Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

18. August 2012 01:23 Uhr

Gesamtkonzept für den Eckarts- und den Münsterberg

Auch am Münsterberg gibt es Risse in der Felswand

Nicht nur am Eckartsberg, sondern auch am Breisacher Münsterberg gibt es immer wieder Probleme mit Rissen in der Felswand oder mit losen Felsteilen. Dies bestätigte Breisachs Baudezernent Stefan Baum auf Anfrage der Badischen Zeitung.

  1. Am Westhang des Münsterberges liegt das Haus Fischerhalde 54. Hauseigentümerin Judith Faller zeigt die Risse, die sich an der Mauer im Hof des Anwesens gebildet haben. Foto: Gerold Zink

  2. Am Westhang des Münsterberges liegt das Haus Fischerhalde 54. Foto: Gerold Zink

  3. Da sich im Hof mehrere Risse an der Mauer gebildet haben, wurde die Mauer vorsichtshalber gestützt. Foto: Gerold Zink

Deshalb überlege die Stadtverwaltung, für beide Bergrücken ein Gesamtkonzept zu erstellen, bei dem in einem ersten Schritt alle problematischen Stellen sowie die Eigentumsverhältnisse geklärt und aufgelistet werden. Erst nach der Bestandsaufnahme könne die Frage beantwortet werden, wer die Kosten für eventuell nötige Sanierungsarbeiten übernimmt.

Dass es auch am Münsterberg Stellen gibt, die saniert werden müssen, zeigt die Tatsache, dass die Stadt bereits seit Jahren teilweise sechsstellige Summen für entsprechende Arbeiten ausgibt. So weist Baum zum Beispiel darauf hin, dass bei den Breisacher Festspielen erst vor zwei Jahren am Augustiner Holzwände gegen einen möglichen Steinschlag angebracht wurden. "Der Spritzbeton, der an vielen Stellen des Münsterberges zu finden ist, ist teilweise in die Jahre gekommen", fügt der Baudezernent hinzu. Auch deshalb sei eine ausführliche Bestandsaufnahme wichtig.

Liegen der Fels oder die Mauer, die Schäden aufweisen, auf einem städtischen Grundstück, dürfte die finanzielle Situation klar sein. Hier muss wahrscheinlich die Stadt alleine die Kosten bezahlen. Gehören Fels oder Mauer jedoch zu einem privaten Grundstück, ist die Sache deutlich komplizierter. Die Frage, ob die Stadt Privatpersonen vielleicht einen Zuschuss gewährt, kann Baum derzeit nicht beantworten. Er verspricht jedoch, "die Bürger mit ihren Problemen nicht alleine zu lassen, ihnen fachlich beratend zur Seite zu stehen und abzuklären, ob es vielleicht Förderprogramme gibt, aus denen Zuschüsse zu bekommen sind". Letztendlich, das ist auch Baum klar, "geht es natürlich ums Geld".

Werbung


Ein besonderes Augenmerk legt die Stadtverwaltung auf die Fischerhalde und die Münsterbergstraße, weil dort viele Menschen direkt am Berg wohnen. In der Münsterbergstraße geht es laut Baum vor allem darum, die Mauer von Bewuchs freizuhalten, weil Pflanzen die Standfestigkeit gefährden können. In der Fischerhalde liegt der Berg hinter den Häusern und drückt eventuell etwas von oben. Welche Arbeiten vielleicht wo dringend anstehen, müsse ein Geologe bei der Begehung entscheiden. "Auch wir vom Bauamt sind hier auf deren Sachverstand angewiesen", betont Baum. "Wenn ein Anwohner oder ein Betroffener auf die Stadt zukommt und sagt, er hat mit einem Riss ein Problem, dann wird sich die Stadt die Sache anschauen und versuchen, fachmännisch zu helfen. Wir lassen die Leute da nicht allein", fügt er hinzu.

Diese Hoffnung hat auch Judith Faller. Sie hat im Jahr 2005 das Haus Fischerhalde 54 erworben und die drei Wohnungen des Hauses renoviert. Bei der rückwärtigen Hofmauer, die das Haus zum Münsterberg abgrenzt, hat sie jedoch eine unliebsame Überraschung erlebt: bis zu 10 Zentimeter breite Risse, die sich immer weiter ausbreiten.

Als Judith Faller das unter Denkmalschutz stehende Gebäude kaufte, war es in einem schlechten Zustand. Der aus dem 16. Jahrhundert stammende Gewölbekeller war noch in Ordnung, das Innere des Hauses jedoch verwahrlost. "Das Haus gehörte Ende des 17. oder Anfang des 18. Jahrhunderts zur Kaserne, die 1742 geschleift wurde. Auf der Bodenplatte wurde dann 1845 das jetzige Haus errichtet", weiß sie zu erzählen. Das Anwesen mit der Hausnummer 54 sei eines der wenigen Häuser in der Fischerhalde, die den Zweiten Weltkrieg relativ unbeschadet überstanden hätten. Insofern habe es auch eine gewisse geschichtliche Bedeutung für die Stadt.

"Wir lassen die Leute da mit ihren Problemen nicht allein."

Baudezernent Stefan Baum
Judith Faller wollte, dass sich die Stadt an den Kosten der Mauersanierung beteiligt. Sie warf dem städtischen Gutachterausschuss schlechte Arbeit vor, konnte dies jedoch vor Gericht nicht eindeutig beweisen. Dennoch hofft sie nach wie vor auf die Hilfe der Stadt, "denn schließlich steht oben die städtische Schule Theresianum und der Berg drückt von oben nach unten", sagt sie. Die Mauer, die Risse aufweist, sei schätzungsweise 300 Jahre alt und habe schon an der Stelle gestanden, bevor das jetzige Haus errichtet wurde. Sie habe sich 2007 hilfesuchend an die Stadtverwaltung gewandt. Außer einem Besichtigungstermin vor Ort sei dabei aber nichts herausgekommen.

Die Kosten der Mauersanierung werden laut Faller auf rund 50 000 Euro geschätzt. Diese Summe könne sie alleine nicht aufbringen. Zur Sicherheit hat sie die Mauer mit Holzbalken abstützen lassen. "Ich habe ein verwahrlostet Haus gekauft, es renoviert und damit auch etwas für das Stadtbild getan. Jetzt fühle ich mich aber von der Verwaltung alleine gelassen", fügt sie hinzu. Hätte sie von dem Riss gewusst, hätte sie das Anwesen niemals erworben.

Wem die beschädigte Mauer gehört, ist klar. "Sie steht auf meinem Grundstück, klar ist aber auch, dass der Berg von oben drückt, und der ist städtisch", sagt sie. Bei Hängen gebe es das ungeschriebene Gesetz, "dass der Obere den Unteren schützt". Auf alle Fälle wünscht sie sich einen Termin mit den Verantwortlichen des Breisacher Rathauses, um das Problem gemeinsam besprechen zu können.

Zumindest diesen Wunsch wird ihr Baudezernent Stefan Baum erfüllen. Von der Badischen Zeitung auf die Sache angesprochen, erklärte er sich spontan zu einem Besuch vor Ort bereit. "Ich werde mich bei Frau Faller melden", kündigte er an.

Mehr zum Thema:

Autor: Gerold Zink