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10. März 2011 18:39 Uhr

Ruhestörung

Augustinerplatz: "Säule der Toleranz" ist fast wirkungslos

Sie leuchtet schön, aber sie bringt nichts: Trotz der "Säule der Toleranz" ist es am Augustinerplatz in Sommernächten immer noch zu laut – wie die Stadt im vergangenen Juli ermittelt hat. Künftig soll verstärkt die Polizei für Ruhe sorgen.

  1. Friedlich ruht der Augustinerplatz derzeit auch in den Nächten. In den Sommermonaten sitzen hier bis zu 500 Menschen – oft weit bis in die Nacht. Foto: Ingo Schneider

  2. Leuchtet schön, das war’s dann aber auch schon: die Säule der Toleranz. Foto: Thomas Kunz

77 Dezibel – das ist ein Lautstärkepegel, der zwischen Rasenmäher und Presslufthammer liegt. 77 Dezibel – diesen Pegel hat die Stadt vergangenen Sommer am Augustinerplatz gemessen. Nachts um 1 Uhr. Für die Anwohner ist dieses Ergebnis keine Überraschung. Die Stadtverwaltung aber muss eingestehen: Am Augustinerplatz ist es so laut wie eh und je. Die "Säule der Toleranz" hat nicht dafür sorgen können, dass die Platzbesucher leiser werden. Die Stadt erwägt nun härtere Maßnahmen gegen uneinsichtige Ruhestörer.

Am kommenden Dienstag zieht der Gemeinderat eine Toleranz-Bilanz. Auf die sanfte Tour, mit einem "Toleranz und Kommunikation" getauften, selbst gestrickten Konzept wollte die Stadtverwaltung die Balance zwischen Anwohnern und Platzbesuchern hinbekommen. Was den Lärm anbelangt, muss das Konzept als gescheitert gelten: Bei zwei Messungen Anfang und Ende Juli 2010 wurden Lärmwerte von mehr als 77 Dezibel nach Mitternacht gemessen. Die Ergebnisse liegen sogar über dem Richtwert, den die Technische Anleitung (TA) Lärm für Industriegebiete (70 Dezibel) vorgibt – die Pegel überschreiten die nächtlichen Lärmgrenzen für Gewerbegebiete (50 Dezibel), von allgemeinen Wohngebieten (40 Dezibel) ganz zu schweigen. Gemessen wurde jeweils im zweiten Obergeschoss von Augustinermuseum und Atrium.

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2500 Euro fürs Putzen

Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach räumt ein, dass die Situation für die Anwohner nach wie vor unbefriedigend ist: "Bei einigen wenigen hartgesottenen Platznutzern fruchtet das Konzept nicht", erkennt er. Es geht auch um spontane Live-Konzerte nach 23 Uhr und oft auch weit nach Mitternacht. In diesem Jahr soll nun öfter die Polizei auf dem Platz vorbei schauen und gegebenenfalls die Instrumente konfiszieren. Bei der Polizei bleibt aber Skepsis: "Aufgrund unserer Personalsituation können wir uns kaum um den Augustinerplatz kümmern", so Polizeisprecher Ulrich Brecht. Immerhin wird das Revier Nord aufgestockt und bekommt ein paar Beamte zusätzlich.

Als Erfolg verbucht die Stadt den Einsatz der sogenannten Infoteams, die Platzbesucher vor Mitternacht fürs Lärmproblem sensibilisieren sollen und die Flugblätter verteilen. In diesem Jahr sollen nun die Einsatzzeiten des Infoteams auf Mai bis Juli begrenzt werden. Ziel sei, so die Stadt, dass sich die Situation auf dem Platz normalisiert. Das Toleranz-Konzept kostet die Stadt jährlich 22 000 Euro für die Offenhaltung der Toiletten am Platz, 5500 Euro wurden für das Info-Team und die Flugblätter, die verteilt werden, ausgegeben. Eine Zahl ist besonders interessant: 2500 Euro kostet pro Jahr das Reinigen der "Säule der Toleranz", die regelmäßig beklebt und auf andere Art und Weise malträtiert wird.
Beim Lokalverein Innenstadt sieht man nicht, dass sich die Situation verbessert hat. "Nein", antwortet auch Anwohnerin Henrike Beck auf die Frage, ob es am Platz in den Sommernächten leiser geworden ist – vor allem nach Mitternacht gibt es nach wie vor Probleme: "Es ist eine kleine Gruppe von etwa zehn Prozent der Platzbesucher, die Probleme macht." In einem Punkt sind sich Anwohner und Stadt einig: Durch das neue Abfallkonzept und das Öffnen der Toilettenanlagen gibt es weniger Dreck auf dem Platz als vorher.

Der Lokalverein Innenstadt verteilt an alle Altstadt-Haushalte jetzt Fragebögen zum Lärmproblem. Und der Erste Bürgermeister Otto Neideck kündigt an, dass die Stadt im Mai in der Altstadt Lärmmessungen vornehmen will. Wo es zu starke Überschreitungen gebe, werde dies Folgen haben, etwa kürzere Öffnungszeiten für Lokale, falls dort die Lärmquelle liege.

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Autor: Joachim Röderer