Die Pendler-Odyssee hat ein Ende

dvn

Von dvn

Fr, 31. August 2018

Ortenaukreis

Diesen Freitag wird der Grenzübergang Rheinau – Gambsheim nach dreimonatiger Vollsperrung für den Kraftverkehr wieder geöffnet.

GAMBSHEIM/RHEINAU (dvn). Nicht nur Pendler sind erleichtert. Auch Firmen und Einzelhändler in der nördlichen Ortenau fiebern der Öffnung des Rheinübergangs an diesem Freitag gegen 12 Uhr entgegen. Denn die dreimonatige Vollsperrung der deutsch-französischen Verkehrsader brachte massive Nachteile mit sich.

Leere Parkplätze vor Freistetter Supermärkten verdeutlichten beispielhaft das Ausmaß der aus Sanierungsgründen letztlich unumgänglichen Vollsperrung des Rheinübergangs. Andreas Kempff, Hauptgeschäftsführer der IHK Südlicher Oberrhein, spricht von einer "erheblichen Durststrecke". Unternehmen, die sich auf elsässische Kunden spezialisiert haben, meldeten nach IHK-Angaben Umsatzeinbußen von bis zu 80 Prozent. Für Mitarbeiter, die einen Umweg in Kauf nehmen mussten, wurden zum Teil die Arbeitszeiten angeglichen. Für einige Unternehmen, gerade im Handel, waren die Umsatzeinbußen jedoch zu hoch, um solche Lösungen zu ermöglichen, teilt die IHK mit. "Sie haben Mitarbeiter zum Teil freigesetzt oder in der Zeit der Vollsperrung unbezahlt beurlaubt", weiß Kempff.

Einen Umsatzverlust von 50 bis 60 Prozent verzeichnet Manfred Hetz in seinem Getränkemarkt unweit des ehemaligen Grenzübergangs. Dennoch verzichtete er auf Kündigungen und Kurzarbeit für seine Beschäftigten. Entsprechend bestellte er weniger Waren: "Die Lastzüge waren zwar voll bestückt, doch sie kamen seltener", erklärt Hetz. Von einer Normalisierung könne innerhalb weniger Wochen nicht die Rede sein. "Bis die gesamte Kundschaft zurück kommt, können bis zu eineinhalb Jahre vergehen", sagt Hetz.

Auch für Handwerksbetriebe und Firmen hatte die Vollsperrung Folgen: "Bedürfnisse von individuellen Schichtarbeitszeiten konnten durch Maßnahmen wie die Einrichtung von Pendlerbussen nur schwer abgedeckt werden", erläutert Kempff. Dabei setzten die Unternehmen für ihre Mitarbeite teilweise auf kreative Lösungen: "So hat ein Unternehmen beispielsweise zwei Gebrauchtwagen gekauft, und diese ihren Pendlern zur Verfügung gestellt", berichtet der IHK-Hauptgeschäftsführer. Bei der Freistetter Firma Zimmer haben Beschäftigte Fahrgemeinschaften der jeweiligen Schicht gebildet, sagt Personalleiterin Sarah Rudolf auf Anfrage. "Der bereitgestellte Linienbus wurde überwiegend nicht in Anspruch genommen, trotz Bezuschussung durch die Zimmer GmbH", so Rudolf.

Unternehmen reagierten mit kreativer Personalpolitik

Werner Klotter ist indes froh, dass die Sperrung ein Ende hat. Der Geschäftsführer des gleichnamigen Elektrotechnik-Betriebs erzählt, dass sie die Personal- und Schichtplanung massiv beeinflusste: "Die meisten der 20 betroffenen Mitarbeiter haben Fahrgemeinschaften gebildet oder nahmen den Umweg über Iffezheim in Kauf, andere hatten Urlaub genommen", so Klotter. Die Sperrung habe Kraft gekostet. "Es war nicht einfach, die Ausfälle aufgrund des Fachkräftemangels über Leihpersonal zu kompensieren", ergänzt Klotter.

Das Unternehmen Hauser Logistik spürte die Sperrung ebenfalls. Die Speditionsfirma hat eine Filiale im Elsass, zudem wohnen mehrere Fahrer auf der anderen Rheinseite. Einige nutzten die provisorische Fußgänger- und Radwegbrücke über die Schleuse, andere wichen über die Fähre Greffern und Iffezheim aus, berichtet Jürgen Böhly von Hauser Logistik. Auch für das Unternehmen bescherte die Vollsperrung Mehrkosten, da Fahrtrouten der Spedition nach Frankreich über Iffezheim verlegt werden mussten.

Die IHK prognostiziert, dass sich der Zustand für zahlreiche Unternehmen indes normalisieren werde. "Besonders aus dem Handel kam jedoch auch die Befürchtung auf, nach der Fertigstellung der Brücke Kunden zu verlieren, denn bei einer dreimonatigen Einschränkung könnten Kunden auch ihre Gewohnheiten verändern", erklärt Kempff.

Bewährt habe sich aus Sicht des Landratsamts des Ortenaukreis indes der Busshuttle für Berufspendler von der Fischtreppe über Freistett und Gamshurst bis nach Achern. Zwischen 100 und 130 Personen nutzten diesen Service. Die Nachfrage sei durchweg sehr gut. Sobald die Sperrung des Rheinübergangs aufgehoben ist, wird die Busverbindung eingestellt. Eine dauerhafte, grenzüberschreitende Buslinie, wie im Süden des Ortenaukreises zwischen Erstein und Lahr, ist zwischen Gambsheim und Achern vorerst nicht geplant.