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16. August 2012

Abtauchen ins Mittelalter

Die vom Röttelnbund gepflegte Ruine hoch über Lörrach ist immer eine Reise wert.

  1. Es ist kaum möglich, sich zu verirren. Foto: Niels Gehrig

  2. Sich zu verirren ist kaum möglich. Foto: Niels Gehrig

LÖRRACH. Es sind Sommerferien – Zeit für Unternehmungen. Da bietet es sich an, den Aufstieg zur Röttler Burg mal wieder in Angriff zu nehmen. Beeindruckend erstreckt sie sich fast 300 Meter in Nord-Süd Richtung und ist damit eine der größten Burgruinen Badens. Der Röttelnbund kümmert sich seit langem um die Pflege der Ruine und hat sie zu einer attraktiven Anlage gemacht. Jährlich kommen mehr als 50 000 Besucher aus aller Welt zu Besuch. Ein Rundgang.

Auf dem Weg nach Haagen ist die Ruine kaum zu übersehen. Sie liegt erhöht in herrlicher Umgebung – nur die Autobahn, die etwas unterhalb der mächtigen Anlage eine große Kurve beschreibt, scheint das Mittelalter-Bild zu stören. Auf den ausgeschilderten Fußwegen hinauf zur Burg ist der Autobahnlärm nicht zu überhören. Er und das Knistern der Hochspannungsleitungen bilden zur Burgatmosphäre, die einen erwartet, einen herben Kontrast. Erst wenn man den Wald erreicht hat und der Lärm nachlässt, kann man in die Natur eintauchen – und schon bald erkennt man die eindrucksvollen Burgmauern. Sie sind teils grün bewachsen und scheinen mit der Umgebung zu verschmelzen.

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Die Vorburg betritt man durch ein großes Tor, auf der rechten Seite lädt ein Biergarten ein. Unter dem Schatten der Kastanien kann man sich vom Aufstieg erholen, und wer’s gehobener mag, ist auf der gegenüberliegenden Seite in der Burgschenke willkommen. "Wir sind schon seit fast 19 Jahren für die Gastronomie auf der Burg zuständig, dazu richten wir noch Sektempfänge und Hochzeitsessen aus", erklärt Dörthe Stein, die mit ihrem Mann sowohl die Burgschenke als auch den Biergarten betreibt. Tatsächlich ist es möglich, in dieser Atmosphäre standesamtlich zu heiraten.

Über eine Zugbrücke gelangt man in die höher gelegene Oberburg, von dort schweift der Blick zurück auf das vorgelagerte Areal. Die Spuren der Burgfestspiele sind deutlich zu erkennen, weit unten auf dem Burgplatz wirkt die Kulisse wie die Szene eines Puppenspiels. Scheinwerfervorrichtungen und eine große Bestuhlung lassen ahnen, wie eindrucksvoll ein Theaterabend hier ist. Für die seit 1968 jährlich stattfindenden Festspiele, die für dieses Jahr bereits zu Ende sind, bietet die Burg die perfekte Kulisse. Nicht selten sind die 500 Plätze restlos ausverkauft.

Hat man die Zugbrücke überquert, gelangt man direkt in das Museum, das vom Röttelnbund getragen wird. An der Kasse steht eine Mitarbeiterin des Vereins, um sie herum stapeln sich Postkarten und Prospekte. "Bei gutem Wetter haben wir hier einen atemberaubenden Ausblick über die Stadt, den Jura und die Alpen", schwärmt sie.

Besonders stolz ist der Röttelnbund auf die Sauberkeit der Burganlage. "Jede Woche wird hier hart gearbeitet, damit alles so schön bleibt", betont sie. Alle paar Jahre werden Teile der Burg renoviert, letztes Jahr beispielsweise die Seitenmauern, die vor allem durch den kalten Winter in Mitleidenschaft gezogen worden waren. Das Museum stellt nicht nur einzigartige historische Funde aus, die bei einigen Renovierungsarbeiten zu Tage kamen, sondern informiert auch über die lange Geschichte der Burg.

Alte Bilder und Dokumente sind zu betrachten, aber auch Funde aus früheren Zeiten. Die Anfangszeit der Burg ist schwer festzuzurren. Sie wurde 1259 erstmals in Urkunden erwähnt, ihre Entstehungsgeschichte reicht aber ins 11. Jahrhundert zurück. 1315 ging sie in den Besitz der Markgrafen von Hochberg über, die sie zu einer der mächtigsten Festungen im Südwesten ausbauten. Das Erdbeben von 1356, das Basel fast völlig zerstörte, hinterließ auch auf der Burg seine Spuren, während des Dreißigjährigen Krieges wurde sie abermals beschädigt. 1678 wurde die Burg während der Erbfolgekriege Ludwigs XIV. zerstört. Heute gehört die Vorburg der Stadt, der Teil mit der weitaus älteren Oberburg ist im Besitz des Landes.

So viel zur Geschichte – die Burg lässt sich aber schließlich auch sinnlich erfahren. Betritt man die Ruine, steuert man geradeaus in einen finsteren Raum, der den Charakter eines Verlieses hat. Zusammengeklappte Biertische an den Wänden lassen vermuten, dass hier unterdessen weniger Bedrückendes geschieht. Es ist nicht das einzige Gemäuer, das der Röttelnbund für festliche Anlässe zu Verfügung stellt, auch die "Burgstube", die man vom Parkplatz aus gut erreichen kann, ist für Privatfeiern zu mieten.

Nach einem weiteren kurzen Aufstieg hat man den zentralen Punkt der Oberburg erreicht – den Burghof. Er ist von den Ruinen des "Palas", des Wohngebäudes der Herrschaft, und der Burgkapelle umgeben. Der Schatten der Burgsilhouette macht den Hof zu einem kühlen Plätzchen, einige Bänke laden zu einer Pause ein, ein gerade im Hochsommer angenehmer Wind bläst durch das offene Gemäuer. Für Kinder sind die in den Wald eingebetteten Ruinen ein echter Abenteuerspielplatz – obwohl das Betreten großer Teile der Anlage aus Sicherheitsgründen selbstverständlich verboten ist. Der Hof wird eingeschlossen von zwei Türmen, die im Wortsinn die Höhepunkte der Anlage sind. Man hat die Treppen des Bergfrieds zu bezwingen, will man den höchsten Punkt erreichen. Dort, unter der Badischen Flagge, herrscht gerade ausgelassene Stimmung. Es ist klare Sicht, Besucher meinen die Alpen und andere Gebirgszüge zu erkennen – einen Blick aufs Lörracher Rathaus kann man bei jeder Wetterlage genießen. Grill-Duft steigt nach oben. Es ist Mittagszeit – Zeit für eine Rast. Vom Turm aus wirken die Grillstätten am Waldrand besonders einladend, hier kann man neue Kräfte sammeln und den Tag am Rande des Gemäuers bei netter Gesellschaft ausklingen lassen.

Öffnungszeiten: Burgruine ganzjährig 10 bis 18 Uhr, Museum bis Ende Oktober 10 bis 18 Uhr. Führungen nach Anmeldung: Tel. 07621/56494



Autor: Niels Gehrig


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