An der Schwelle des Lebens

Marius Alexander

Von Marius Alexander

Fr, 13. Juli 2018

Kreis Emmendingen

30 ehrenamtliche Begleiter hat der Hospizdienst Emmendingen, Teningen und Freiamt / Demnächst beginnt ein Einstiegsseminar.

EMMENDINGEN. Seit dem Jahr 1991 existiert für den Bereich Emmendingen, Teningen und Freiamt ein Hospizdienst, der vom Caritasverband des Landkreises in Kooperation mit dem Diakonischen Werk angeboten wird. Alte, schwer kranke und sterbende Menschen werden von momentan 30 ehrenamtlichen sowie drei hauptamtlichen Helferinnen und Helfern begleitet. Verstärkung ist erwünscht, weshalb im September ein Vorbereitungsseminar für diese anspruchsvolle Tätigkeit angeboten wird.

Nach einer Pause von zwei Jahren wird, wie Hospizdienstleiterin Sabine Weidert erläutert, wieder ein Seminar mit fünf Modulen angeboten. "Wir wollen Interessierte behutsam an das Thema heranführen", sagt sie. Jeder Teilnehmer soll die Möglichkeit bekommen, ohne jeglichen Druck zu überprüfen und auszuprobieren, ob die Tätigkeit für ihn die richtige ist. Weidert: "Es ist wichtig, dass die Menschen, die kommen, Offenheit mitbringen."

Pro Jahr begleiten die Ehrenamtlichen etwa 80 Menschen. Dabei, erläutert Sabine Weidert, stellten sich neben der Beurteilung von Schwerpunkten und des Umfelds Fragen wie die: Was können wir anbieten? Wer könnte noch helfen, müssen weitere Ärzte, ein Pflegedienst oder ein ambulanter Palliativversorger für unheilbar kranke Menschen eingebunden werden? Und manchmal müsse der Fragenkatalog auf finanzielle oder sozialrechtliche Bereiche ausgedehnt werden. "Wir sind gut verzahnt mit allen Akteuren im Landkreis", sagt Sabine Weidert. Das reiche vom Hausarzt bis zur Palliativstation. Seien diese eher formalen Fragen geklärt, werde überlegt, welcher ehrenamtliche Helfer − Weidert: als Mensch zu Mensch − zum jeweiligen Patienten passen könnte.

"Ich habe noch nie eine Ablehnung erfahren", sagt Werner Manke. Der 69-Jährige, der im Berufsleben Vertriebs-Ingenieur für wärmetechnische Anlagen war, arbeitet seit 2010 im Hospizdienst mit. Doch selbst wenn er von einem Patienten abgewiesen worden wäre, ergänzt er, "hätte ich das nicht persönlich genommen".

Ebenfalls nur Glück mit ihren Klienten hatte bislang Ingrid Fechner, auch 69 Jahre alt. Früh wurde sie Witwe, ihre Kinder leben heute in München und Frankfurt. Als sie in Rente ging, erzählt sie, habe sie sofort gewusst, dass sie ihrem Leben sowohl Sinn als auch Struktur geben müsse – und ging zu einer Info-Veranstaltung des Hospizdiensts. Seit 2015 arbeitet sie mit. "Ich fühle mich dazugehörig." Sie begleitet schon länger zwei zunehmend dementer werdende Frauen.

An welchem Punkt der Hospizdienst mit seiner Begleitung einsetzt, ist nach den Worten von Sabine Weidert kaum zu fixieren. Mitunter beginne der erste Kontakt zu einem alten Menschen sehr frühzeitig. Beispielsweise, wenn er eine Krise durchstehe. Erst später werde daran angeknüpft. Manchmal gehe es jedoch ganz rasch: im Krankenhaus "für die letzte Daseinsstrecke". Generell gelte. "Es lässt sich oft nicht planen und vorbereiten." Dennoch frage sie sich manchmal, "ob ein früherer Kontakt nicht besser gewesen wäre".

Zum Beginn einer Betreuung müsse die Frage nach dem hospizlich erkennbaren Auftrag eindeutig bejaht werden. Unter Umständen genügten dafür Todesängste eines Menschen. "Eine ärztliche Diagnose ist für uns nicht so wichtig", sagt Sabine Weidert. Von größerer Bedeutung sei hingegen die Frequenz von Besuchen, die sich am Bedarf auszurichten versucht. Am Ende eines Lebens könne die Betreuung sehr eng getaktet sein − womöglich mit mehreren ehrenamtlichen Helfern.

Auch wenn es um den Tod und um das Sterben geht, sagt Werner Manke: "Es ist für mich das große Glück. Es ist mir zugefallen und macht mir bis zum heutigen Tag Freude." Ingrid Fechner sagt: "Die Versöhnung am Ende des Lebens: Das ist das Schöne." Dabei werden die Ehrenamtlichen, die durchaus auch belastende Situationen erleben, vom Hospizdienst nicht alleine gelassen. Neben Supervisionen gibt es regelmäßige Treffen der Mitarbeiter und darüber hinaus Ausflüge. "Wir sind schon eine homogene Gruppe", sagt Ingrid Fechner. Die freiwillige Tätigkeit ist jedoch auch mit einer hohen Verantwortung verbunden.