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12. Juli 2012

Als Fischingen noch Badeort war

Das heilkräftige Wasser soll auch einen gelähmten Zimmermann aus Huttingen kuriert haben / 1880 schloss das Bad endgültig.

  1. Der historische Kalender 2012 zeigt Johann Friedrich Hagist mit seinen Töchtern (von links) Hilda, Elise und Emma vor seinem Haus.

  2. Das Fischinger Bad von einst, wie es der Kalender des Geschichtsvereins 2011 zeigt, und das Gebäude heute. Foto: repros: Geschichtsverein

  3. Foto: privat

FISCHINGEN (BZ). Kaum zu glauben, aber wahr: Fischingen war einmal Badeort. Die Region am Oberrhein, geologisch sehr aktiv, ist durch Brüche und Risse gekennzeichnet. Durch sie konnte Wasser tief in die Erdkruste eindringen – und an anderen Stellen, erwärmt und mit Mineralien angereichert, wieder ans Tageslicht kommen. Zum Beispiel in Fischingen, wo eine Badstube bereits 1501 vermerkt ist. Gleich zwei Kalenderausgaben des Geschichtsvereins Vorderes Kandertal erzählen davon.

Die Mitglieder des Geschichtsvereins haben herausgefunden, dass man das einige Zeit lang offenbar in Vergessenheit geratene heilkräftige Wasser der Fischinger Badquelle in den 1730-er Jahren wieder entdeckt hat. Damals wurde in dem Dorf am Läufelberg ein Badhaus mit dazugehöriger Wirtschaft errichtet, wie im historischen Kalender des Jahrs 2011 zu lesen ist. Das Badhaus von einst steht übrigens heute noch. Der stattliche Gasthof "Zum Baselstab" wies damals neben dem Gastraum noch zehn Fremdenzimmer und ein Sprechzimmer für den Badearzt auf. Im angebauten Flügel war das Bad mit acht Kabinen untergebracht.

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Der Basler Arzt Dr. Claudius Passavant, so ist im Kalender für das Jahr 2011 zu lesen, erstellte 1739 ein Gutachten über die Qualität des Wassers und dessen möglicher Heilkraft. Auch wusste er das Ausflugsbad anschaulich zu schildern, in dem neben dem Kurbetrieb allerlei Annehmlichkeiten und Vergnügungen für die Badegäste stattfanden. Ein großer Tanzsaal und später auch eine Kegelbahn trugen zur Unterhaltung der Gäste bei.

Die verkehrsgünstige Lage Fischingens in der Nähe Basels lockte damals viele Badegäste aus der Münsterstadt an, und es wurde schließlich eine regelmäßige Fahrverbindung eingerichtet. Zwischen Eimeldingen und Fischingen stand zu der Zeit noch ein Wald, das "Rutenholz", mit schönen, schnurgeraden Spazierwegen, wie alte Quellen verraten, die der Geschichtsverein aufgestöbert hat. Auf der "großen Allee" reisten die wohlhabenden Bürger und Handwerker aus Basel in einem stattlichen vierspännigen Planwagen an, um ihre Leiden zu lindern.

Die heilsame Wirkung des Wassers hatte sich schnell herumgesprochen, und es wurde berichtet, dass da "viele Bresthafte kuriert worden" sind. So soll ein gelähmter Zimmermann aus Huttingen wieder genesen sein, auch arthritische Beschwerden einer Frau aus Lörrach ließen sich in Fischingen beheben. Eine Frau aus Grenzach soll nach einer Kur ihre Krücken weggeworfen haben. Und zahlreiche Handwerker und Bauern aus dem Markgräflerland linderten ihre Ischias- und Rheumaleiden im Fischinger Bad.

Als man Anfang des 18. Jahrhunderts die Heilkraft des Wasser wiederentdeckte, wurden im Markgräflerland mehrere frühere Bäder reaktiviert. Erster Badwirt in Fischingen nach Wiederherstellung der obermarkgräfler Bäder war 1738 Burckhardt Seckinger aus Binzen. Ihm folgte Johann Georg Schenk aus Ebersbach bei Göppingen, der vermutlich auch der Erbauer des heute noch bestehenden Gebäudes war.

Badwirt Georg Ludwig Ankelin erhielt am 23. Juli 1834 auf Lebenszeit vom Großherzoglichen Bezirksamt Lörrach eine persönliche Gastwirtschaftserlaubnis zu seiner bestehenden "Badgerechtigkeit". Nach seinem Tod ließen seine Erben 1837 das Fischinger Bad versteigern. Es gingt an die Brüder Samuel und Georg Weißenberger, Barbiere und Wundärzte aus Riehen. Bereits drei Jahre später wollten sie das Bad wieder verkaufen, fanden aber keinen Interessenten dafür. Samuel Weißenberger wurde 1840 Pächter des Gasthauses "Löwen" in Eimeldingen und sein Bruder Georg führte den Badbetrieb alleine weiter.

Georg Weißenberger verstarb 1860, seine Witwe und ihr Sohn Karl betrieben das Bad weiter, wie man im historischen Kalender 2012 nachlesen kann. In einer Anzeige der Witwe Weißenberger im "Amtlichen Verkündigungs-Blatt" Lörrach vom Juli 1860 ist in der "Bad-Empfehlung" zu erfahren, dass auch "die niederen chirurgischen Verrichtungen wie früher besorgt werden können". Mit 29 Lebensjahren verstarb der ledige Karl Weißenberger im Jahr 1867, kurze Zeit nach dem Tod seiner Mutter. Das Fischinger Bad kam erneut zur Versteigerung.

Johann Friedrich Hagist erwarb das "Bad zum Baselstab" und die Wirtschaft, die er – wie der Geschichtsverein schreibt – bis Ende 1873 selbst betrieb. Danach folgen die Pächter Friedrich Wetzel (Frühjahr 1874) und Gustav Güdemann (Februar 1878). Im März 1879 übernahm Hermann Hagist das Anwesen, bot aber nur noch für diese Saison Bäder an. Die neu erbaute Eisenbahn, die das Aufsuchen weiter entfernter Badeorte ermöglichte, hatte den Niedergang des Bads beschleunigt, das 1880 schloss. Die Wirtschaft wurde noch bis 1895 betrieben.

Autor: bz


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