Auch über Müllheims Stadtgrenzen hinaus

Erik Stahlhacke

Von Erik Stahlhacke

Do, 24. Januar 2019

Müllheim

Um den Verkehr in der Stadt und die Wirtschaft in der Welt ging’s beim Agus-Monatstreff.

MÜLLHEIM. Die Arbeitsgemeinschaft Umweltschutz (Agus) hat dieser Tage zum ersten Monatstreff in diesem Jahr geladen. Auf der Tagesordnung standen die Nahverkehrspolitik, die anstehenden Kommunal- und Bürgermeisterwahlen sowie ein Vortrag mit der plakativen Forderung nach "weniger Wirtschaft".

Um den Diskussionstisch sitzen zehn Personen, die meisten von ihnen Agus-Mitglieder. Auf den Tischen Bier, Wein und Tee. Die Vorstände des Vereins, Jürgen Hauke und Martin Richter, eröffnen den ersten Monatstreff der Agus im gerade begonnen neuen Jahr. Großes Thema an diesem Abend: der Verkehr.

"Es müssen Anreize geschaffen werden, das Auto auch mal stehen zu lassen", wünscht sich Hauke. Das gelänge mit mehr Fahrradboxen am Bahnhof, in denen sich das eigene Rad einschließen lässt, und mit frequenteren Busverbindungen. Der Agus geht es um einen besseren Anschluss der Stadtteile an den Bahnhof, vor allem zu den Tagesrandzeiten. Ein Projekt, dass auch im neuen Jahr ganz oben auf der Liste steht und wofür Spenden benötigt werden.

Einen von der CDU-Fraktion im Gemeinderat gestellten Antrag zur Erarbeitung eines ÖPNV-Konzepts (BZ vom 18. Dezember 2018) sorgte bei den Anwesenden für Skepsis. Ob eine entsprechende Umsetzung folge, müsse abgewartet werden. Außerdem, so formulierten es einige, sei es bei diesem Antrag wohl vor allem um Stimmenwirksamkeit gegangen. Im Mai sind Kommunalwahlen.

Ein weiterer schnell abgehandelter Tagesordnungspunkt war die Bürgermeisterwahl im Herbst. Die Agus sucht dafür einen umweltpolitisch profilierten Kandidaten.

Der Großteil des Abends gehörte jedoch einem Thema, das über die Stadtgrenzen Müllheims hinausgeht – die Weltwirtschaft. Hermann Dahl, selbst Agus-Mitglied und laut Aussage Richters ein Urgestein der Umweltschutzbewegung in der Region, setzte für seine Rede beim Rekordsommer 2018 an, der "uns zum Nachdenken" gebracht habe. Seit Bekanntwerden der Umweltprobleme vor fünfzig Jahren habe die Politik kaum gehandelt. Grund laut Dahl: Vereinbarte Klimaziele werden nicht umgesetzt, dafür seien Wirtschaft und Politik viel zu eng verwoben – eine "Ehe", wie es der Muggardter nennt. "Eher eine Knechtschaft", wirft jemand ein.

Laut Dahl ist das Problem nicht die Wirtschaft an sich, sondern die politische Prämisse, dass sie stets wachsen müsse. Ein Beispiel aus der Tischrunde: der Abgasskandal. Wer sich jetzt notgedrungen ein neues Auto kauft, tut demnach wenig für die Umwelt, umso mehr aber für die Autoindustrie.

Dafür müsste eine Wirtschaft her, die ohne Wachstum auskommt. "Konkrete Konzepte liegen bereits vor", meint der Wachstumskritiker. Einer der Diskutanten gab zu bedenken: "Die Verquickung von Wirtschaft und Politik wird durch das Handeln jedes Einzelnen erst ermöglicht" – im Umkehrschluss müsse der erste Schritt aus der Gesellschaft kommen. Dahls Schlussbemerkung: Irgendetwas muss und wird passieren, entweder "by design" oder "by disaster", also durch aktives Gestalten oder durch eine hausgemachte Katastrophe.