Auf der Sonnenseite

Klaus Riexinger

Von Klaus Riexinger

So, 09. September 2018

Wirtschaft (regional)

Der Sonntag Badische Winzer hoffen zu Beginn der Ernte auf einen großen Weinjahrgang.

Der heiße und extrem trockene Sommer hat den Winzern im Land gesunde und qualitativ hochwertige Trauben beschert. Die erwartete überdurchschnittliche Menge könnte die Keller wieder füllen. Doch nicht alle Regionen in Baden haben Anlass zur Freude.

Auf 90 bis 95 Hektoliter pro Hektar Rebfläche schätzt Peter Wohlfarth, der Geschäftsführer des Weinbauverbands, den Ertrag der gerade begonnenen Weinernte. Trifft die Prognose zu, wäre es die größte Ernte seit 1999. Für das Weinland Band wäre das ein Segen. In den vergangenen Jahren lag die badische Weinwirtschaft regelmäßig deutlich unter den 90 Hektoliter, die als vermarktbar gelten.

Weinbaupräsident Kilian Schneider zeigte sich beim Pressegespräch am Freitag in Gottenheim über den Herbst so gut gelaunt, dass er den leicht abgewandelten Werbeklassiker der Deutschen Bahn für Badens Winzer in Anspruch nahm: "Alle jammern übers Wetter. Wir nicht." Schneider fand sogar, dass es nur gute Nachrichten zur Weinernte zu verkünden gebe: sehr gesunde Trauben, die Hitze hielt die Schädlinge fern, sehr hohe Qualität, gute Menge. Doch über den heißen und trockenen Sommer freuen sich nicht alle Winzer Badens gleichermaßen. Wohlfarth sagte, es werde schwierig werden, eine aussagekräftige Durchschnittszahl anzugeben. Wieder einmal sind es die nördlichen Anbaugebiete, die am ärgsten unter dem Wetterextrem zu leiden haben: Die Niederschläge fielen dort im Frühjahr nur gering aus, im Sommer litten die Reben unter Trockenstress. Am Tuniberg etwa ist das kein Thema. Die mächtige Lössschicht speichert ausreichend Wasser; die langen Wurzeln der Reben können das Reservoir mühelos anzapfen.

Inzwischen hat man in Baden auch gelernt, mit Wetterextremen wie in diesem Jahr besser umzugehen. Kilian Schneider spricht von markanten Jahrgängen, die nicht nur in Erinnerung bleiben, sondern aus denen die Winzer auch ihre Lehren gezogen haben. Dies gilt insbesondere für den sogenannten Jahrhundertsommer 2003. Die Sonne ließ damals die Oechsle in den Trauben so stark steigen, dass die Winzer am Ende Weine mit 15 Prozentvolumen Alkohol und mehr abfüllten. Den Weißweinen bekam diese Alkoholkur nicht gut – sie waren kaum wiederzuerkennen. Das schreckte Kunden ab. Das Ansinnen, für die "Jahrhundertweine" auch noch einen Preisaufschlag durchzusetzen, erwies sich dann vollends als Schnapsidee. Peter Wohlfarth erinnerte daran, dass an den Traubenannahmestellen sogar immer der aktuelle "Oechslekönig" bekannt gegeben wurde. "Man lernt dazu", kommentiert Peter Wohlfarth den Irrweg von vor 15 Jahren.

2018 ist einiges anders. Wohlfarth verwies darauf, dass Trauben für Selektionsweine bereits geerntet seien, bevor sie zu viel Zucker anreicherten. Im Keller seien inzwischen Hefen verfügbar, mit denen sich Alkohol abbauen lasse. "Die Betriebe haben einen Deckel eingezogen", sagte Wohlfarth in Bezug auf die Alkoholwerte. "Es ist nur die Frage, inwieweit das genutzt wird", so Wohlfarth fast schon in mahnendem Ton. Hinzu kommt, dass das Zusetzen von Säure seit 2003 Standard ist in Baden-Württemberg. Davon wird man dieses Jahr aber nicht übermäßig viel Gebrauch machen müssen. Die kalten Nächte der vergangenen Tage haben dafür gesorgt, dass die Trauben Säure entwickelt haben. "Überraschend fruchtbetont" fand Wohlfarth den ersten Most.

Hauk fordert besseres Marketing

Landwirtschaftsminister Peter Hauk hat bei dem Pressegespräch in Gottenheim angekündigt, das Risikomanagement der Landwirtschaft wegen des voranschreitenden Klimawandels zu stärken, etwa durch steuerfreie Rücklagen. Fördern will der Minister zudem das Marketing. Badischer Wein sei in Städten wie Hamburg oder Dortmund fast nicht erhältlich. Daher müsse das Marketing forciert werden. Als Vorbild nannte er Neuseeland, das konsequent auf Topprodukte gesetzt und sich mit seinen Spätburgundern international einen gut Ruf erarbeitete habe. "Die badischen Spätburgunder sind nicht schlechter", sagte Hauk. Die Schwäche Badens sei die Kleinteiligkeit. Die müsse man durch Engagement in der gemeinsamen Weinwerbung ausgleichen.