase Hoppel, Schaf Paul, Pony Karlsson, Esel Ida und Pferd Tina zu versorgen. Auch 14 Hühner und drei Enten füttert Klara Fehrenbach gegen 7 Uhr. "Die dürfen jetzt raus", sagt sie und öffnet den Hühnerstall. Gackernd und hintereinander geht es über die Hühnerleiter ins Freie. Warum nur ein Ei bei 14 Eierlegerinnen im Nest ist? Mutter Klara weiß den Grund: "Die Feriengäste sind ganz scharf auf das Eier ausnehmen, das ist ihnen das Wichtigste vom Tag." Dass manches Ei nicht in die dafür vorgesehene Schachtel wandert, sondern in der Pfanne der Ferienwohnung, nimmt sie gelassen.

Überhaupt spielen die Gäste eine große Rolle auf dem Wilmershof, der seit 1974 Feriengäste beherbergt. "Die sieben Ferienwohnungen sind fast das ganze Jahr hindurch", sagt Mathias Fehrenbach. Ehefrau Andrea managt dieses Standbein und produziert nebenbei Bauernhofeis, mit dem sich der Wilmershof einen Namen gemacht hat. Sechs Eissorten haben Fehrenbachs im Angebot, hauptsächlich beliefern sie die Gastronomie und den Schmidts Markt in Titisee-Neustadt.

14 Hühner und ein Ei

Jeden Tag um 17 Uhr treten alle Gäste zur Stallarbeit an und striegeln Pferde, füttern Schweine und Kälber, streicheln Hasen, schorren den Mist ab, kehren den Hof, nehmen die Eier aus.... "Sie sind eigentlich überall einsetzbar, außer beim Melken", sagt der Landwirt, der sich dank der Automatisierung seines Betriebs viel Zeit für die Gäste nehmen kann.

Und was macht der Wilmershof-Bauer nach der Stallarbeit? "Frühstücken. Dann geht es mit den Jungs in den Wald zur Jungbestandspflege", zeigt er auf die Waldfläche, die vom Hof aus zu sehen ist.

Die Arbeit geht Matthias Fehrenbach jedenfalls nicht aus, da es auf dem Hof auch immer wieder etwas zu bauen gibt. Derzeit arbeitet er an der Verglasung der Terrasse entlang der Kreisstraße, die durch den Hof führt. Die Gäste sollen es auf dem Wilmershof noch ruhiger haben.

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