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01. März 2016 19:18 Uhr

Rheintalbahn

Bürgerinitiative kündigt Widerstand bei Räumung des Auggener Bahnwärterhäuschens an

Eskaliert der Konflikt zwischen der DB und einer Bürgerinitiative um das Bahnwärterhäuschen in Auggen? "Wir werden das Gelände nicht freiwillig verlassen", droht das Bündnis.

  1. Das Basislager des Bahnwiderstands will das BBM auf keinen Fall räumen und kündigt Widerstand an – mit Anspielungen auf Stuttgart 21 und Wyhl. Foto: sigrid umiger

Der Konflikt zwischen dem Bürger Bündnis Bahn Markgräflerland (BBM) und der Deutschen Bahn um das Auggener Bahnwärterhäuschen spitzt sich augenscheinlich zu. In einem Schreiben, das der Badischen Zeitung vorliegt, reagiert das BBM offenkundig auf eine Androhung vonseiten der DB, das Gebäude unweit der Rheintalbahn auf Höhe von Hach räumen zu lassen. "Das Gebäude steht seit Jahren leer und soll nun gerade jetzt im März/April abgerissen werden. Da wir wissen, dass der Bau der Neubaustrecke frühestens 2018 erfolgen wird und erst dann eventuell diese Fläche benötigt wird, können wir die Eile nicht nachvollziehen. Für den Abriss liegen auch sonst keine plausiblen Gründe vor und durch unsere weitere Nutzung entsteht für die DB auch kein Schaden", heißt es in dem Brief an die DB Netz AG.

"Da wir dieses Gebäude für unsere Arbeit als Bürgerinitiative benötigen, werden wir das Gebäude jetzt nicht verlassen." Bürger Bündnis Bahn
Eine Räumung des Häuschens will das Bürgerbündnis indes nicht hinnehmen: "Da wir dieses Gebäude für unsere Arbeit als Bürgerinitiative benötigen, werden wir das Gebäude jetzt nicht verlassen. Wir bitten Sie deshalb um die Duldung der Nutzung." Freiwillig werde man das Gebäude nicht verlassen, im Fall einer zwangsweisen Räumung kündigt das Bürgerbündnis Bahn Widerstand an: "Bitte treiben Sie es nicht auf die Spitze, wir wollen hier kein zweites Stuttgart 21 mit Wasserwerfern beziehungsweise kein zweites Wyhl."

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Aktivitäten der Bahnkritiker gehen weiter

Das lange Zeit leer stehende Bahnwärterhäuschen, an dem die badische Flagge von der B 3 aus gut sichtbar weht, war im Juli 2015 vom BBM besetzt und zum "Basislager zur Verhinderung der Antragstrasse" umfunktioniert worden. Im Spätherbst forderte die DB das BBM auf, das Häuschen zu räumen – unter anderem mit Verweis auf Sicherungspflichten – und erstattete Anzeige. Auf das darauf folgende Angebot des Bürgerbündnisses, das Gebäude von der Bahn zu mieten, ging die DB nicht ein.

Abgesehen von diesem Konflikt gehen die Aktivitäten der Bahnkritiker – nicht zuletzt mit Blick auf die bevorstehende Landtagswahl – weiter. So lädt das BBM am Montag, 7. März, 19 Uhr zu einem Treffen in die Auggener Kreuzkirche. Unter dem Motto "20 Tage nach Stuttgart, 6 Tage vor der Wahl: Wir ziehen Bilanz" will man noch einmal die Demonstration am 16. Februar vor dem Landtag in Stuttgart Revue passieren lassen, die Reaktionen der Politik auswerten und die weitere Vorgehensweise besprechen. Im Programm vorgesehen ist auch ein "politisches Gebet" mit Pfarrer Gernot Schulze-Wegener, der sich bereits in einem speziellen Gottesdienst am 14. Februar aus geistlicher Sicht mit dem Widerstand gegen die Pläne zum Ausbau der Rheintalbahn zwischen Hügelheim und Auggen auseinandergesetzt hat.

Geschwindigkeit von 250 km/h – sinnvoll und notwendig?

Die Region fürchtet unter anderem bis zu neun Meter hohe Lärmschutzwände und einen unzureichenden Schutz bei Gefahrguttransporten sowie Einschränkungen bei der Zukunftsfähigkeit des Schienenpersonennahverkehrs. Nach intensiven Gesprächen mit diversen Landespolitikern und der Demonstration in Stuttgart hatten zuletzt alle Parteien signalisiert, die Planungen für den umstrittenen Abschnitt noch einmal auf den Prüfstand bringen zu wollen. Unter anderem war von der Idee zu einem Workshop mit der Bahn und unabhängigen Experten die Rede, ebenso wie der Gedanke, den eigentlich abgeschlossenen Projektbeirat zu reaktivieren.

Einen Ansatzpunkt sehen die Kritiker der Bahnplanung vor allem in der Frage, ob im Abschnitt Hügelheim-Auggen der Ausbau der Trasse für eine Geschwindigkeit von 250 km/h wirklich notwendig beziehungsweise sinnvoll ist. Würde die Bahn darauf verzichten, so die These der Region, würden Ressourcen frei, um das dritte und vierte Gleis umwelt- und menschenfreundlicher gestalten zu können.

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Autor: hub