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31. Januar 2011 19:54 Uhr

Geschmackssache

Ärger um Hausfassade in Freiburg – Ein Nachbar sieht rot

Rot oder orange, grün oder gelb: Freiburg ist bunter geworden – zumindest was die Häuserfassaden betrifft. Doch nicht allen gefällt’s. In Ebnet sorgte eine bemalte Giebelwand für Ärger in der Nachbarschaft

  1. Peppige Farbe oder Feuerwehrrot? Auf jeden Fall ein Blickfang im Neubaugebiet. Foto: Ingo Schneider

Wenn Krista und Dieter Bauer aus dem Wohnzimmerfenster schauen, sehen sie rot. Auf dem übernächsten Grundstück in Ebnets neuem Baugebiet Hornbühl/ Kreuzsteinäcker sticht ihnen die in peppigem Rot gestrichene Giebelwand einer Reihenhauszeile ins Auge. Dort hat das städtische Wohnungsbauunternehmen Stadtbau sieben Wohneinheiten für junge Familien in zwei Reihenhauszeilen hingestellt.

Seit September 2009 sind sie fertig und seither leuchtet der Giebel der einen Häuserzeile in fröhlichem Orange, der der anderen in warmem Rot. So sieht es jedenfalls Architekt Ulrich Teichert: "Der warme Farbton ist ein Gestaltungsmittel, um die Wandscheiben darzustellen. Damit haben die Häuser eine heitere Note bekommen – das sieht auch schön aus, wenn Schmuddelwetter ist."

Dezentere Farbe für das Haus

Weniger heiter ist Familie Bauer. Eine grelle Feuerwehrfarbe sei das, sagt Krista Bauer: "Wenn da die Sonne drauf scheint, ist in unserem Wohnzimmer alles rot." Die Bauers fühlen sich massiv gestört, zumal die großen Wohnzimmerfenster genau nach Osten Richtung roter Fassade gehen. Auch die Argumente von Architekt Teichert überzeugten sie nicht: Dass nämlich in fünf Jahren die gepflanzten Bäume größer seien und sowieso noch ein Haus auf dem Grundstück dazwischen gebaut werde. Nach langem Hin und Her hat man nun eine einvernehmliche Lösung gefunden: Die Hauswand wird in einem dezenteren Ton neu gestrichen, den Anstrich – Kosten: rund 1300 Euro – bezahlen die Bauers.

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Diesen "Spezialfall" (Architekt Ulrich Teichert) hat nun das Forum Ebnet zum Anlass genommen, im Ortschaftsrat ein Ortsbildsatzung einzufordern: Diese solle helfen, "Ausreißer" bei der Fassadengestaltung zu verhindern. Ein problematischer Antrag, denn: Wer bestimmt, ob eine Farbe störend ist oder nicht?

Jeder streicht, wie er will

Bislang gibt es in Freiburg keine Ortsbildsatzungen. Im Gegenteil: Sein Haus kann jeder anstreichen, wie er möchte. Lediglich eine Satzung zum Schutz der historischen Altstadt sorgt für ein einheitliches Erscheinungsbild der City; hier macht das Stadtplanungsamt auch manchmal Farbberatung. In den Wohngebieten aber darf man’s bunt treiben – am besten zu besichtigen ist das in Vauban.

Dort ist fast jedes Haus in einer anderen Farbe gestrichen; quartiersweit ergibt das ein fröhliches Farbenmosaik. Dass Farben eine Sache des persönlichen Geschmacks sind, gilt jedoch auch hier: Die elegant-dunkelbraune, bei trübem Wetter fast schwarze Fassade eines Hauses in der Georg-Elser-Straße wurde anfangs von den Nachbar eher kritisch beäugt.

Kräftige Farben sind in Mode

Malermeister Johannes Ullrich ist die Problematik nicht neu: "Kaltes Gelb wirkt grell, intensives Rot leuchtend – es gibt alles und alles ist erlaubt." Es komme hin und wieder vor, dass man Hausbesitzern von einer Farbe abraten müsse – mit Rücksicht auf die Nachbarn. Das in eine Satzung zu fassen, dürfte jedoch schwierig sein – zumal sich dem Zeitgeist entsprechend die Vorlieben für Farben ändern. Waren Außenfassaden lange Zeit hauptsächlich weiß oder beige, sind heute kräftige Farben in Mode. In Ebnet jedenfalls haben die Nachbarn das Problem so gelöst, wie jeder Nachbarschaftszwist gelöst werden sollte: Man hat miteinander geredet.

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Autor: Simone Lutz