Ein "Ereignis von höchstem Range"

Volker Münch

Von Volker Münch

Fr, 16. Februar 2018

Auggen

Ab Aschermittwoch "schlawinert" die Auggener Schlawinergilde herum – Abends war sie in der Sonnenbergstube zur Proklamation.

AUGGEN. Tradition wird bei der Auggener Schlawinergilde ganz groß geschrieben: Bis heute gibt es bei der Proklamation "Härtöpfelsuppe" (für Zugezogene: Kartoffelsuppe) und Zwiebelewaie – übrigens nicht nur für die elf Schlawiner des Schlawinerrates, sondern auch für die heute große Schar an aktiven Hästrägern. Gewechselt hat nur das Lokal, in dem die Auggener Burefasnächtler zur Proklamation tagen.

Unvergessen ist die Initiative des längst verstorbenen Bürgermeisters und Ehrenbürgers Erich Läubin, der die Initialzündung zur Burefasnacht und zur Gründung der Schlawinergilde gab und in die Funktion des Oberschlawiners im ersten Jahr schlüpfte. Das war 1980. Seither haben sich die Schlawiner zu einer legendären Narrenschar entwickelt, die ab Aschermittwoch "herumschlawinert", Ortsprominente aufs Korn nimmt, mit dem berühmt-berüchtigten Ausschellen die neuesten Ereignisse im Dorf per Bekanntmachung ausruft und an den Schlawinerabenden Humor vom Feinsten mit einer kreativen Bühnenshow bietet.

Auf dem Weg zu den beiden Abenden am Freitag und Samstag machten die Schlawiner erst einmal Halt in der Sonnenbergstube zur Proklamation. "In Gott’s Name – Proscht!" rief Oberschlawiner Axel Baßler in die Menge. Bis dahin mussten sich geladene Gäste und viele der Mitglieder allerdings in Geduld üben: Der Schlawinerrat lief nämlich mit einer halbstündigen Verspätung im Lokal ein. Zuvor waren sie seit dem gemeinsamen Mittagessen auf einem Rundmarsch durchs Dorf, kehrten bei einigen Auggener und Hacher Betrieben ein und vergaßen bei dem einen oder anderen "Auggener Viertele" (ein Schoppenglas mit einem halben Liter Fassungsvermögen) die Zeit.

"Das ist unentschuldbar", sagte der Oberschlawiner und legte dem Schlawinerrat samt den anderen Hästrägern eine Strafarbeit auf. "Es wird eine Aktion sein, zum Wohl der Dorfgemeinschaft", erklärte Baßler. Er hatte auch mit einem Augenzwinkern eine Erklärung für die Verspätung parat: "Das Tagesprogramm hat uns einfach überfordert." Zu diesem Zeitpunkt war der Schlawinerrat allerdings nicht vollzählig. Mit weiteren 23 Minuten Verspätung trudelte Schlawinerrat Patrick "Meißburgunder" Gaess bei der Proklamation ein. Fürs Zuspätkommen zum "Ereignis von höchstem Range", so Oberschlawiner Baßler, gab es weitere Strafarbeiten für den jungen Schlawinerrat. Das heißt: Er muss bei der Gemeinschaftsaktion mitwirken, erhält eine zweite Strafarbeit für die Verspätung und gleich noch eine dritte obenauf für den Missbrauch des Schoppenglases, denn: "Du häsch doch tatsächlich Kola inegfüllt", stellte der Schlawinerboss fest. Das Strafmaß selbst soll in einer der kommenden Schlawinerratssitzungen festgelegt werden. Das Volk lachte. Natürlich durfte das Schlawinerlied nicht fehlen, genau so wenig die Verpflichtungsformel, die seit dem ersten Jahr der Gildengründung die Schlawinerräte auf ihre Pflichten zur Förderung der Burefasnacht festlegt.

Mit großem Respekt vor seinem Engagement für die Schlawinergilde wurde Mingo Matt aus dem Rat verabschiedet. Er möchte aus familiären Gründen ins zweite Glied zurücktreten. Baßler würdigte Matts Arbeit, die Vereinschronik vom Papier ins elektronische Zeitalter überführt, viele Informationen über eine Datenbank zugänglich gemacht zu haben. "Ein Riesenaufwand, die vielen Ordner aus mittlerweile mehreren Jahrzehnten zu sichten und zu verarbeiten", zollte der Oberschlawiner dem scheidenden Rat höchsten Respekt. Dies ermögliche heute, praktisch mit einem Tastendruck einzelne Bühnenakteure, deren Auftritte und vieles mehr abzurufen. Ähnliches gilt auch für das fast unerschöpfliche Wissen Matts in Sachen Bühnentechnik. Die beiden ersten Jahresorden mit der Zahl 2018 überreichte Oberschlawiner Baßler an die beiden Ehrenschlawiner Heinz Broghammer und Gerda Reinecker.

Dann war es soweit: Die Mitarbeiter der Sonnenbergstube verteilten die Schüsseln mit der fein duftenden Kartoffelsuppe und die handlichen Stücke Zwiebelewaie. Bis in die Nacht hinein feierten die Schlawiner ausgelassen. Gestern trafen sich die Aktiven zur Generalprobe für den Schlawinerabend. Heute ist dann vor ausverkauftem Haus Premiere, morgen, Samstag, geht das närrische Programm in die zweite Runde. Mal sehen, ob in diesem Jahr dann alle Toilettentüren heil bleiben und kein weiterer Konflikt mit der Gemeindeverwaltung am Himmel aufzieht...